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Ewa Bogusz-Moore. Foto: Jacek Boremba/Philharmonie Köln

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Liquidieren, riskieren, experimentieren

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Drangeblieben 2026/05: Ende und Neuanfang des Kölner Festivals ACHT BRÜCKEN
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Oberbürgermeisterin, Kulturdezernent, WDR-Vertreter und Aufsichtsrat der KölnMusik bekannten sich noch im Dezember 2024 zur Fortführung von ACHT BRÜCKEN. Doch zwei Monate später wurden im Kölner Doppelhaushalt 2025/26 dem Festival sämtliche städtischen Mittel gestrichen und die Liquidierung der Betreibergesellschaft beschlossen. Daher gibt es dieses Jahr kein Festival. Die neue Intendantin der Kölner Philharmonie Ewa Bogusz-Moore verkündete jedoch bereits zu ihrem Amtsantritt im Sommer 2025, ein neues Festival konzipieren zu wollen. Und das soll es im Mai 2027 nun tatsächlich geben.

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„Ein Festival ist gut“, so Bogusz-Moore, „weil es den Fokus auf aktuelle Musik lenkt. Den Namen ACHT BRÜCKEN behalten wir bei, aber wir sprechen nicht mehr von ,Musik für Köln‘, sondern nennen es ,Musik in Köln‘, um zu signalisieren, dass nicht nur nach Köln importiert wird, sondern ganz viel Aktuelles hier sein Anfänge und Wurzeln hat. Wir möchten fragen, was neue oder aktuelle Musik ist.“ Statt eines engeren Begriffs geht es der Intendantin um ein breites Verständnis von aktueller Musik. „Wir möchten lokal und international sein und Traditionen mit der Gegenwart und Zukunft verbinden. Nur wenn wir die Vergangenheit verstehen, können wir begreifen, was es heute gibt und was künftig werden könnte.“

Die studierte Cellistin und vormalige Direktorin des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks in Kattowitz möchte spezifische Kölner Traditionen und Orte verbinden. „Jedes Jahr soll es ein anderes Festivalthema geben. Wir beginnen im Mai 2027 mit ,Stimmen‘. Dazu gehören in Köln auch Chormusik und Karneval, ebenso transkulturelle Projekte, um die vielen Communities in Köln einzubeziehen, also das Sacrum und das Profanum.“ Im Hinblick auf die Frage, was aktuelle Musik hier und jetzt bedeutet, möchte die Intendantin eine große Bandbreite und Vielschichtigkeit an Musik zeigen. „Spannungen und Verbindungen zwischen verschiedenen Polen sind immer interessant, auch zwischen Karneval und neuer Musik. Wir nehmen die Welt in all ihrer Verschiedenheit ja nicht mit Scheuklappen wahr. Ein Fes­tival muss Experimente machen, Fragen aufwerfen, etwas entdecken wollen, Dinge spielerisch kombinieren und ein Risiko eingehen, damit darüber diskutiert werden kann.“

Erste Kooperationen mit dem WDR und der Musikfabrik sind schon vereinbart. Auch mit der freien Musikszene ist Bogusz-Moore im Gespräch, um Vertrauen aufzubauen und gegebenenfalls Programme aufzunehmen. Bislang setzte sich die künstlerische Leitung aus der Intendanz sowie Vertretungen von WDR und städtischem Musikreferat zusammen. Nun will Bogusz-Moore das von zehn auf fünf Tage komprimierte Festival mit drei weiteren internen und externen Ideengeber:innen erarbeiten, im Austausch mit WDR, Musikfabrik, Freier Szene, dem im selben Gebäude untergebrachten Museum Ludwig, in Zukunft vielleicht auch mit der Oper Köln und weiteren kulturellen Playern. „Die Kultur der Stadt“, so die Intendantin, „ist wie ein Ökosystem, da werden alle gebraucht, Freie Szene ebenso wie Institutionen. Köln ist ein besonderer Ort, mit großer Offenheit, wie ein Vorreiter, von dem Impulse ausgehen könnten.“

Bevor der Phönix neu aus der Asche steigt, ist jedoch noch das Festivalbudget zu klären. „Wir hoffen, dass wir frühere Geldgeber zurückgewinnen und sind in Gesprächen.“ Wie alle Veranstalter will sich Ewa Bogusz-Moore verstärkt um das Publikum bemühen, das Kernpublikum ansprechen und gleichzeitig eine größere Öffentlichkeit. „Um das Publikum zurückzuholen, wird das Festival in den nächsten Jahren zentral in der Philharmonie stattfinden, weil es dafür ein Zentrum braucht, eingeschlossen die direkte Nachbarschaft von Museum Ludwig, Dom und WDR. Vielleicht kann man später auch wieder andere Spielstätten einbeziehen.“ Noch vor zwei Jahren war die Fortsetzung von ACHT BRÜCKEN ine Selbstverständlichkeit. Inmitten der Krise ist der nun geplante Neuanfang eine Sensation, die dem Kölschen Grundgesetz „Wat fott es, es fott“ ein Schnippchen schlägt.

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