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Alle Artikel kategorisiert unter »Rainer Nonnenmann«

Neobarocke Wende?

05.06.11 (Rainer Nonnenmann) -
Es bedurfte vieler Jahrtausende, bis sich die Musik aus den kultischen Funktionszusammenhängen von Ritus, Kirche, Tanz, Unterhaltung und fürstlicher Machtdemonstration befreien konnte. Erst Ende des 18. Jahrhunderts entstand das öffentliche Konzertleben, wie wir es noch heute kennen und pflegen. Doch was historisch geworden ist, kann auch wieder vergehen. Vielleicht sind die Tage gezählt, in denen sich Leute bewusst in Säle begaben, um dort stillsitzend nur eines zu tun: Musik hören. Immer mehr Künstlern und Veranstaltern ist das nicht mehr genug. Sie fürchten, dieses traditionelle Format erreicht nicht mehr genug Publikum, weil der zu Multitasking erzogene moderne Mediennutzer bloßes Hören angeblich als Zumutung erlebt und es stattdessen vorzieht, allzeit mobil, aktiv, kommunikativ, online zu sein und gleichzeitig zu sehen, zu hören, sprechen, suchen, tippen, Geschäfte machen …

Welthauptstadt auf Krücken (Uraufführungen 2011/05)

02.05.11 (Rainer Nonnenmann) -
Dass zu den vielen kleinen und gro­ßen Festivals für neue Musik irgendwo in der Welt ein weiteres hinzukommt oder eines verschwindet, ist angesichts der Vielzahl verschiedenster lokaler und internationaler Veranstaltungstypen nichts Ungewöhnliches. Aufhorchen lässt jedoch, wenn in einem ausgewiesenen Zentrum für zeitgenössische Musik wie Köln ein größeres Festival beendet und stattdessen ein neues an den Start gebracht wird. An die Stelle der seit 1994 existierenden „MusikTriennale Köln“ treten nun die „Acht Brücken – Musik für Köln“. Dieser Schritt war überfällig, denn trotz erheblichem personellem und finanziellem Aufwand blieb die Triennale unprofiliert und bis auf wenige Ausnahmeveranstaltungen ohne Ausstrahlung über Köln hinaus, so dass auch die Resonanz bei Publikum, Presse und Politik schwand. Immerhin bot man im Dreijahresabstand zwischen viel buntem Allerlei auch jeweils einen erkennbaren Schwerpunkt auf dem Schaffen eines großen toten Komponisten: 2004 Nono, 2007 Berio und 2010 Stockhausen.

Uraufführungen 2011/04

01.04.11 (Rainer Nonnenmann) -
Posthume Uraufführungen haben etwas Bedenkliches, denn hätte der Verstorbene sein Werk wirklich in dieser Form zur Aufführung freigegeben? Wäre er oder sie durch die Interpreten, die Einstudierung sowie den Ort und Rahmen der Uraufführung nicht vielleicht zu Änderungen veranlasst worden? Solche Zweifel waren letztes Jahr bei der Kölner Gesamturaufführung sämtlicher 21 vollendeten Stücke von Karlheinz Stockhausens letztem unvollständig gebliebenem Zyklus „Klang“ über die 24 Stunden des Tages durchaus angebracht. Dagegen wurden sämtliche sechs Szenen von Stockhausens 2003 vollendeter Oper „Sonntag“ noch unter den wachsamen Ohren und Augen des Meisters konzertant uraufgeführt.

Uraufführungen 2011/03

01.03.11 (Rainer Nonnenmann) -
Fast jeder Tag im Jahr ist ein bestimmter Gedenktag, an dem Organisationen, Verbände, Stiftungen sowie ganze Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftszweige die Weltöffentlichkeit an ihr Anliegen zu erinnern versuchen. Sofern man nicht selbst betroffen ist, bekommt man davon oft nichts mit. Der Tag der Musik ist der 1. Oktober. Doch lassen sich zahllose Schnittmengen zwischen der Musik und den anderen Thementagen des Jahres denken, die sich auch in den Kalendern der Konzert- und Theaterhäuser einplanen ließen.

Die Bilderfresser (Uraufführungen)

30.01.11 (Rainer Nonnenmann) -
Trotz der Unterschiede ihres Materials und Mediums in Zeit beziehungsweise Raum gibt es zahllose wechselseitige Einflüsse und Analogien zwischen Musik und Malerei. Hier wie dort spricht man von Komposition. Begrifflichkeiten wie Klangfarbe und Orchesterpalette sind Entlehnungen aus der Bildenden Kunst. Und Epochenbezeichnungen wie Renaissance, Klassik, Impressionismus oder Expressionismus verdanken sich der Kunstgeschichte. Manche Komponisten betätigten sich auch als Maler, etwa Mendelssohn, Schönberg, Hindemith, Cage, Logothetis. Andere lassen sich durch Kunst zu Musik anregen oder inspirieren ihrerseits Künstler. Phänomenologisch gleicht das Hören von Musik der Beobachtung eines von einem Maler geführten Pinsels ohne Farbe, der keine Spuren hinterlässt, so dass der Bewegungsablauf sich nicht materialisiert, sondern nur mit der Zeit durch unser Erinnerungs- und Vorstellungsvermögen zu einer wie auch immer schemenhaften Gesamterscheinung zusammengefügt werden kann.

