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Musikfest Erzgebirge. Foto: © Mathias Marx

Musikfest Erzgebirge. Foto: © Mathias Marx

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Drham is’ drham. Musikfest Erzgebirge lässt Heimat erklingen – Uraufführung des „Erzgebirgsoratoriums“ von Wilfried Krätzschmar

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Ein „Großes Erzgebirgisches Sängerfest“ mit mehreren hundert Beteiligten hat am Samstag das diesjährige Musikfest Erzgebirge in Schneeberg eröffnet.

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Heller Silberklang und satte Tiefe. In diesem Auftakt war die Opulenz des jüngsten Werks von Wilfried Krätzschmar schon enthalten und sog das Publikum im Eröffnungskonzert zum Musikfest Erzgebirge umgehend in seinen Bann. Mit der Auftragskomposition „Wo die Schätze klingen – ein Erzgebirgsoratorium“ hat der Dresdner Komponist (Jg. 1944) auch seine ureigensten musikalischen Erfahrungen zum Klingen gebracht.

„Ich habe ja eine richtige Verbindung dazu. Erstens wohne ich nahe dran, zweitens bin ich schon in meiner Kindheit sehr oft im Erzgebirge gewesen, nicht zuletzt kommen meine Vorfahren aus dem Erzgebirge. Da gibt es also vielfältige Verbindungen, die ich jetzt nochmal für mich hervorgeholt habe.“ Zuvor wurde Wilfried Krätzschmar von Musikfest-Intendant Hans-Christoph Rademann, Kantorensohn aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg, ehemaliger Kruzianer und seit 2013 Leiter der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart, um eine Komposition gebeten, die das Musikleben des Erzgebirges zum Inhalt hat.

Diese Idee habe ihn sofort fasziniert, schließlich sei das Erzgebirge ein Kulturraum mit überaus reicher Musikgeschichte. An Traditionen sollte zwar auch erinnert werden, sie sollten zudem mit heutigem Leben gefüllt und zum Klingen gebracht werden. Wilfried Krätzschmar zufolge habe der Titel „Wo die Schätze klingen“ nicht nur auf den Reichtum des Bergbaus verweisen, sondern das seit langem eng mit dieser Region verflochtene Musikleben als wichtigen Schatz danebenstellen sollen.

Aufgrund seiner Biografie dürfte Wilfried Krätzschmar der wohl passendste Künstler sein, dem eine solche Komposition anvertraut werden konnte, da er wie kaum ein anderer über die Grundlagen verfügt, die Eigenheiten dieser Gegend und ihrer Menschen zu erfassen. „Es ist ja nicht nur eine landschaftliche Region, sondern durchaus eine eigene Welt mit ihrer Sprache, ihren Traditionen, ihren Schnurren, mit dieser Eigenheit der Leute, diesem sehr eigentümlichen Gemisch aus Einfachheit, großem Witz, Verbundenheit sowie Bodenständigkeit auch in der Sprache, einer rauen Herzlichkeit, wo ich mir gesagt habe, ich muss wahnsinnig aufpassen, dass das nicht tümelt.“

Kein Tümeln also sollte es werden, aber dennoch einen engen Bezug zur Region haben, zu den Menschen, zu ihrer Geschichte. Zudem musste die Auftragskomposition mit Laienchören aufführbar sein. Mehrere Chöre aus Kantoreien von Orten wie Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Gelenau, Thum und Ehrenfriedersdorf taten sich zusammen mit Kammerchören aus der Umgebung sowie aus Dresden, um gemeinsam mit der Erzgebirgischen Philharmonie Aue unter der musikalischen Leitung von Hans-Christoph Rademann die „Schätze“ in der St. Wolfgangkirche zu Schneeberg erklingen zu lassen.

Die Silberklänge der orchestralen Introduktion haben sich rasch zu einem tönenden Panorama geweitet, das mit großem Choreinsatz die „Musica überall!“ befeiern wollte. Neben Texten aus der Hand des Komponisten wurden Luthers „Tischreden“ zitiert, um in einer Sequenz „Vom Singen“ das urmenschliche Bedürfnis sowie die Freude an dieser Ausdrucksmöglichkeit darzustellen. Die folgende Sopran-Aria „Wie ich das mag“ wandte sich Marie Hänsel geradezu hymnisch den Bergen, Wäldern, der Anmut und natürlich der Musik zu: „Was für ein Schatz! / Vielgestaltig, altvertraut, lebensnah – / wie ich das mag!“ Krätzschmar hat dazu eine fast ausnahmslos aufstrebende Stimmführung gewählt, geradezu suggestiv ans Licht und zur Freude führend.

Eine schier bezwingende Komposition also von heute, die dem musikalischen Schaffen der Vergangenheit einer ganzen Region gewidmet ist. So variantenreich die sieben Sätze dieses Oratoriums melodisch und rhythmisch sind, so unterschiedlich sind die einzelnen Teile besetzt. Dem wuchtig auf vollen Orchestersound fußenden Choral „Von der Tiefe der Zeit“ für Kammerchor, Kinderchor und großen Chor sind so kontrastreich wie wirkungsvoll ein Introitus für Kinderchor „Mit Gnad sieh’ unser Bergwerck an“ sowie eine Aria für Bariton-Solo „Von der Bergleut Reigen“ gefolgt, letztere von Andreas Scheibner mit vitaler Inbrunst gestaltet.

Selbstredend waren perkussive Gewalten gefragt, wenn es um Bergwerkstraditionen ging, aufgefangen wurden sie im „Spruch“ für Kammerchor von solistischem Harfenklang, passend zum textlich gedoppelten Bezug „wo Musik zur Heimat wird und Heimat zu Musik.“

Die finalen „Horizonte“ mit gesungenen Ortsnamen von ersterwähnten Kantoreien vorreformatorischer Zeit bis 1766 bedienten wiederum in kompletter Besetzung erzgebirgische Historie – freilich mit aktuellem Anklang. Hans-Christoph Rademann, der das Publikum eingangs dieser Uraufführung bereits darauf einstimmte, dass neben den knapp 300 Mitgliedern der Chöre und des Orchesters auch die gut 600 Besucherinnen und Besucher zu den Mitwirkenden dieses Eröffnungskonzerts zählen würden, stimmte ein allumfassendes Tutti an. „O Musica (…) Lass’ deinen Glanz erstrahlen weit in alle Welt und alle Zeit!“ Was für ein wirkmächtiger Ausklang.