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Alle Artikel kategorisiert unter »Michael Zwenzner«

Der Bettelbrief zum „Battle Piece“

01.03.01 (Michael Zwenzner) -

Was macht einen zwischenzeitlich in Deutschland so gründlich vergessenen Komponisten wie Stefan Wolpe heute interessant? Ist es jener Joschka-Effekt, der zur Zeit das hiesige politische Klima bestimmt?

Musik-Termine - Uraufführungen

01.02.01 (Michael Zwenzner) -

„Ihre Suche führte zu folgendem Ergebnis: Ihre Suche führte zu keinem Ergebnis“: Das ist sie, die Poesie des Internets. Zumindest wenn man auf der städtischen Homepage Oldenburgs nach dem Festival „10 Jahre oh ton“ sucht, das in dieser Stadt vom 2. bis 4. Februar stattfindet. In der Rubrik Kultur/Konzerte trifft man dafür auf das Oldenburger Bockbierfest. Beim zweiten Versuch bekommt man dann vom Pressearchiv alles mit „oh“ ausgespuckt, etwa „Lustige Kohlfahrt dringend gesucht“ oder „Erntebasar und Flohmarkt...“. Nachdem an dieser Stelle der hohe Norden zuletzt schon schlecht weggekommen ist (was sofort einige Hamburger Stoßseufzer auslöste: „Mag ja alles stimmen, aber politisch ist ein solcher Artikel ganz schlecht...“), wollen wir dieses Mal etwas differenzierter an die Sache herangehen. Natürlich gibt es sie überall, die unermüdlichen Kämpfer für die Musikkultur jenseits der Big Events, auch in Hamburg. Und wir wollen hoffen, dass man in Oldenburg bald nachbessert, sonst wäre wieder allzu deutlich, auf wie wenig fruchtbaren Boden solches Engagement bei städtischen Kulturträgern bisweilen fällt. Mancher Floh mag sich in des einen oder anderen Ohr günstig niederlassen, wenn das oh ton-ensemble zwölf neue Kompositionen von Volker Heyn, Peter Köszeghy, Gustavo Beccera-Schmidt, Johannes Quint oder Helmut Oehring/Iris ter Schiphorst aufführen wird.
Vorbildlich die Stuttgarter Website. Eclat? Kein Problem. Musik der Jahrhunderte? Dito. Wer zwischen dem 8. und 12. Februar Zeit und Lust hat, reise nach Stuttgart, um dort 17 Uraufführungen beizuwohnen. Vom szenischen Projekt für Gitarrenduo von Thomas Witzmann über neue Orchester- und Vokalwerke (etwa von Nikolaus Brass, Georg Friedrich Haas, Uwe Kremp und Dror Feiler) bis zu einem Kinderzaubertheater mit Musik von John Cedric Brown reicht das Spektrum. Überproportional viele bisher kaum bekannte Komponistennamen im diesjährigen Programm lassen auf eine erfreuliche Neugier und Abenteuerlust im Leitungsteam von „Musik der Jahrhunderte“ schließen. So gut wie gewährleistet ist auf jeden Fall hohe Aufführungsqualität durch Ensembles wie das SWR Vokalensemble, die Ensembles Ictus und VARIANTI, das Gitarrenduo Bruck & Ross oder die Neuen Vocalsolisten.

Ein Fest, ganz und gar nicht feierlich

01.02.01 (Michael Zwenzner) -

Festivals für Neue Musik gibt es erfreulich viele in Deutschland. Doch steht hier in der Regel (konventionell besetzte) Orchester-, Ensemble- und Kammermusik im Mittelpunkt des Geschehens, auch wenn deutliche Tendenzen der Öffnung in Richtung auf musiktheatrale Formen, Klanginstallationen und neue Instrumentarien auszumachen sind. Man blicke etwa nach Donaueschingen, Witten oder Bremen. Eine Öffnung in diesem Sinne war bei den Klang-Aktionen eigentlich nie nötig. Als eine der langlebigsten Initiativen gehören sie auch zu den charaktervollsten Veranstaltungsreihen im Bereich der Neuen Musik.