Uraufführungen 2010/12: Fortunas Schwungrad

19.12.10 (Rainer Nonnenmann) -
Deutschland hat die Finanz- und Wirtschaftskrise besser überstanden als manch andere Nation. So jedenfalls tönen regierende Politiker. Schon ist man, wäre nicht China, fast wieder Exportweltmeister. Made in Germany ist weltweit gefragt. Die Produktion heimischer Unternehmen floriert. Es werden wieder Arbeitskräfte gesucht und Steuermilliarden in die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden gespült. Doch wie lange der Aufschwung dauert, kann kein noch so weiser Wirtschaftswissenschaftler prophezeien. Die Zukunft ist ungewiss. Was bleibt, sind die nackten Zahlen der Gegenwart. Und die sind rot und zeigen auf Abschwung. Es ist wie beim Glücksrad der Fortuna: Treibt es die einen hoch, zieht es die anderen runter. Die Krise der Ökonomie schlägt sich jetzt mit der für jeden Wirtschaftszyklus typischen zweijährigen Verzögerung in den Haushalten nieder. Die öffentliche Hand ist verschuldet wie noch nie. Das trifft auch die Kultur und die Neue Musik.

Uraufführungen 2010/11

02.11.10 (Rainer Nonnenmann) -
Hat nach 250 Jahren das Streichquartett nicht seine Bedeutung verloren? Wurde die Gattung nicht in dem Maße zum Atavismus, in dem die Motive und Bedingungen wegfielen, die einst bei Haydn zu ihrer Entstehung geführten hatten? Wurde mit der überwundenen Tonalität nicht die Maßgabe elementarer Vierstimmigkeit hinfällig, die man sonst für komplette Dreiklänge aus Grundton, Terz, Quinte und Oktave brauchte? Welche Rolle spielt noch die nach dem klassischen Homogenitätsideal gebildete Besetzung für zwei Violinen, Viola und Violoncello, die sich unter Weglassung des Kontrabasses dem Vorbild der vier menschlichen Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor, Bass verdankt und die dadurch mit instrumentalen Mitteln bis heute das in der Kirchenmusik Jahrhunderte lang gültige Primat der Vokalmusik unbewusst fortschreibt? Dass heute trotzdem noch und seit den 1970er-Jahren wieder verstärkt Streichquartette komponiert werden, hat zum einen ganz pragmatisch seinen Grund darin, dass beispielsweise mit dem seit 36 Jahren aktiven Londoner Arditti-, dem Pariser Diotima- und dem New Yorker Jack-Quartett ausgezeichnete Quartettformationen bereitstehen, für die – wie jetzt erst bei der „Quardittiade“ der Donaueschinger Musiktage – ständig neue Werke in Auftrag gegeben werden. Zum anderen fasziniert das Streichquartett zweifellos gerade wegen seiner langen Tradition und der Möglichkeit zu freiwilliger Selbstbeschränkung, welche die kompositorische Fantasie gerade durch die instrumentale Festlegung zu neuen klanglichen, satztechnischen und formalen Lösungen treiben soll. Mancher greift dabei auch zu Hilfsmitteln und Hintertürchen, indem er die Viererbesetzung multipliziert oder in den Kontext eines Orchesters projiziert.

Uraufführungen 2010/01

29.09.10 (Rainer Nonnenmann) -
So bunt, ideenreich und ebenso vollmundig vielversprechend wie zugleich hart an den Realitäten des täglichen Lebens wurde schon lange keine Musikveranstaltung mehr angekündigt. Auch geht es um nicht weniger als „Zukunftsmusik“. Das „Festival innovativer Musik“ (www.zukunftsmusik-das-festival.de) bringt vom 1. bis 10. Oktober zwölf zumeist interdisziplinäre Projekte von Komponisten und Künstlern der jüngeren und jüngsten Generation an zwölf Orte im Ballungsraum Stuttgart. Veranstalter sind die KulturRegion Stuttgart, Musik der Jahrhunderte und das Netzwerk Süd in Verbindung mit den Kulturämtern der Landeshauptstadt sowie der weiteren elf beteiligten Gemeinden.

Uraufführungen 2010/09

05.09.10 (Rainer Nonnenmann) -
Frauen sind Konzernchefin, Professorin, Ministerin, gar Bundeskanzlerin, Bischöfin und auch – zumindest in Roman und Film – Päpstin. Die hierzulande grundrechtlich verankerte Gleichberechtigung der Geschlechter scheint allgemeine Realität zu sein, auch in künstlerischen Bereichen und in der Musik. Frauen spielen auch hier längst nicht mehr nur Musen-Rollen mit genialitätsfördernder Wirkung auf männliche Schöpfernaturen. Längst sind sie selbst Orchestermusikerinnen, Dirigentinnen, Festivalleiterinnen, Intendantinnen, Komponistinnen. Noch während der 1980er-Jahre wäre dies in manchem von Testosteron dominierten Kreis als undenkbar oder skandalös empfunden worden. Und dennoch sind Frauen im Musikleben noch unterrepräsentiert.

La dolce musica nuova

07.07.10 (Rainer Nonnenmann) -
Die schönste Jahreszeit lockt mit Urlaub, süßem Nichtstun, Sonnenbaden, Fußballgucken, Lesen, Segeln, Wandern, Eisessen, Biergartenhocken … Wer dächte da an Neue Musik? Ist diese nicht etwas für trüben Winter? Was sollte sie uns an lauen Sommerabenden?
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