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Vom Pionier zur Talentschmiede des Jazz

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JugendJazzOrchester NRW feierte sein 30-jähriges Jubiläum mit fünf Konzerten
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1975 war Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland, das – mit Unterstützung seines damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau – ein Landesjugendjazzorchester einrichtete und förderte. Mit seiner nun 30-jährigen Geschichte darf das JugendJazzOrchester (JJO) NRW mittlerweile als Institution in Sachen Jazzausbildung gelten.

Neben der Aus- und Weiterbildung, die man in dieser Band erfährt, erhalten junge Musiker/-innen die Chance, wichtige Praxiserfahrungen zu sammeln. Für viele Mitglieder des JJO führte der Weg weiter in etablierte Big Bands, an Hochschulen oder zu einer Solokarriere.

So hat der für die Jubiläumskonzerte verpflichtete Pianist Frank Chastenier selbst in diesem Landesjugendensemble angefangen, bevor er von Peter Herbolzheimer in das Bundesjugendjazzorchester geholt wurde und 1990 ein festes Engagement bei der WDR Big Band bekam. Auch Till Brönner und Markus Stockhausen haben vor ihrer Solokarriere die Schule des JJO durchlaufen. Gefeiert wurde das Jubiläum natürlich mit Musik, mit fünf Konzerten an herausragenden Veranstaltungsorten in Nordrhein-Westfalen. Organisation und Programmgestaltung lagen in den Händen des „Vereins zur Förderung junger Jazzmusiker in NRW e.V.“ unter Leitung seines Vorsitzenden Thomas Haberkamp. Ermöglicht wurden die Jubiläumskonzerte durch die Förderung des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW und der Kunststiftung NRW. Das JugendJazzOrchester NRW war mit seinen Gastsolisten Katja Riemann, Paquito d’Rivera und Frank Chastenier in der Kölner Philharmonie, der Stadthalle Wuppertal, der Philharmonie Essen und in der Düsseldorfer Tonhalle zu hören. Den krönenden Abschluss bildete schließlich die Heimkehr nach Dortmund. Hier wurde das Orchester vor 30 Jahren von Glen Buschmann, dem ehemaligen Leiter der Städtischen Musikschule, gegründet; bis heute ist es in der Westfalenmetropole beheimatet.

Im Dortmunder Konzerthaus wurde – wie in den anderen Konzerten – ein abwechslungsreiches Programm geboten, von Swing, über afrokubanischen Jazz bis zum Jazzrock, mit dabei auch Kompositionen und Arrangements der drei Leiter des Ensembles Wolf Escher und Wolfgang Breuer (beides Gründungsdirigenten) sowie Michael Villmow. Pianist Frank Chastenier entlockte dem Flügel nicht nur alle möglichen Farben und Schattierungen, sondern verstand es auch, Herbert Grönemeyers „Mensch“ in ein Stück feinsinnigen Jazz zu verwandeln.

Katja Riemann einmal nicht als Schauspielerin, sondern als Jazz-Sängerin auf der Bühne zu präsentieren, war ein findiger Kunstgriff der Programmverantwortlichen, der aber auch musikalisch überzeugte; von der Sängerin mit dem dunklen Timbre hörte man zum Beispiel „The Moon is a harsh Mistress“ von Jimmy Webb und ein Arrangement von Stings „Fragile“. Der kubanische Klarinettist Paquito d’Rivera beeindruckte durch seine virtuosen Soli auf Klarinette und Saxophon und seine Spielfreude, die auch das Orchester ergriff, das durchgehend präzise und professionell musizierte. Der Kabarettist Robert Kreis moderierte den Abend unter Darbietung eigener Gesangs- und Step-Einlagen – allerdings ohne sein bekanntes 20er-Jahre-Outfit. Vom Publikum gab es zum Geburtstag dann auch viel Applaus für die Talentschmiede des Jazz in NRW.

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