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Alle Artikel kategorisiert unter »Hans-Klaus Jungheinrich«

„Tage der Neuen Musik“ in Hannover (1971/03)

[…] Das, was der Titel dieser Revue versprach, nämlich ein Sichten, Ordnen und schlagkräftig agitatorisches Interpretieren von Wirklichkeit-Fragmenten, eine Interpretation mit bestimmter politischer Stoßrichtung zudem, wurde anschließend durch ein anderes Werk eingelöst: „So kann es nicht weitergehen, aber so geht es weiter“, eine „große Oper in fünf Akten“, des 27jährigen Hamburger Komponisten Niels Frédéric Hoffmann.

Wandlungen und Beständigkeit im Komponieren

Am 1. Juli 2006 feierte Hans Werner Henze seinen 80. Geburtstag. Mit zahlreichen Aufführungen seiner Werke in Konzerten und Opern huldigt die Musikwelt einem der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Eine besondere Hommage an Hans Werner Henze fand in Rom statt: Die Accademia Nazionale di Santa Cecilia, die Ernst von Siemens Musikstiftung und das Goethe-Institut Rom arrangierten ein Festkonzert mit dem Orchester der Accademia im Auditorium Parco della Musica, das unter der Leitung von Pascal Rophé Henzes „Sieben Boleros für großes Orchester“ spielte. Zuvor kamen drei jüngere Komponisten und Schüler Henzes mit Uraufführungen zu Wort und Ton: Im Auftrag der Siemens Musikstiftung komponierten Mark Anthony Turnage „Lullaby for Hans“, Jörg Widmann „Acht Miniaturen für Klarinette und Streichorchester“ und Francesco Antonioni eine „Giga“. Vor dem Konzert wurde ein eigens für diese Gelegenheit gefilmtes Interview mit Hans Werner Henze gezeigt, in dem der Komponist das anwesende Publikum grüßte.

An den Scheidelinien des Humanismus

Gabriele d’Annunzios dröhnender, technikbesessener Poeten-Aktionismus markierte die Anfänge des italienischen Faschismus, Luigi Dallapiccolas Oper „Volo di notte“ („Nachtflug“, uraufgeführt 1940 in Florenz) dessen Endphase. Nur verhalten noch und wie contre cœur werden hier männliche Tugenden gefeiert. Das Abenteuer des Nachtflugs wirkt als existenzielle Metapher zudem doppeldeutig: Sphäre des von physikalischen und moralischen Gravitationen befreiten heldischen Menschen und zugleich Chiffre für Hybris, Scheitern, Tod.

Der Mailänder und das Meer

Vordem hätte man’s einfach der Weltläufigkeit zugeschlagen, heute interpretiert es sich eindeutig als musterhafte EU-Tugend: Der Internationalismus der Brüsseler La Monnaie-Oper, die als Uraufführung ein italienisches Opus („Ballata“ von Luca Francesconi) präsentiert nach einem 200 Jahre alten klassischen englischen Text („Rime of the Ancient Mariner“ von S. T. Coleridge), selbstverständlich penibel in den zwei belgischen Landessprachen übertitelt und mit einem deutschen Szeniker (Achim Freyer) als Koproduktion mit der Oper Leipzig annonciert.

Mit Aufsässigkeit muss gerechnet werden

Eine mal etwas andere Premiere. Reden wurden geschwungen, bevor Moritz Eggerts Uraufführungsoper „Dr. Popels fiese Falle“ (ein Cartoon-Titel, fetzig wie eine Klinikpackung Doppelburger) losging. Das Ungewöhnliche daran: ein Schulprojekt, realisiert vom Frankfurter Lessing-Gymnasium, mit den Ressourcen der Oper und unter professioneller Anleitung. Eine auch für den erwachsenen Kunstfreund reizvolle Zusammenführung, für Deutschland noch beinahe Neuland. Die Frankfurter Erfahrung begeisterte sich an der Erschließung jugendlichen Musizier- und Spielvermögens: gegen notorische Unterforderung.

