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Aussterbende Spezies: Das Bücherregal samt gedrucktem Inhalt als Speichermedium im privaten und öffentlichen Raum. Foto: Martin Hufner

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Was wurde eigentlich aus der Compact Disc?

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Drangeblieben 10/2026
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Ich erinnere mich noch gut an die Reaktionen – vor allem von Männern, eigentlich nur von Männern – auf die Entsorgung meines CD-Regals vor ein paar Jahren. Ein CD-Player nach dem anderen hatte den Geist aufgegeben, und ich hörte sowieso nur mehr Playlists über Lautsprecher. Warum also auch ein riesiges CD-Regal (handgearbeitet übrigens) mit 900 Tonträgern aufbewahren? Besitz ist menschlich, war ein Argument, nie, nie und nochmals nie würden die Herren ihre CD-Sammlung aufgeben. Ist Fengshui also weiblich? Das ist hier die Frage. Und da ich bedauerlicherweise gerade die einzige Frau in der engeren Redaktion bin, habe ich mich bei den männlichen Kollegen umgehört, ob sie immer noch CDs haben. Hier ihre ganz spontanen Statements:

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„Bei uns zu Hause machen sich noch etliche tausende CDs breit, und es werden immer mehr. Ganz einfach, weil ich von Labels, DMR, Rundfunk und Musikschaffenden immer noch mit Rezensionsexemplaren ‚bemustert‘ werde, die ich dann selbstverständlich auch alle von CD anhöre, wenn ich was darüber zu schreiben habe und von denen ich mich dann nicht zu trennen weiß, wenn sie nun schonmal bei mir gelandet sind. Vielleicht ist dieses NichtWegwerfen-Können ein spätes Erbe der Nachkriegskindheit meiner schwäbischen Eltern, da wird halt nix weg­gschmisse.“ 
Rainer Nonnenmann, Teil 1

 

„Die Studierenden an der Musikhochschule haben allesamt keine CD-Player, also auch keine CDs mehr und es ist sinnlos, ihnen solche schenken zu wollen, weil sie schlicht nichts mehr damit anfangen können. Wenn Referate zu halten und dabei Musikbeispiele abzuspielen sind, werden diese in der Regel aus dem Internet von YouTube gestreamt, für das man aber kein Abonnement hat und folglich ständige Unterbrechungen durch Werbung in Kauf nehmen muss. Auf die Interpeten wird dabei ebenso wenig geachtet wie auf die Qualität der Mitschnitte oder Raumkopien. Das alles scheint niemanden zu stören. Hauptsache der Stream ist bequem und kostenfrei verfügbar.“ 
Rainer Nonnenmann, Teil 2

 

„Mein Zimmer ist voll von CDs, die ich längst nicht mehr sammle. Außer bei Keith Jarrett. Aber habe schon noch mal welche gekauft. Die Letzten, die ich wollte, waren aber schnell schon weg (Reissue der DG-Reihe Avantgarde). Schade.“ 
Martin Hufner

 

„Ich fühle mich inmitten meiner zahlreichen CDs recht wohl. Wenn das Internet mal kaputt ist, hab ich immer noch was zum Anhören. Bester Klang, Booklets mit Infos und Gesangstexten, bei denen man nicht auf einen Bildschirm starren muss, was will man mehr? Hab mir auch wieder gebraucht einen Technics-Player gekauft, den mit dem tollen Drehrad, mit dem man in dosierter Geschwindigkeit vor- und zurückspulen kann. Ach ja, die Kassette ist ja auch wieder im Kommen: Der Player kann zusammenrechnen, wie viele Tracks auf eine Seite einer 60er oder 90er passen. Unentbehrlich.“ 
Juan Martin Koch

 

„Musik aus dem Wasserhahn? Das war die Utopie der Nuller Jahre. Heute fließt der Musikstream unendlich und rund um die Uhr. Im Gegensatz zum Wasser ist Knappheit hier nicht zu befürchten. Und wie es mit allen Gütern ist, die es im Überfluss gibt, ist es auch mit Musik: Sie ist nichts mehr wert. 
Begreift man aber Geschichte als Pendelbewegung, dann sind schon wieder Ausschläge in die andere Richtung zu bemerken: Die CD ist in jedem Tourgepäck dabei, die Langspielplatte kommt zurück und es gibt sogar ein Revival der MusicCassette. Bei diesem Phänomen geht es weniger um Umsätze, sondern um musikalische Qualität und um die Kostbarkeit des (nicht komprimierten) Hör-Augenblicks. Deshalb halte ich es mit Matthäus 11, Vers 15: „Wer Ohren hat, der höre CD!“ 
Andreas Kolb

Vermisse ICH nun CDs? Neulich schon, denn mein Mann meinte, man könnte sie auf den Balkon hängen, da sie durch das Spiegeln Tauben vertreiben würden. Hat jemand welche für mich?

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