Wir haben unser Repertoire erweitert

Zum Masterstudienangebot in Kooperation mit der Dresdner Philharmonie


(nmz) -
Der Weg ist kein leichter; aber eine Stelle in einem namhaften Orchester ist nach wie vor das Ziel vieler Studierender unserer Hochschule. In Zeiten von Stellenkürzungen an Orchestern und großem Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch eine hochwertige künstlerische Ausbildung allein oft nicht mehr ausreichend, um dieses Ziel zu erreichen. So stellt der Deutsche Bühnenverein in einer Erklärung 2011 fest, dass die „Anforderungen an ein Orchester (...) es zunehmend erforderlich (machen), auf verstärkte Sozialkompetenzen des Orchestermusikers zu setzen.“ Neben künstlerischer Exzellenz wird ebenso erwartet, dass Musiker bereit sind, sich in ein Kollektiv zu integrieren. Der Deutsche Bühnenverein fordert in seiner Erklärung die Musikhochschulen auf, die Ausbildung mehr auf die Tätigkeit eines Orchestermusikers zu fokussieren.“
Ein Artikel von Andrea Schnelte

Nicht nur Hochschulen, auch die Orchester selbst sehen es als ihre Aufgabe an, hochbegabten musikalischen Nachwuchs zu fördern, meist verbunden mit dem Wunsch nach Weitergabe und Aufrechterhaltung des spezifischen Klangs eines Orchesters. Wenn sich die Ziele so ähneln, was liegt da näher, als in der Ausbildung von Musikern miteinander zu kooperieren?

Das ist keine neue Idee, denn seit jeher gibt es eine starke Zusammenarbeit zwischen der Dresdner Musikhochschule und den Orchestern der Stadt. So unterrichten an der Hochschule für Musik Dresden bzw. am Sächsischen Landesgymnasium für Musik derzeit etwa 60 Musiker der beiden Dresdner Orchester, Sächsische Staatskapelle Dresden und Dresdner Philharmonie, als Honorardozenten zusätzlich zu den hauptamtlich tätigen Professoren. Doch gemeinsam durchgeführte Studiengänge für die Ausbildung von Orchestermusikern gab es bisher in Dresden noch nicht.

Schon seit geraumer Zeit gab es seitens der Musikhochschule Bestrebungen, die bestehende Zusammenarbeit mit den in der Stadt ansässigen Spitzenorchestern im Rahmen gemeinsamer Mas­terstudiengänge zu institutionalisieren. Junge Instrumentalisten sollen nach dem Bachelorabschluss in einer Orchesterakademie ihre musikalische Ausbildung vervollkommnen und gleichzeitig einen weiteren akademischen Abschluss erhalten. Eine solche Kooperation gewährt eine hochwertige Praxisanbindung im Rahmen des Studiums und der Übergang zwischen Studienende und Berufseinstieg wird erleichtert.
Das Rektorat hat nun diese Idee weiterverfolgt. Vorbild war ein im Jahre 2013 eingerichteter Mas­terstudiengang mit dem Schwerpunkt Chorgesang, der in Kooperation mit der Semperoper Dresden durchgeführt wird. Ein Äquivalent dazu sollte auch für Orchesterinstrumentalisten geschaffen werden. Als Kooperationspartner bot sich die Dresdner Philharmonie an, die fast zeitgleich Pläne zur Einrichtung einer eigenen Orchesterakademie – der Kurt Masur Akademie – verfolgte.

Gemeinsam mit den Studiendekanen Prof. Joachim Klemm und Prof. Annette Unger ist das Rektorat in Verhandlungen mit Vertretern der Dresdner Philharmonie, allen voran Intendantin Frauke Roth, getreten. Ziel war es, ein gemeinsames Ausbildungskonzept zu erarbeiten. Viele Details waren zu klären: Wie ist eine Aufnahmeprüfung durchzuführen, ohne die Hochschulautonomie auf der einen Seite und den Gestaltungswillen eines Orchesters auf der anderen Seite zu beschränken? Wie kann eine Ausbildung gestaltet werden, die Studierende befähigt, sich optimal in das Klangbild des Orchesters einzufügen, ohne gleichzeitig ihre Chancen auf erfolgreiche Probespiele in anderen Orchestern zu schmälern? Und wie kann man Studierende dazu bringen, ihr Studium auch dann abzuschließen, wenn sie gegen Ende ihres Masterstudiums eine feste Stelle in einem Orchester ergattern? Denn auch wenn das Ergebnis für den Studenten ein positives ist, ist dies für die Hochschule ein Fall für die Statistik der Studienabbrecher.

Viele solche Fragen gab es zu erörtern. So wurde beispielsweise neben der vorgesehenen Mitwirkung im Orchester der Unterricht im Repertoire- und Solokonzertspiel gestärkt, um die Studierenden optimal auf weitere Probespiele vorzubereiten. Eine Aufnahmeprüfung ist an beiden Häusern vorgesehen, beide Prüfungen sollen soweit wie möglich zeitlich zusammen geführt werden. Die Aufnahmeprüfung an der HfM Dresden wird nur nach bestandener Aufnahmeprüfung an der Dresdner Philharmonie mit der regulären Prüfungskommission des jeweiligen Fachs durchgeführt.

Im Frühjahr 2016 stellte Chefdirigent und gleichzeitiges Hochschulratsmitglied Michael Sanderling das Konzept der Orchesterakademie und eines gemeinsamen Studiengangs dem Hochschulrat vor. In der anschließenden Senatssitzung konnte schließlich die Studien- und Prüfungsordnung für den weiterbildenden Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Orchesterpraxis verabschiedet werden. Auch ein Kooperationsvertrag mit der Dresdner Philharmonie wurde im März 2017 unterzeichnet, so dass pünktlich zum Wintersemester 2017/18 die ersten Studierenden in den Masterstudiengang immatrikuliert werden und gleichzeitig ihre Tätigkeit in der Orchesterakademie der Dresdner Philharmonie aufnehmen können.
Zweifellos ist dieser neue Studiengang eine große Chance für den musikalischen Nachwuchs! Darüber hinaus hat die Hochschule für Musik Dresden mit verschiedenen Angeboten auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes reagiert, welche die Studierenden auch auf Tätigkeiten neben der klassischen Orchesterstelle vorbereiten.

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