Vor 100 Jahren (1922/06)

An unsere verehrten Leser!


(nmz) -
Die Preissteigerung auf allen Gebieten hat in letzter Zeit unsinnige Formen angenommen und muß naturgemäß in ihren Strudel auch viele Erzeugnisse hineinreißen, die geistigen Interessen zu dienen berufen sind. Wie sehr aber gerade unsere „Neue Musik-Zeitung“ dieser katastrophalen Entwicklung sich entgegenstemmte, davon mag untenstehende Tabelle ein anschauliches Bild entrollen.
Ein Artikel von Neue Musik-Zeitung

Während Löhne und Gehälter und die wichtigsten zu Herstellung benötigten Stoffe, insbesondere das Papier, in nie geahnter Weise im Preise gestiegen und noch weiter im Steigen begriffen sind, wird der durch die Not aufgezwungene vom 1. Juli 1922 an gültige neue Bezugspreis erst das 16fache des Friedenspreises betragen. Es muß jedem unserer verehrten Leser, der sich untenstehendes Bild genau betrachtet, einleuchten, daß es sich hier nicht etwa um eine „Verteuerung“ handelt; man wird vielmehr der Überzeugung sich nicht verschließen können, daß die Opfer, die der Verlag, in Würdigung seiner hohen kulturellen und künstlerischen Aufgabe, auch nach Inkrafttreten des neuen, in Wirklichkeit erstaunlich niedrigen Bezugspreises noch bringt, auch von den Abonnenten das Opfer rechtfertigt, nicht nur die neue, rechnerisch tatsächlich noch immer unzulängliche Steigerung des Bezugspreises zu ertragen, vielmehr durch eifrige Werbearbeit die „Neue Musik-Zeitung“ tatkräftig zu unterstützen.

Neue Musik-Zeitung, 43. Jg., 1. Juni 1922

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