Uraufführungen - Musik-Termine

01.12.00 (Michael Zwenzner) -

München – Hamburg – Berlin, die drei gleichen sich darin, Millionenstädte zu sein. In ihrer Ausstrahlung sehr unterschiedlich jedoch erscheinen sie dem Freund Neuer Musik. Bei allen Kultur(sic!)-Kürzungen und politisch angepeilten Un-Gesundschrumpfungen kann man sagen: Noch übt Berlin auf den musikalischen Abenteurer einen starken Magnetismus aus, und dies nicht gerade kraft Barenboim und Sängerstars. Inventionen – Musikbiennale – Kryptonale – Zeitkratzer – Podewil – UnitedBerlin, das sind einige der Zauberwörter auf dem Weg ins musikalische Fruchtland (allerdings hört man auch entsetzt: Die Musikbiennale 2001 soll die letzte sein!). Als nächstes lockt nun das von SFB und DeutschlandRadio ausgerichtete Festival Ultraschall (19.–28.1.) mit Uraufführungen unter anderem von Zoro Babel, Qu Xiaosong und Hanspeter Kyburz. Und da für viele Werke John Cages der Uraufführungscharakter geradezu konstitutiv ist, wollen wir hier auch Volker Straebels Realisation des „Urban Circus on Berlin Alexanderplatz“ nicht unerwähnt lassen.

Uraufführungen - Musik-Termine

01.11.00 (Michael Zwenzner) -

Es gibt Künstlerfiguren, deren neue Werke beim Publikum ein überdurchschnittliches Interesse, eine besonders große Neugier wecken. Zum (einen) Beispiel György Ligeti: Er ist längst zur Ikone der letzten hundert Jahre Musikgeschichte geworden, und nimmt sich in seinen späten Jahren das gute Recht heraus, sich mit Neuem sehr viel Zeit zu lassen. Von einem dritten Streichquartett ist schon länger die Rede, jüngst auch von einem Hornkonzert, und man wünscht sich natürlich sehr, beides bald zu erleben. Über das Stadium der Vorfreude hinaus gelangt man nun am 10.11. im Arsenal in Metz: Dort erlebt Ligetis „Sippal, Dobbal, Nádimegedüvel“ nach Texten von Sándor Weöres für Mezzosopran und vier Schlagzeuger seine Uraufführung.

Musik-Termine

01.10.00 (Michael Zwenzner) -

1. bis 11.10.: Uraufführungen u.a. von Philippe Hurel, Wilfried Jentzsch, Benjamin Schweitzer (Jakob von Gunten, Kammeroper), Jörg Herchet, Wilfried Krätzschmar, und von Helmut Oehring/Iris ter Schiphorst: „Als Ob: Suite” – Tanztheater, 14. Dresdner Tage der Zeitgenössischen Musik

Ein Eisbrecher für viele Supertanker

01.09.00 (Michael Zwenzner) -

Kaum hat man sich an die Ferienstille (mit einigem entfernten Expo-Grollen und festlichem Salzburger Hintergrundrauschen) gewöhnt, beginnt bereits die neue Uraufführungssaison, und ein Verband von Musik-Frachtern, darunter einige Supertanker (beladen mit dem ökologisch ganz und gar unbedenklichem Treibstoff des Musiklebens: Neuer Musik), begibt sich auf hohe See. Doch zunächst macht an einer der Grachten Amsterdams ein Eisbrecher die Leinen los, um dem Neuen einen Weg zu bahnen. Am 31. August begann die Internationale Gaudeamus Muziekweek, von deren insgesamt 16 Konzerten bis zum 10.9. vier im Szenecafé „De Ijsbreker“ stattfinden. „Der Eisbrecher“ enthält nicht nur gemütliches Mobiliar und einen kritikertauglichen Tresen, sondern auch einen Konzertsaal-Refugium für ungewohnte Töne. Namedroping ist bei der Muziekweek fast zwecklos: Die hier präsentierten Namen kennt in der Regel nicht einmal der gewiefteste Begleiter der Szene – zumindest noch nicht. Die meisten sind keine dreißig Jahre alt, doch wie die Erfahrung vergangener Jahrzehnte zeigt, werden aus dieser internationalen Komponistenschar sicher ein paar Größen der Musikgeschichte hervorgehen. Unter anderem gibt es zwölf Uraufführungen, und die hochkarätige Interpretenschar zumeist holländischer Provenienz lässt den Musikabenteurer sich geradezu im Paradiese wähnen.

