Als ich 17 war, spielte ich während des Sommers einen Monat lang als Teil eines Quintetts in einem der Casinos von Donald Trump in Atlantic City, New Jersey, um Geld für das College zu verdienen. Am Ende des Monats wurde uns gesagt, dass wir auf unsere Bezahlung warten müssten, doch letztendlich wurden wir nie bezahlt. Als ich später nach New York City zog, war Trump dort längst als vulgäres, rassistisches Großmaul bekannt, dessen Eskapaden, Scheidungen und Freundschaft mit russischen Gangstern den Klatschkolumnisten reichlich Stoff lieferten.
Nicht schweigen, nicht einschüchtern lassen
Dass Trump 2024 erneut zum Präsidenten gewählt wurde, sagt viel über den deprimierenden und gefährlichen Zustand der heutigen Politik in den USA aus. Sein Sieg war allerdings nicht so überwältigend, wie er behauptet. Und heute ist er kein beliebter Präsident. Schätzungen zufolge lehnen 65 Prozent der Amerikaner ihn und seine Politik ab. Denn tatsächlich war das vergangene Jahr unter Trump ärgerlich und deprimierend.
Die kulturellen Einrichtungen, die in den USA am stärksten von Trump betroffen sind, sind diejenigen, die für ihre Finanzierung vom Bund abhängig sind, etwa Museen wie das Smithsonian, das National Museum of African American History und das National Endowment for the Arts (das Kunstorganisationen im ganzen Land finanziert), auch das PBS und NPR Public Radio, sowie Universitäten und ihre Forschungseinrichtungen und Institute. Sie alle haben – wie auch die Regierungsbehörden – die Aufforderung erhalten, sich aus der „woken“ und „radikal linken“ Politik herauszuhalten. Trump hat Programme für Studenten, ländliche Gemeinden, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Veteranen gestrichen, insgesamt öffentliche Programme gekürzt und viele Regierungsbehörden dezimiert.
Wie viele amerikanische Musiker habe ich das Glück, nicht vollständig von diesem unterfinanzierten System abhängig zu sein. Ich profitiere auch vom Unterstützungssystem, das in Europa und anderen Ländern für Kunst und Musik existiert. Ich bin enttäuscht, dass die USA den europäischen Musikern, die versuchen, in den USA auf Tournee zu gehen, keine Gegenleistung bieten. Denn Trump hat es Musikern aus aller Welt fast unmöglich gemacht, Arbeitsvisa für Tourneen in den USA zu erhalten.
Der wohl bekannteste Versuch Donald Trumps, die Kultur zu übernehmen, fand letztes Jahr beim Kennedy Center in Washington statt. Er entließ den gesamten Vorstand und setzte Richard Grenell (ehemaliger US-Botschafter in Deutschland während Trumps erster Amtszeit) als neuen Leiter ein. Dieser schwor, alle „Woke“-Einflüsse, „Gender-Ideologie“ und „Diversity, Equity and Inclusion“-Vorgaben zu beseitigen. Trump schlug dem Vorstand außerdem vor, dass es schön wäre, seinen eigenen Namen zum Namen des Centers hinzuzufügen. Und innerhalb von 24 Stunden nach der schnell gegebenen Zustimmung brachten Arbeiter das neue Schild „Trump-Kennedy Center“ an.
Aber letztendlich war diese Farce ein Fehlschlag für Trump. Denn viele Abonnenten des National Symphony Orchestra und der National Opera kamen nicht mehr zu den dortigen Konzerten. Auch viele Shows und Künstler sagten ihre Auftritte ab. Nach fünfzig Jahren im Kennedy Center wird die Oper nun an einen anderen Veranstaltungsort umziehen, und dorthin kehrt das Publikum zurück. Trump leitete die Verleihung der National Medal of Arts im Kennedy Center und half bei der Auswahl der Preisträger (was zum ersten Mal vorkam). Aber die Zuschauerzahlen für die Fernsehübertragung waren die niedrigsten seit vielen Jahren, und Trump beschuldigte natürlich die Presse zu lügen.
Trumps politische Agenda stammt aus dem „Projekt 2025“ der Heritage Foundation, einer Agenda weißer Nationalisten, die die USA zu einem christlichen Land unter der Kontrolle der Weißen machen wollen. Sie vertreten die Rechtstheorie, dass der Präsident unbegrenzte Exekutivgewalt und rechtliche Immunität besitzt, um Zölle zu verhängen, Militäreinheiten in amerikanische Städte zu beordern und als autoritärer Diktator zu agieren. Sie verteufeln Einwanderer und Menschen mit anderer Hautfarbe und wollen die Kontrolle über Gerichte, Universitäten, Fernsehsender und Schulen übernehmen. Ihre Agenda ist nicht populär, aber Trump hat sie in seiner Regierung und in vielen Machtpositionen installiert. Viele Musiker, Künstler und Studenten, die in den USA leben und aus anderen Ländern stammen, sind von den verschärften Einwanderungsbestimmungen betroffen. Mit dem ICE hat Trump seine persönliche Schlägertruppe losgeschickt, um in den letzten Wochen in Minnesota und anderen großen und kleinen Städten Einwanderer und amerikanische Staatsbürger zu schikanieren und zu töten. Das Chaos seiner Politik hat das Leben vieler Menschen erheblich erschwert.
Das Schweigen ehemaliger Generäle, Kabinettsminister und sogar ehemaliger Präsidenten ist ohrenbetäubend. Aber es gibt überall in den USA Anzeichen von Hoffnung und Widerstand, sowohl von Seiten der Bundesgerichte als auch von Einzelpersonen und Organisationen, die sich weigern, sich zum Schweigen bringen zu lassen. 275 Bundesrichter haben sich in mehr als 1.100 Fällen gegen Trumps Justizministerium ausgesprochen, darunter Fälle, die Einwanderer, das Verhalten der ICE, Zölle und die Meinungsfreiheit betrafen. Es gab große Proteste und wütende Reaktionen von Bürgern. Die Zwischenwahlen stehen im November 2026 an. Als Künstler und Bürger dürfen wir nicht schweigen und uns einschüchtern lassen.
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