Das Musikfest Berlin 2026, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker, startet am 28. August in der Philharmonie Berlin. Eine musikalische und musikgeschichtliche Sensation ist die Entdeckung der Komposition La Sainte Face von Yvonne Loriod.
Die 15-sätzige außergewöhnliche Kantate für Sopran und Orchester wird 80 Jahre nach ihrer Entstehung uraufgeführt. Eine in der Partitur enthaltene Programmnotiz der Komponistin und die jetzt fassbare Dauer des Werkes bewirken eine besondere Programmänderung.
Die hoch expressive Orchestermusik von Yvonne Loriod erklingt zum ersten Mal. Die brillante Pianistin und legendäre Klavierpädagogin, 1924 in Paris geboren, war zu Lebzeiten vor allem als Interpretin der Musik ihres Mannes Olivier Messiaen bekannt. Das WDR Sinfonieorchester und Kent Nagano werden 80 Jahre nach der Entstehung eine ihrer zahlreichen eigenen Kompositionen für große Besetzung am 5. September beim Musikfest Berlin zur Uraufführung bringen: La Sainte Face, eine 15-sätzige musikalische Beschreibung des „heiligen Antlitzes“ für Sopran und Orchester. Den Gesangspart übernimmt die Sopranistin Sarah Aristidou, die bereits zur Festivaleröffnung am 28. August in Ligetis Le Grand Macabre als Solistin auftritt. Die Uraufführung von La Sainte Face beim Musikfest Berlin verspricht ein Erlebnis eines der faszinierendsten musikalisch-religiösen Bekenntniswerke des 20. Jahrhunderts zu werden.
Die 1945 mit schwarzer Tinte handgeschriebenen 280 Partiturseiten von La Sainte Face offenbarten nach Erschließung und Drucklegung eine außergewöhnliche Dimension: Die zunächst auf 45 Minuten geschätzte Dauer des Werkes beträgt tatsächlich ca. 90 Minuten. Und die aus einem Solist*innen-Trio – mit Sopran, Flöte und Harfe – und einem Orchester bestehende Besetzung wird in den 15 Sätzen mit jeweils unterschiedlichen Instrumenten-Konstellationen gestaltet, unter anderem durch 7 Flöten oder 6 Celli oder zwei Ondes Martenot. Zudem stellt eine Notiz von Yvonne Loriod in der Partitur eine Verbindung des Werkes mit der Befreiung von Paris 1944 her: La Sainte Face erinnert auch an die letzten Tage von Jean-Claude Touche, einen begnadeten Organisten, Komponisten und Mitstudenten von Loriod. Der 18-jährige Touche wurde am 25. August 1944, dem Tag der Befreiung, als Sanitäter in den Pariser Straßenkämpfen von einer deutschen Gewehrkugel getroffen und erlag später den Verletzungen.
Aufgrund des besonderen geschichtlichen Kontextes und der doppelten, 90-minütigen Werkdauer von La Sainte Face hat das Konzertprogramm eine neue Gestalt angenommen: Anstelle der geplanten Aufführung der Reformations-Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy am Ende des Programms werden nun der Premiere von La Sainte Face drei Orgelwerke von Jean-Claude Touche und zwei Orgel-Fantasien von Jehan Alain vorangestellt.
Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und am 8. September ab 20:00 Uhr übertragen.
Die Audio-Aufzeichnung des Konzerts ist ebenfalls in der Berliner Festspiele Mediathek vom 9. September bis 9. Oktober 2026 nachzuhören.
Insgesamt werden elf Konzerte des Musikfest Berlin im Deutschlandfunk Kultur übertragen, zwei auf radio3 vom rbb. Musikfest Berlin im Radio
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Uraufführung von Yvonne Loriods "La Sainte Face" beim Musikfest Berlin
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Musikfest Berlin 2026: Sensationelle Entdeckung eines Werkes von Yvonne Loriod
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