Veranstalter und Musikschaffende werben für ihre Arbeit auf Plakaten, Flyern, Webseiten, in Magazinen, Zeitungen, Zeitschriften und Sozialen Medien. Die Theater, Konzert- und Opernhäuser publizieren aufwändig gestaltete Spielzeit-Broschüren. Manche Programmbücher sind regelrechte Prachtfolianten mit festem Leineneinband, Fadenheftung, Lesebändchen, teils sogar mit Profilprägung und Goldschnitt. Die äußere Ansicht, Haptik und Gewichtigkeit soll die Hochwertigkeit der Inhalte signalisieren. Auf salbungsvolle Grußworte von Intendant:in, Bürgermeister:in, Kuratoriums- und Freundesvereinssprecher:in folgen tolle Programme, Projekte, Abonnements, Hochglanzfotos, Grafiken, Bilder, Kommentare, Biografien, Geschichten, Hintergrundberichte, Essays, Namens- und Werkregister… Manche Saisonvorschau scheint für die Ewigkeit bestimmt, landet aber oft sofort oder spätestens nach Ende der Spielzeit im Altpapier.
Die letzte Seite der nmz 7/8 2026.
Ab- oder Vorbilder?
Die Drucksachen verbrauchen kostbare Ressourcen und erreichen doch immer weniger Menschen. Besser als teuer aufgemachte Objekte kommunizieren handelnde Subjekte, seien es Influencer:innen, bekannte Persönlichkeiten oder beliebte Vorbilder. Doch wer sind heute die Menschen, die generationen- und parteienübergreifend Ansehen genießen und sich für Musik, Oper, Tanz, Theater begeistern? Wer fühlt sich durch Kunst und Kultur bereichert, erfüllt, erregt, beglückt, belehrt, zum Nachdenken angeregt und spricht dann einfach aus Leidenschaft, Überzeugung und Mitteilungsbedürfnis in Öffentlichkeit und Medien darüber, nicht routiniert, snobistisch, dünkelhaft, moralisch, bevormundend, sondern ansteckend, animierend, Lust und Neugierde weckend? Welche Persönlichkeiten außerhalb des Kulturbetriebs gibt es in Bund, Ländern, Städten, Gemeinden, die Oper und Konzert bei jeder sich bietender Gelegenheit zum Gesprächsthema machen und große Teile der Gesellschaft erreichen?
Popularisierende Fürsprachen, Paten- oder Schirmherrschaften verdient hätte – wie andere Ensembles – das ensemble mosaik. Die 1997 gegründete und seitdem von Enno Poppe dirigierte Formation bereichert seit bald dreißig Jahren das Musikleben in Berlin, Deutschland und international, sowohl mit zahllosen Konzerten als auch vielen Kompositionsaufträgen und Uraufführungen. Im Juli präsentiert das Ensemble gleich zweimal ganze Serien neuer Werke. Angekündigt wurden die Veranstaltungen ganz billig auf Postkarten. Am 4. und 5. Juli spielt das Ensemble beim Sommerfestival „Up to Three“ im Acker Stadt Palast Berlin neue Stücke von Pablo Garretón, Gebhard Ullmann, Alessandro Massobrio, Macarena Rosmanich, Parham Behzad, Marisol Jimenez und Elena Mendoza. Und am 18. Juli gedenkt das ensemble mosaik seiner am 17. Juli 2024 verstorbenen Flötistin Bettina Junge, die das Ensemble einst mit gründete und künstlerisch leitete. Das Konzert in der Halle Tanzbühne Berlin bietet Uraufführungen von Joanna Baillie, Boris Filanovsky, Juliana Hodkinson, Sergej Newski, Petros Ovsepyan, Kirsten Reese, Niklas Seidl und Stefan Streich.
Weitere Uraufführungen
- 03.07.: Thomas Dorsch, Bertha Benz fährt Automobil für Sprecherin und Orchester, Theater Heidelberg; Mike Svoboda, Moon Child für Ensemble, Frauen- und Kinderchor ad libitum, Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch-Gmünd
- 04.07.: Oliver Drechsel, Introitus zur Mass of the children von John Rutter, Kammerensemble, Friedenskirche Monheim-Baumberg; Benjamin Scheuer, Abend-Lieder für Mezzosopran und Klavier, Liederwerkstatt des Kissinger Sommers, Rossini-Saal Bad Kissingen
- 10.07.: Studierende der Kompositionsklassen der HfMT Köln, neue Stücke für Ensemble Musikfabrik bei ADVENTURE #16, Konzertsaal HfMT Köln
- 16.07.: Stefan Heucke, Konzertvariationen für Oboe und Streichorchester, St. Nikolaus Münster
- 12.08.: Benjamin Scheuer, neues Trio für Pony Says (E-Gitarre, Keyboards, Drums), KulturForum Kiel
- 23.08.: Alex Paxton, Skin Wrinkles Microscopic Zoom-in für Streichorchester, Petruskirche Kiel
- 29.08.: Teresa Grebchenko, /ʁoːt/ Puppenoper, Rathenower Tage für Neue Musik, Kulturzentrum Rathenow
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