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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. MH

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit …

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Cluster von Martin Hufner
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… mit dieser „Folie“ enden viele verarmte Powerpoint-Präsentationen. Dabei ist der Dank ja auch nur die Unterstellung einer Gewohnheit: macht man eben so. Die Zeiten sind aber wirklich nicht, dass man irgendwas eben so macht, weil man es immer so macht. Das gilt erst recht für die politische Kommunikation von Interessenvertretungen, die, wenn sie so weitermachen, wie sie es gewohnheitsmäßig machen, gar nichts machen – sie sind halt nur da.

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So liest man von der Selfie-bewährten Öffentlichkeitssektion des Dachverbandes der Musikkultur zu einem politischen Treffen: „Besonders gefreut hat uns die offene Atmosphäre. Danke für den guten Kontakt! Zum Abschied hieß es: Bis zum nächsten Mal. Wir freuen uns auf den nächsten Dialog.‘“ In der Mitte die kultur- und medienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Bundestag, Dr. Ottilie Klein, gerahmt von der Präsidentin und der Generalsekretärin des Deutschen Musikrates. Man hat sich gut unterhalten und findet das mitteilenswerter als etwaige Ergebnisse. Das klingt dann so: „Im Mittelpunkt standen viele Themen, die die Musiklandschaft derzeit stark bewegen … unser neues Präsidium – ebenso wie grundlegende Fragen von Haltung und Verantwortung.“ So ein Mitteilungsquark!

Was kann sich davon die musik- und kulturpolitische Landschaft kaufen? Ein Foto! Statt unsere parlamentarischen Vertreter endlich in die Pflicht, statt in die fotografische Mitte zu nehmen, ihnen abzuverlangen, dass sie sich in diesem Fall für die Musikkultur einsetzen und stark machen, statt ihnen ihre konstruktiv zu kritisierenden Positionen zu entlocken, macht man seit Monaten auf „Dialog“.

Gerade Ottilie Klein, die keine Schwierigkeiten mit deftigen Unterstellungen gegenüber angeblich linkem Extremismus hat, murmelt hier mit Musikrats-Glaskugeln auf dem Spielplatz der Harmlosigkeit.

Unsere Musikkultur und deren Spitzenvertreter sollten nicht rumsalbadern, sondern fordern und benennen, was erforderlich ist.

Umgekehrt haben in einer funktionierenden Demokratie die Vertreter abzuholen wofür sie politisch angestellt sind, oder mit Gründen zu verwerfen, was eine intelligente und selbstbewusste Kultur von ihr verlangt. Diese gegenseitige Unterwürfigkeit jedenfalls führt geradewegs in die Bedeutungslosigkeit, fehlt nur noch der Aufruf, irgendeine Petition zu zeichnen.

Max Weber schrieb vor über 100 Jahren: „Die Politik bedeutet ein starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich. Es ist ja durchaus richtig, und alle geschichtliche Erfahrung bestätigt es, dass man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre.“ Atmosphärisches Nasebohren zählt eher nicht. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

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