Werkzeuge an die Hand bekommen

Detmolder Dirigierausbildung wird praxisorientierter


(nmz) -
Zum Wintersemester 2017/18 richten Professorin Anne Kohler (Chor- und Orchesterleitung) und Professor Florian Ludwig (Orchesterleitung) den neuen Masterstudiengang „Dirigieren“ an der HfM Detmold ein. Das Besondere an dem Studiengang ist die Vielzahl an praktischen Übungs- und Konzertmöglichkeiten mit Chor und Orchester und eine individuelle Schwerpunktsetzung durch die Wahl zusätzlicher Projekte. Opernvorstellungen, Oratorienaufführungen, Kinderkonzerte oder Jazzchorprojekte — Studierende können die breite Vielfalt musikalischer Angebote nutzen und vertiefen in der möglichst selbstständigen Arbeit ihre im Unterricht erworbenen Fähigkeiten. Friedrich von Plettenberg sprach mit den beiden Studiengangsleitern über ihre Visionen.
Ein Artikel von Anne Kohler, Florian Ludwig, Friedrich von Plettenberg

Die Hochschule wird einen neuen Masterstudiengang ins Leben rufen. Was möchten Sie damit erreichen?

Florian Ludwig: Der neue Masterstudiengang ist vor allem eine Vertiefung und Weiterentwicklung des Bachelorstudiengangs. Er ist so strukturiert, dass den Studierenden viel mehr Eigenverantwortung ermöglicht aber auch abverlangt wird. Als Dirigentin oder Dirigent muss man mit Verantwortung umgehen und es ist nie zu früh, das zu lernen. Daher ist unser Konzept für den Studiengang so angelegt, dass auf jeden Studierenden genau die richtigen Herausforderungen warten. Dabei steht natürlich die Arbeit mit professionellen Orchestern im Mittelpunkt. Denn nur durch diese kann sich eine dirigentische Persönlichkeit entfalten und festigen.

Was ist das Besondere daran?

Anne Kohler: Der neue Studiengang setzt die Ausbildung im Bachelor Dirigieren (Chor- oder Orchesterleitung) fort und eröffnet die Möglichkeit, auf exzellentem künstlerischen Niveau mit Chor und Orchester möglichst viel praktisch zu arbeiten. Gleichzeit lässt die Studienstruktur Raum zur Durchführung eigener Projekte und bietet Gelegenheit zur individuellen stilistischen Schwerpunktsetzung. Eine „Verschulung“ der Ausbildung, wie sie im Bachelor teilweise angelegt ist, wurde bewusst vermieden. In der Eignungsprüfung haben wir von der extremen Fixierung auf das Fach Klavier Abstand genommen, so dass auch Sänger (im Bereich Chor) oder Instrumentalisten mit hervorragender dirigentischer Begabung und genügender Hörfähigkeit den Studiengang absolvieren können.

Wo wünschen Sie sich eine Vertiefung?

Ludwig: Das ist das Wunderbare an dem neuen Masterstudiengang. Letztendlich kann jeder Studierende selbst entscheiden, ob und wo er oder sie einen Schwerpunkt setzt oder ob man sich in den Projekten lieber breitgefächert verschiedenen Herausforderungen stellt. Das Entscheidende für mich als Lehrer ist dabei immer, dass die Studierenden am Ende des Studiums gelernt haben, auf effektive Weise mit Orchestern zu proben und spannende Konzerte oder Opernvorstellungen zu dirigieren, eigenständig überzeugende Interpretationskonzepte entwickeln können und dass sie „Werkzeuge“ an die Hand bekommen haben, mit denen sie jedes Problem ihres aufregenden Berufsalltags lösen können.

Kohler: Ich wünsche mir, dass die Masterstudierenden Zeit und Gelegenheit haben, die studierte Musik tief zu durchdringen und zu Erkenntnissen zu gelangen, die den betreffenden Ensembles vermittelt und dort umgesetzt werden können. Masterstudierende sind Menschen mit vielfältigen musikalischen Vorerfahrungen und damit in der Lage, selbstständig zu arbeiten. Sie brauchen guten Dirigierunterricht und eine kompetente Betreuung ihrer Probenarbeit, aber auch kreative Freiräume.
Sie sprachen von mehr Praxisbezug. Können Sie je ein Beispiel aus Ihrem Bereich nennen?

Ludwig: Beim Orchesterdirigieren ist das Hauptproblem, dass man als Studierender sein „Instrument“ nicht mal eben aus dem Koffer packen kann. Orchesterzeit ist kostbar, daher sind die Proben mit professionellen Orchestern aber auch das entscheidende praktische Element einer dirigentischen Ausbildung. Daher haben wir im neuen Masterstudiengang darauf geachtet, dass gerade dieser Punkt nicht zu kurz kommt.

Wie sieht es im Bereich Chorleitung aus?

Kohler: Den Masterstudierenden steht der Kammerchor der Hochschule und hoffentlich demnächst auch ein Ensemble aus Profis und Akademisten zum Proben zur Verfügung. Im großen Hochschulchor, der regelmäßig oratorische Werke aufführt, dirigieren sie sowieso. Die Tatsache, dass die meisten Dirigenten deutscher Rundfunkchöre aus dem Ausland kommen, legt die Vermutung nahe, dass wir an deutschen Hochschulen zu wenig hochkompetente Dirigenten ausbilden. Ein Grund dafür ist die mangelnde Gelegenheit, im Studium mit Profi-Ensembles genügend Routine zu erlangen. In den skandinavischen Ländern ist das anders. Diesem Mangel wollen wir so gut es geht entgegensteuern.

Mit welchen Ensembles streben Sie eine Kooperation an? Schwebt Ihnen da etwas Genaueres vor?

Ludwig: Ja, es gibt schon Gespräche mit verschiedenen Orchestern in der Umgebung Detmolds. Zum Glück leben wir in einer Gegend, in der  fünf professionelle Orchester wirken. Wir wären schlecht beraten, wenn wir die Nähe dieser Ensembles zu unserer Hochschule nicht nutzen würden. Aber auch Intensivworkshops mit Orchestern in weiterer Entfernung sind angedacht. Wichtig ist mir hier die Einbindung verschiedener Klangkörper, denn die Studierenden sollen natürlich die Probenarbeit mit unterschiedlichen Orchestern kennenlernen.

Kohler: Wir haben neben dem neu zu gründenden Ensemble auch über eine Kooperation mit dem Opernchor des Landestheaters gesprochen. Es könnte dort neben der Chorarbeit an der Hochschule Assistenzen in Opernproduktionen geben.

Bewerbungsschluss: 1. November 2017
Eignungsprüfung: 15.-18. Januar 2018

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