Klassik Stiftung Weimar sucht den Austausch - Themenjahr «Sprache»


06.05.22 -
Weimar - Hate Speech und Poesie, Literatur und Social Media - sie alle haben eines gemein: Sprache. Die Klassik Stiftung Weimar will in diesem Jahr sensibel machen für die Macht der Worte.
06.05.2022 - Von dpa, KIZ

Das interaktive Labor ist vom Ilmpark in Weimar vor das Stadtschloss gewandert. Und auch sonst ist zu Beginn des diesjährigen Themenjahres der Klassik Stiftung Weimar vieles anders. War die Eröffnung des Themenjahrs 2021 noch von Corona-Restriktionen geprägt, öffnen an diesem Wochenende wieder die Türen der Häuser. Mit drei Sonderausstellungen, Workshops und Veranstaltungen startet die Klassik Stiftung dann in das neue Themenjahr.

Nachdem das vergangene Jahr dem Klimawandel gewidmet war, steht in diesem Jahr Sprache im Fokus. Das Themenjahr soll sensibel machen für «die Macht der Worte» und zu regen Diskussionen und Kritik anregen. «Wir tun dies in einer Weltlage, die wir uns vor einem halben Jahr alle noch nicht vorstellen konnten», sagte Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz am Donnerstag in Weimar. Bereits bei der Konzipierung des Themenjahrs sei an Sprache im Guten, in der Philosophie und der Poesie etwa, wie auch im schwierigen Umgang, etwa mit Hate Speech (deutsch: Hassrede) und Fake News in den neuen Medien, gedacht worden. «Aber wir dachten noch nicht an Sprache als Kriegsschauplatz, als Mittel der Propaganda - wie es im Moment eben in Russland der Präsident Putin vormacht.»

In dem temporären Bau, 2021 noch als «Grünes Labor» im Ilmpark genutzt, soll Sprache in diesem Jahr vor dem Weimarer Stadtschloss bis Ende Oktober von allen Interessierten verhandelt werden. «Das wichtigste an Sprache ist, miteinander ins Gespräch zu kommen», sagte Projektleiterin Valerie Stephani. Neben Mitmachaktionen und Picknickdecken zum Ausleihen soll es auch in diesem Jahr Projekttage und Workshops für Schulklassen geben und Groß und Klein zur spielerischen Auseinandersetzung mit Sprache einladen. Auch die Lastenräder für Workshops sollen wieder durch die Quartiere radeln.

Der Sprachparcours «Sprachexplosion» führe von den Wohnhäusern Goethes und Schillers ausgehend unter anderem auch über das Nietzsche-Archiv und das Museum Neues Weimar, sagte Projektleiterin Petra Lutz. In den Goethe- und Schiller-Häusern würden Türen geöffnet, die bisher verschlossen blieben, kündigte Lorenz an. «Wir machen sie wieder zu Produktionsstätten, damit sichtbar wird: Dort wurde gedacht, geschrieben, nächtelang diskutiert.»

Neben dem traditionellen Publikum hoffe man auch, Jüngere anzusprechen und für Literatur zu gewinnen. Es handle sich bei dem Parcours um ein «Experimentierfeld», sagte Lutz. So seien bei der Konzeption Tiktok-Sehgewohnheiten bedacht worden. «Wir eröffnen heute glaube ich auch die erste Selfie-Wand der Klassik Stiftung Weimar.» Doch auch hier stehe die Literatur im Fokus.

Dem Shakespeare-Übersetzer und Aufklärer Christoph Martin Wieland sind zur Feier des 250. Jahrestages seiner Ankunft in Weimar gleich zwei Ausstellungen gewidmet: Das Goethe- und Schiller-Archiv zeigt mit «Wieland! Weltgeist in Weimar» ab Freitag die erste Schau des Themenjahres. Ab dem 3. September folgt im Wielandgut Oßmannstedt die Dauerausstellung «Der erste Schriftsteller Deutschlands». Am Auftaktwochenende eröffnen zudem die Ausstellungen «NEUSPRÉCH: KUNST WIDERSPRICHT» im Schiller-Museum und «Nietzsche - Weimar - DDR. Zwei Italiener entdecken den echten Nietzsche» im Nietzsche-Archiv.

Die Klassik Stiftung ist nach eigenen Angaben die zweitgrößte Kulturstiftung in Deutschland. Sie betreut 21 Museen sowie Schlösser und Parkanlagen in und um Weimar und mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek und dem Goethe- und Schiller-Archiv auch wichtige Forschungseinrichtungen.

 

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