Zukunftsmusik made in Austria

ORF bietet freiwillige Selbstverpflichtung an


(nmz) -

Unter dem Titel „Zukunftsmusik. Aktuelle Herausforderungen und musikalische Entwicklungsperspektiven in Österreich“ befasste sich eine Parlamentarische Enquete Anfang Juni mit den Themen Musikwirtschaft und Musikstandort Österreich sowie Musikausbildung, Musikvermittlung und Musikpädagogik. Die Idee zur ganztägigen Enquete stammt aus einem Treffen zwischen den Kultursprecher/-innen der einzelnen Fraktionen und der Präsidentenkonferenz Musik, die auch den Themenkatalog erstellt und „wertvolle Inputs“ gegeben habe, wie Abgeordnete Christine Muttonen in ihren Eröffnungsworten betonte.

Ein Artikel von Harry Fuchs

Bundesministerin Dr. Claudia Schmied sah in ihrer Eingangsrede durch diese Enquete die Tatsache bestätigt, dass Musik nicht nur eine tragende kulturelle Säule Österreichs, sondern auch ein respektabler Wirtschaftsfaktor und darüber hinaus ein wichtiger Baustein in der Persönlichkeitsbildung junger Menschen ist. Um ihre Vielfältigkeit zu erhalten, gelte es, die Rahmenbedingungen für eine lebendige Musiklandschaft immer wieder neu zu definieren und zu schaffen.

Das dominierende Thema des Tages, das alleine rund die Hälfte der insgesamt achtstündigen Veranstaltung beherrschte, war das Verhalten der heimischen Rundfunksender in Bezug auf österreichische Musikproduktionen und hier vor allem des dominierenden und marktführenden öffentlich-rechtlichen Senders ORF. ORF-Hörfunkdirektor Dr. Willy Mitsche sah sich einer, in selten da gewesener Einigkeit verbundenen Branche gegenüber. Dies ließ keinen Zweifel daran, dass der ORF, allen voran das „Flaggschiff“ Ö3, die im ORF-Gesetz verankerte „angemessene Berücksichtigung und Förderung der österreichischen künstlerischen und kreativen Produktion“ sowie die in der UNESCO-Charta zur Bewahrung der kulturellen Vielfalt festgeschriebenen Vorgaben in eklatanter Weise verletzt. Auch das vorsorglich von den ORF-Verantwortlichen mitgebrachte Promotion-Video konnte an dieser Einschätzung nichts ändern. Zu deutlich war die Sprache der Zahlen und Fakten, welche die gut präparierten Redner präsentierten: Mit rund 15 Prozent durchschnittlichem Anteil österreichischer Musikproduktionen im gesamten Rundfunkmarkt stehe Österreich im europäischen Vergleich mit immensem Abstand an letzter Stelle und selbst im weltweiten Vergleich reiche es nur für den drittletzten Platz. Mit einem Anteil von gerade einmal 5 Prozent österreichischer Musik auf dem mit über 70 Prozent marktführenden Sender Ö3 sorge der ORF nicht nur für eine beschämende Situation, sondern er füge einer ganzen Branche schweren wirtschaftlichen Schaden zu, der diese an den Rande der Existenzfähigkeit brächte – so die übereinstimmende Meinung aller Diskutanten. Angesichts der spartenübergreifend demonstrierten Entschlossenheit, diese, einer Kultur- und Musiknation unwürdige, Situation nicht länger zu akzeptieren und diese baldmöglichst durch eine gesetzliche Quotenregelung, wie sie in beinahe allen Ländern der EU schon seit einiger Zeit die Regel sei, beseitigen zu wollen, sah sich Hörfunk-Programmdirektor Dr. Mitsche veranlasst, den Branchenvertretern die Einsetzung einer Arbeitsgruppe anzubieten. Diese wird schon Ende Juni erstmals tagen und eine freiwillige aber verbindliche Lösung für „das Problem ORF und Ö3“, wie es der Enquetevorsitzende wörtlich nannte, zu erarbeiten und umzusetzen. Die SPÖ-Kultursprecherin Muttonen zeigte sich ob dieses Angebots erfreut. Als Mediensprecher der ÖVP setzt sich der ehemalige Kulturstaatssekretär Franz Morak nach wie vor stark dafür ein, dass der ORF die im Gesetz formulierten Zielbestimmungen des Programmauftrages ernsthaft umsetzt: „Die Qualität und die Quantität der österreichischen Musik sind ausreichend vorhanden, sie muss nur gespielt werden.“

Der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, ergänzte die Diskussion um ein weiteres Thema und forderte dringend ein Musikförderungsgesetz, das sich auf adäquate Weise mit den aktuellen Formen und Bedingungen des österreichischen Musikschaffens auseinandersetzt.

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