Uraufführungen

01.07.00 (Michael Zwenzner) -

Keine (oder nur ganz wenige) Uraufführungen – das kann auch Wohltat sein. Nämlich dann, wenn außerhalb enger Spezialistenkreise durch Wiederaufführungen wichtiger Werke einem breiteren Publikum „Ur-Hörerlebnisse“ ermöglicht werden. So widmen die Internationalen Musikfestwochen Luzern (17.8.–16.9.) einen großen Teil der Aufmerksamkeit dem beinahe komplett dargebotenen Schaffen György Kurtágs. Um dem Zweck dieser Rubrik, nicht aber dem Fetischcharakter der „Uraufführung“ Genüge zu tun folgender Hinweis: György Kurtág Seniors und György Kurtág Juniors „Zwiegespräch“ für Streichquartett und Live-Elektronik findet in einer Neufassung am 27. August in Luzern erstmals Gehör.

Uraufführungen

01.06.00 (Michael Zwenzner) -

Man munkelt seit Monaten ja geradezu Sagenhaftes über das Musikprogramm der EXPO Hannover: Neue Musik wird es geben – ganz groß! Im Deutschen Pavillon soll es zu zahlreichen Uraufführungen hiesiger Komponisten kommen. Man kennt vielleicht den einen oder anderen, der auf Nachfrage bekundet, soeben ein EXPO-Stück zu Ende komponiert zu haben. Doch auf ein offizielles Programm – etwa als Beilage eines der aktuellen Musikperiodika – wartet man bisher wie weiland auf Godot: vergebens. Nun wurden wir zumindest mit einigen Seiten E-Mail gefüttert, welchen wir mittels penibler Textrekonstruktion auch einige Termine entnehmen können. Da gibt es etwa verschieden betitelte Reihen: „Junges Forum/Zeitensprung“ (Start am 4. Juni mit einer Uraufführung vom ewig jungen Henze! Zu hören: „eine neue Version seiner Aria de la Folia Española“. Sonst noch im Programm: Piazzolla, Strawinsky, Schulhoff, Ravel – leider alle tot. Das muss er sein, der Zeitensprung), „Junges Forum/Auftakte“ (Start 8. Juni, Programme? Fehlanzeige), „musik20“ (Beginn am 9. Juni mit vier uraufgeführten Ensemblewerken von Hans-Jürgen von Bose, Peter Michael Hamel, Nico Richter de Vroe und Younghi Pagh-Paan). Dazu kommen Einzelveranstaltungen wie die Eröffnungspremiere von Annette Schlünz’ Kammeroper TagNachtTraumstaub (1. Juni) oder die Uraufführung von Wilfried Hillers Melodram für Marionetten „Der Geigenseppel“ (4. Juni). Die weiters aufgezählten Namen sind Legion, doch ganz ohne zugehörigen Termin weiß man schlicht nicht: wann wohin. So hoffen wir zur Hälfte mit Georg Katzers „Godot kommt doch, geht aber wieder“ für Kammerensemble (EXPO-Uraufführung am 23. Juni, meldet sein Verlag) auch auf ein Stück EXPO-Broschur, und die geht nicht – wir sind dem Neuen ja gewogen – wieder retour!

Uraufführungen

01.05.00 (Michael Zwenzner) -

Angesichts des zunehmend heiklen Standes der Hochkultur kann man sich über einen Mangel an Vielstimmigkeit in der heutigen Welt Neuer Musik erstaunlicherweise nicht beklagen. Ein Festival jagt das andere, zahllose Uraufführungen allenthalben. Bedauernswert ist allerdings die Wortlosigkeit deutscher Feuilletons und Kulturmagazine, wenn es um die Reflexion aktueller Kunstmusik geht. Man vermutet es schon lange: Die Philosophie und ihre Stiefkinder, die Feuilletonisten, sind heute nicht gerade Busenfreunde der Abstraktesten aller Künste. Auch Claus-Steffen Mahnkopf mag die Musik sagen wir etwa von John Cage nicht. Doch Mahnkopf ist nicht nur Doktor der Philosophie (mit der Lizenz, im „Merkur“ und bei Suhrkamp über Musik zu richten), sondern selbst ein (gerne) großer Komponist. Und als solcher stellt er sich in seinem ersten Musiktheaterwerk „Angelus Novus“ (nach Walter Benjamin) die Frage nach der „seelischen, emotionalen, leiblichen und existenziellen Verfassung des heutigen Menschen“, versucht sich an nichts weniger als einer „Phänomenologie der Zivilisation“. Wie Mahnkopf das zusammen mit seinem Regisseur Taygun Nowbary umsetzt – ohne Libretto und ohne dramatischen Verlauf–, kann man ab dem 4. Mai während der Münchener Biennale bestaunen, die mit mehreren Konzerten und einem hochkarätig besetzten Symposium bis zum 19. Mai andauern wird.

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