Indem die deutsche Sprache das Futur grammatikalisch mit dem Perfekt zum Futur II verbindet, eröffnet sie die gedankliche Möglichkeit, alles Werdende elegant zu überspringen, so dass nichts wirklich wird, sondern immer schon gewesen sein wird. Die Überholung des Künftigen durch das Vergangene erlaubt eine Umkehrung der Blickrichtung. Statt streng chronologisch voran in die Zukunft zu stolpern, richtet man die Perspektive aus einer noch weiter entfernten Zukunft zurück auf die heute noch erhoffte oder befürchtete, dann aber bereits vergangene Zukunft. Diese vorweggenommene Rückwendung einer späteren Zukunft auf eine frühere bis zu unserer heutigen Gegenwart macht die Futurologie – nicht allseits als seriös angesehen – letztlich zu einer historischen Wissenschaft.
Ausgabe 10/26 - Die letzte Seite
Das wird gewesen sein
Die an dieser Stelle für den Monat Oktober annoncierten Uraufführungen werden allesamt stattgefunden haben, wenn in einem Monat bereits die November-Ausgabe der nmz vorliegt. Wie wird man all die Musik erlebt haben? Wird sie gefallen, erfüllt, erhellt, enttäuscht haben? Im nächsten Heft wird man dann auch lesen können, wie vom 16. bis 18. Oktober die Donaueschinger Musiktage verlaufen sind, ob es Auf- und Anreger gab. Was hat begeistert, was ist gefloppt. Das Festival wird wie üblich vom SWR Symphonieorchester eröffnet, diesmal zusammen mit dem SWR Experimentalstudio und Uraufführungen von Stefan Prins, Igor C. Silva, Hannah Kendall und Natasha Barrett. Im Abschlusskonzert spielt das Orchester dann Werke von Mauro Lanza, Fabien Levy und Clara Ianotta. Weitere Novitäten stammen von Simon Steen-Andersen, Steven Kazuo Takasugi, Éliane Radique, Brigitta Muntendorf, Anne Cleare und Rebecca Saunders.
Andernorts gibt es ebenfalls viel neue Musik. auch speziell für Kinder. Im Dresdner Kulturpalast kann man am 2. Oktober die Uraufführung von James MacMillans „DÄ›tem“ auf einen Text von Hanuš Hachenburg als Begleitstück zu Hans Krásas „Brundibár“ mit dem Philharmonischen Kinderchor Dresden erleben. Besonders an Kinder richtet sich Gerald Reschs „Geheimmission Zauberflöte“ auf ein Libretto von Margot Mezgolich nach Mozart/Schikaneder. Am 10. Oktober führt diese „Wanderoper“ erstmalig durch das Gebäude der Wiener Staatsoper. Am 14. Oktober präsentiert die Oper Dortmund die Premiere von Marc L. Voglers „Wie klingt Grün?“ für Kinder ab zwei Jahren. Vielleicht wird aus den jungen Menschen, die jetzt diese Aufführungen besuchen, dereinst ein passioniertes Konzert- und Opernpublikum geworden sein.
Weitere Uraufführungen:
- 03.10.: Stephan Kimmig und PC Nackt, Das Prinzip Hoffnung – Musiktheater nach Ernst Bloch, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Kleines Haus
- 05.10.: Wolfgang von Schweinitz, Plainsound Forest Song op. 68, Studio Musikfabrik Köln
- 10.10.: Gordon Kampe, Die Verwandlung, Staatstheater Augsburg; Jüri Reinvere, Schade! – Schade! – zu spät!!, musikalischer Prolog zu einem Ende, Konzerthalle Bamberg
- 14.10.: Nicolas Kuhn, neues Orgelwerk bei den „Orgelmixturen“, Kunst-Station Sankt Peter Köln
- 15.10.: Detlev Glanert, Orchestration von Fanny Hensels 12 Charakterstücken „Das Jahr“, Stiftung Mozarteum Salzburg
- 18.10.: Annelies van Parys, Ekstase für 24-stimmigen Chor, Neues Globe Schwäbisch Hall; Karl-Gottfried Brunotte, Konturschrift/Brechung 4-2 (9.26) für Orgel, Christuskirche, Bad Homburg vor der Höhe
- 22./23.10.: Jörg Herchet, Jin-Ah Ahn, Anastasija Delidova, Juan Allende-Blin, neue Stücke für Part Ensemble, Kreuzkirche Essen
- 30.10.: Michael Reudenbach, Musik für Orchester, Clara Ianotta, sand like gold-leaf in smithereens für Violine, Orchester und Elektronik, musica viva München
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