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Moritz Eggert. Foto: Juan Martin Koch

Moritz Eggert.

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Wir ruinieren uns selbst

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Absolute Beginners 2026/06
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In unseren Köpfen sind wir nach wie vor das Volk der „Dichter und Denker“, das von der ganzen Welt um sein Kulturleben beneidet wird. Deutschland hat die meisten Opernhäuser, Theater, Musikhochschulen und wird beneidet für ein Kulturangebot, das weltweit seinesgleichen sucht. Keine Frage: Besonders in der Musik sind wir weltweit führend. Unsere Hochschulen sind voll von Studierenden aus der ganzen Welt. Für viele ist es der größte Traum, als Sängerin, Instrumentalist, Dirigentin oder Komponist in Deutschland zu arbeiten. Warum schaffen wir aber dann genau dieses Alleinstellungsmerkmal (das auch wesentlich zu Tourismus, Gastgewerbe und zu Steuereinnahmen beiträgt) zunehmend ab? Warum ruinieren wir gerade unsere Musikszene? Warum behandeln wir unseren eigenen Nachwuchs so schlecht?

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Es ist zu einfach, dieses Phänomen mit Bildungsverfall im digitalen Zeitalter oder Kulturkürzungen zu erklären, denn andere Länder stehen vor exakt den gleichen Herausforderungen, ohne denselben Ausverkauf der Kultur zu betreiben. Ist es ein posttraumatisches Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der Welt? Oder ein naives Übernehmen von marktkapitalistischen Prinzipien? Oder schlicht und einfach der tiefe Selbsthass, der uns Deutschen aus verschiedenen Gründen eigen ist?

Wie auch immer – wir müssen nüchtern Bilanz ziehen. Musikunterricht in den Schulen? über die Jahre heruntergewirtschaftet und zur Randnotiz verkommen. Förderung des musikalischen Nachwuchses? Auf jede „Jugend Musiziert“-
Gewinnerin kommt inzwischen eine Musikschule, die sich ihre eigenen Dozenten nicht mehr leisten kann oder die Pforten schließt. Musikalische Ausbildung von Kindern ist keineswegs mehr selbstverständlich, sondern Glückssache – man braucht auf jeden Fall ein privilegiertes Elternhaus, um in den Genuss von gutem Unterricht zu kommen.

Mir fällt zunehmend auf, dass das im Ausland keineswegs so ist. Das Ausbildungsniveau der ausländischen Studierenden ist oft deutlich höher als bei uns, diese kommen aber aus Ländern wie Brasilien, der Ukraine oder China. Wenn man deutsche Jugendliche fragt, ob sie ein einfaches Volkslied singen können, fällt keinem eines ein. Fragt man Jugendliche aus Lettland oder Finnland, können diese stundenlang auswendig singen. Ausländische Studierende sind meistens hochmotiviert und kämpfen hauptsächlich mit der Sprache, nicht mit dem Lehrstoff, zudem haben sie einen wesentlich höheren Frauenanteil in Fächern wie Komposition oder Dirigieren.

Die Musikhochschulen müssen zunehmend sparen – Stellen werden gekürzt oder gestrichen, manche sind marode und müssen dringend saniert werden, überall fehlt Geld. Auch das, was sie bieten können, fällt zunehmend international ab, was zum Teil sogar damit zu tun hat, wie die EU kulturellen Austausch fördert. Es ist verrückt: wenn die slowenische Musikhochschule in Ljubljana das Ensemble Modern oder die Stuttgarter Vokalsolisten einladen will – also internationale Top-Ensembles – so wird dies reichhaltig gefördert und ist problemlos möglich. Dieselben Ensembles – obwohl heimisch – an einer Deutschen Musikhochschule zu präsentieren, ist unmöglich. Die leider in diesem Jahr nicht verhinderte GEMA-Reform schlägt in diese Situation ein wie eine Atombombe, zerstört noch mehr Strukturen, die das heimische Musikleben fördern, und das absolut genre­übergreifend. Wie viele Musikverlage gibt es hier noch, die nicht in der Hand von Konzernen sind? Wie viele unabhängige Labels? Bald keine mehr.

Eines ist sicher: wenn wir so weiter machen, läuft uns der Rest der Welt spielend den Rang ab, den wir momentan ohne Not aufs Spiel setzen, während die Politik ahnungslos wegschaut. Für ein paar Dollar mehr in die Kassen von denen, die ohnehin schon reich sind.

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