Die GEMA veranstaltet dieser Tage an vielen Orten „Roadshows“ (umgangssprachlich „Wanderzirkus“). Darin versucht sie verzweifelt, ihren vollkommen verkorksten zweiten Versuch einer „Reform der Kulturförderung“ (umgangssprachlich „Kulturvernichtung“) als Geniestreich zu präsentieren.
Moritz Eggert.
Was wird nun aus „Jan“?
Das Publikum reagiert mit ziemlichem Desinteresse – kein Wunder, inzwischen hat auch der Letzte begriffen, dass alle angeblich „konstruktiven“ Gespräche in diversen „U“- wie „E“-Foren im Vorfeld nur Alibi-Firlefanz waren.
Als Beispiel für einen angeblichen Gewinner der Reform muss in den Präsentationen ein KI-generierter „Jan“ herhalten, der ungefähr so sehr einem Kompositionsstudierenden ähnlich sieht wie ein BWL-Student einem Tattoo-Studio-Besitzer.
Wir lesen: Jan ist „am Anfang einer Karriere im Bereich der zeitgenössischen Kunstmusik“.
(Reality-Check: eine „Karriere“ ist im Bereich der zeitgenössischen Kunstmusik nicht zu erwarten. Wer eine „Karriere“ machen will, macht etwas anderes.)
Wir lesen: Jan bekommt „dreistellige Summen im Jahr als GEMA-Tantieme“.
(Reality-Check: Jan kann froh sein, wenn er am ENDE seines Studiums mal eine dreistellige Summe mit einer eins vorne zusammenkriegt, denn vorher wird mit ziemlicher Sicherheit der GEMA-Mitgliedsbeitrag höher sein als das, was er verdient.)
Wenn nun der geile Kulturvernichtungsantrag angenommen wird, kommt angeblich ein Sonnenstrahl in das bescheidene Leben des armen Jan, denn dann kann er wohl am „Fokus CCL“ teilnehmen und bekommt „Kulturortpunkte und Nachwuchsförderung“.
(Reality-Check: Die Nachwuchsförderung bekommt er natürlich nur, wenn er ganz viel Glück hat, denn nun ist er plötzlich in einem Riesenpool mit ganz, ganz vielen Komponierenden aus allen Genres, die von Jurys ausgewählt werden, in denen keine einzige E-Komponistin sitzt.)
Wenn die GEMA-Engelchen singen und gnädig sind, kann „Jan“ dann auf fünfstellige Beträge hoffen.
(Reality-Check: er wird die auch dringend brauchen, denn nun hat er mit seinem fortan brutal reduzierten Mini-Aufkommen keinerlei Chance mehr, je ordentliches Mitglied bei der GEMA zu werden, was ihm eine wesentlich bessere Sicherung geben würde.)
Ach Jan, willst Du wirklich wegen Deiner angeblich um das „Fünffache“ steigenden GEMA-Tantiemen wie ein Hans im Glück verzichten auf Deine bei fortlaufender kompositorischer Produktivität steigende Wertung, die eine wesentlich bessere Sicherung darstellen würde? Obwohl sie noch nicht einmal annähernd je die Dimensionen erreichen wird, die bei den Erfolgreichen der U-Musik üblich sind? Ist dir, lieber Jan, bewusst, dass du zwar vielleicht statt 100 Euro nun 500 Euro GEMA-Tantiemen im Jahr bekommst, aber ansonsten 90 Prozent weniger?
Aber da die E-Musik ja systematisch ausradiert werden soll, damit Sony und Universal noch mehr Geld bekommen, ist es sicherlich sogar im Sinne der Kulturvernichtungsreformer, dass es diesen „Jan“ bald nicht mehr gibt. Schnell muss er nochmal als Posterboy herhalten, dann ab in die Schublade mit ihm.
Jan, es war schön mit Dir. Aber Du passt einfach nicht mehr in diese Zeit. Werde doch lieber GEMA-Aufsichtsrat – da verdienst da auf jeden Fall mehr, als Du als E-Komponist je verdienen wirst.
Und wenn Du ganz fleißig bist, wirst Du vielleicht sogar mal etwas noch Höheres bei der GEMA, zum Beispiel CEO, dann kannst Du Dir all das kaufen, was Du als E-Komponist nie kaufen können wirst. Oder sei einfach nur noch Funktionär, am besten mit ganz, ganz vielen Posten, in denen Du Deinen Besties immer schön Geld rüberschieben kannst.
Es hat nur einen Haken: Du musst die Kunst für immer an den Nagel hängen. Und du musst in Kauf nehmen, das Leben anderer Menschen zu zerstören.
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