Eine Frau wartet, und der Mann nimmt Rache

Gabriel Fauré (1845–1924) schrieb reizvoll-bedeutende Klavierwerke kleineren und mittleren Formats, vor allem aber hochkarätige Kammermusik. In dieser traditionell deutschen Domäne nimmt man in Deutschland einen Franzosen gewissermaßen nur widerstrebend zur Kenntnis; mit exquisiter Melodiegestaltung bei mild nazarenischer Farbabtönung unter Aussparung von Donnerworten entspricht Faurés Requiem schon eher dem, was man von einem Franzosen hier zu Lande zu hören gewohnt ist, und auch die Ballettsuite „Masques et Bergamasques“ erfreut sich bei uns einiger Beliebtheit. Die dazu gehörige Tanzdichtung stammt von René Fauchois, einem tüchtigen Dramatiker mit Antikenfaible. Er konnte Fauré zu seiner einzigen Opernkomposition motivieren: Pénélope, 1907 begonnen, 1912 beendet und uraufgeführt; die lange Entstehungszeit deutet auf die Sorgfalt hin, mit der Fauré zu arbeiten pflegte.

Ein Jahrhundert in drei Geschichten

Seit John Adams’ „Nixon in China“ ist die Affinität der Minimal-Music-Oper zu zeitgeschichtlichen Sujets klar; mit der bescheideneren deutschen Variante von Gerhard Rosenfelds „Kniefall in Warschau“ (und pittoresken Opernhelden wie Brandt und Genscher) bestätigte sich dieser Konnex, den der Marktführer Philip Glass zugunsten (trivial-)mythischer Stoffe eher vermeidet. Dabei hatte er zuvor mit „Einstein on the Beach“ eine vehemente Diagnose des vergangenen Wissenschafts- und Technik-Jahrhunderts geleistet.
In die Nähe solch einer Generaluntersuchung kamen jetzt die „Three Tales“ des 65-jährigen Amerikaners Steve Reich, entstanden auf Anregung von Klaus-Peter Kehr, dem früheren Leiter der Wiener Festwochen, und jetzt dort als Uraufführung zu erleben (der erste der drei Teile wurde bereits separat in Bonn vorgestellt).

Musik am Rande des Verstummens, um Atem ringend

Im vergangenen März wurde an der Semperoper Dresden Peter Ruzickas musikalisches Bühnenwerk Celan uraufgeführt; Klaus Hubers jetzt in Basel aus der Taufe gehobene Oper „Schwarzerde“ hat viele Parallelen zu jenem Werk, doch auch Unterschiede genug, um nicht als ein (womöglich schwächerer) Abklatsch davon gelten zu können.

Morgen Mittag wieder in Frankfurt

Gewiss, die Herren Rezensenten (und die immer noch zu wenigen Damen in dieser Profession) sind allesamt und jede(r) für sich Nonkonformisten, Individualisten, seltsame Käuze oder schräge Vögel. Doch bei keinem (und keiner) schnappt der Originalitäts-Quotient so himmelhoch wie bei Gerhard Rohde. Der Verleger Klaus Wagenbach umkränzte seinen Autor Erich Fried einst mit dem schönen Tendresse-Namen „Getüm“. Nach dem Tode des Dichters sollte dieser nicht herrenlos bleiben.

Unerschöpfliche Spiele mit dem Erdenklichen

In dieser Färbung ist das musikalisch Denkbare nicht gleich ein bloß Beliebiges, Zufälliges, vielmehr Spielmaterial der künstlerischen Freiheit. In diesem doppeldeutigen „denkbar“ sind also wichtige Komponenten der Schnebelschen Haltung und seiner Stellung in der jüngsten Kompositionsgeschichte kondensiert. Das „Denkbare“ umschließt unverbrüchliche Experimentierlust, Treue zur Moderne und ein geschärftes Bewusstsein materieller Entgrenzungen, aber auch die Neigung zum Unorthodoxen, zum produktiven Widerspruch, zu befreiender Selbstbefragung und Selbstveränderung. Gleichsam an einem äußersten Zipfel erfasst „denkbar“ eventuell auch noch die Duplizität des evangelischen Theologen und des Künstlers Schnebel, so etwas wie einen (kaum mehr substantialistisch, erst recht nicht fundamentalistisch verstandenen) existentiellen Bezug radikalen Komponierens im nachmetaphysischen Zeitalter, wo im Kontext mit dem Dogma von der „undenkbaren“ Transzendenz deren Nach- und Widerschein doch ins Denkbare gehalten wird.

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