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Alle Artikel kategorisiert unter »Alexander Kleinschrodt«

Muss selbst den Weg mir weisen

Folgt man Luis Buñuel, dem Liebhaber von Wagner, von de Sade, von Heringen in Öl, von Klöstern, Bars, Alkohol, Tabak und dergleichen Rauschdrogen mehr – folgt man diesem genialen Neuschöpfer, Wiederbeginner, habe sein und Dalís surrealistischer Skandalfilm „Un chien andalou“ gleich zwei Mal zu Fehlgeburten geführt. Kann man glauben, muss man nicht glauben. Was aber klar ist: Es gehörte Mut dazu, Traumbilder in Filmbilder übersetzen zu wollen. Buñuel träumte: eine Wolke durchschneidet den Mond, eine Rasierklinge ein Auge. Ameisen krabbeln über meine Hand! ergänzte Dalí. Das war neu – im Jahr 1929.

Das Programm gibt’s erst am Ausgang

Für Ensembles und Institutionen des Musikbetriebs kann das Beethoven-Jahr 2020 ein echtes Problem sein. Man muss mit, selbst man nicht will, man gerät unter Zugzwang, obwohl nicht klar ist, wohin es gehen soll. Noch so mus­tergültige Aufführungen von Beethovens Werken bestätigen doch nur seinen kanonischen Status, und die jetzt viel beschworene Modernität Beethovens, wie kann sie mehr werden, als nur eine Behauptung? Mögliche Antwort auf dieses Problem: eine Akademie.

Geschichtsbewusstsein oder Gegenwartsfragen?

Was wissen wir heute über das Musikleben während des „Dritten Reichs“? Das Thema könnte eines der Probleme des laufenden Antrags an die UNESCO sein, die 2020 über die Aufnahme der „Deutschen Theater- und Orchesterlandschaft“ in das Immaterielle Kulturerbe der Menschheit entscheidet. Unter dem Titel „Theater und Orchester im Nationalsozialismus – Zwischen Aufarbeitung und Verdrängung?“ luden die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) und die Hochschule für Musik und Tanz Köln zu einer Bestandsaufnahme ein.

Zwischen Basisarbeit und Utopie

Nachdem das Netzwerk Junge Ohren im Vorjahr die Prämierung hatte aussetzen müssen, da der Bund als Geldgeber ausgestiegen war, konnten dank neuer Förderer jetzt wieder Auszeichnungen vergeben werden. Preise gingen an Vermittlungsprogramme des Gürzenich-Orchesters Köln und des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin sowie an die Freiburger Theatermacherin Thalia Kellmeyer. Die Verleihung im Kammermusiksaal der Kölner Hochschule für Musik und Tanz war eingebettet in ein dichtes Programm aus Ideenbörse, Fachtagung und viel szene­internem Austausch.

Gesucht wird: Raum für Selbstdarsteller

Eine Institution ist etwas, das Dauerhaftigkeit gewährleisten soll. Was aber passiert, wenn sich mit der Zeit die Rahmenbedingungen ändern, auf die eine Institution einmal ausgerichtet worden war? Bei dem kleinen Festival, das der Deutsche Musikrat zum Jubiläum seiner renommierten CD-Reihe im Kölner Haus des Deutschlandfunks organisiert hatte, wurde trotz Feierlaune kein Bogen um diese Frage gemacht. Die Diskussionen auf dem Podium und der Konzertabend ließen erahnen, was im Feld der Neuen Musik seit den achtziger Jahren in Bewegung gekommen ist.

Vom Abschied des Idealhörers: „The Art of Listening – Ein Festival des Musikhörens“ im Berliner Radialsystem V

Musikgeschichte war noch nie ein einfaches Geschäft. War sie seit jeher als akademisches Fach und bildungsbürgerliches Interessengebiet geprägt von philologischer und analytisch-nachvollziehender Kärrnerarbeit, hat sich die Problemlage in jüngerer Zeit noch erheblich verkompliziert. Denn seit die Wissenschaft im Laufe der achtziger Jahre begonnen hat, die sogenannten großen Werke der Musikgeschichte wieder in ihre historischen Kontexte einzubetten, sind als Gegenpart der Komponisten die Hörer in das Blickfeld gerückt. Mit „The Art of Listening“, einer Kombination aus einem dreitägigen Symposium und einem kleinen Festival, sollte im Radialsystem V das gegenwärtige Wissen um unterschiedliche Kulturen des Musikhörens gebündelt werden.

Schattenboxen unterm Tuch: Anton Urspruchs „Das Unmöglichste von Allem“ in Leverkusen

Leverkusen gilt nicht unbedingt als Opernstadt. Doch das städtische Forum, ein Bürgerhaus aus den späten Sechzigern, in dem vom Grundriss bis zur Stuhllehne alles sechseckig ist, bietet nicht nur den bekannten Leverkusener Jazztagen eine Heimat. Das Haus besitzt auch einen Theatersaal, mitsamt Orchestergraben und fast tausend Plätzen, der sogar noch recht gut klingt.

Tiefe Einsichten, gute Aussichten

Aus dem Kölner Stadtbild sind die Rheinbrücken nicht wegzudenken. Da ist die mächtige Hohenzollernbrücke, mit deren preußischem Vorgängerbau einst absichtsvoll der Dom und die ­eisenbahnschnelle Gegenwart zusammengebracht wurden. Nicht weit davon und auf nur einem Pfeiler ruhend überspannt die minimalistische Zoobrücke den Fluss. Ganz anders die Severinsbrücke, deren Pylon wie ein riesiges A hoch aufragt. Wenn sich Kölns neues Festival für die Musik der Gegenwart nun „Acht Brücken – Musik für Köln“ nennt, hat das aber nicht nur mit kölschem Lokalpatriotismus zu tun. Wer die Rheinquerungen im Stadtgebiet abzählt, wird nur auf sieben kommen. Die fiktive achte Brücke soll als Chiffre verstanden werden – für das Überschreiten des Gewohnten und die lustvolle Entdeckung von musikalischem Neuland.
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