Im September gibt es bekanntlich Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Auch im Jahr 36 der deutschen Wiedervereinigung bestehen Unterschiede zwischen Ost und West, die sich auch im Wahlverhalten niederschlagen. Doch Unzufriedenheit und Unsicherheit bezüglich der jeweiligen Lebenssituation gibt es in ganz Deutschland.
nmz 09/2026 - Seite 40
Vielfalt lebt von Demokratie
Die Chemnitzer „Freie Presse“ veröffentlichte am 25. Juli die Ergebnisse einer Online-Befragung, die das britische Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov bei jeweils 1.500 Menschen in West- und Ostdeutschland durchgeführt hat. Demnach beurteilen 40 Prozent der Menschen hier wie dort ihre persönliche Situation für die kommenden zwölf Monate als optimistisch oder sogar sehr zuversichtlich. Zugleich sind bundesweit rund Dreiviertel der Leute unzufrieden und sehen das Land sich in eine falsche Richtung entwickeln. Die Schnittmenge lebt in einem Widerspruch. Überall die gleichen Sorgen bereiten den Menschen hohe Wohnungskosten, Auskommen im Alter, Angst vor Verbrechen und möglicher Verlust des Arbeitsplatzes. Rund ein Drittel traut der Bundesregierung und dem Bundestag die Bewältigung dieser Aufgaben nicht zu. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Einschätzung der AfD. Im Westen halten 18, im Osten 28 Prozent der Befragten diese Partei für kompetent, die wichtigsten Probleme zu lösen. Die Demokratie als eine allen anderen vorzuziehende Regierungsform bejahen im Westen 73, im Osten nur 62 Prozent, wo sich 17 Prozent auch eine starke Führungspersönlichkeit vorstellen können, die ohne Rücksicht auf Parlament und Wahlen regiert. Schließlich haben 36 Prozent der Ostdeutschen den Eindruck, das übrige Deutschland würde nicht respektieren, wie sie in ihren Regionen leben. Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen hat der Deutsche Musikrat nun die Initiative „Demokratie sowieso!“ gestartet. Der Verband richtet sich gegen das Erstarken radikaler Kräfte, welche die Freiheit der Kunst angreifen, Verunsicherung schüren, Ausgrenzung propagieren und demokratische Grundwerte infrage stellen. Allerdings gibt es Rechtsruck und steigende AfD-Wahlergebnisse bundesweit, auch in Niedersachsen, wo im September Kommunalwahlen stattfinden. Die DMR-Präsidentin Lydia Grün schreibt: „Demokratie lebt von Vielfalt – und Musik macht sie hör- und erlebbar.“ Das ist richtig. Umgekehrt ist aber auch richtig und vielleicht noch wichtiger: Vielfalt lebt von Demokratie. In Aristokratie und Diktatur geben wenige den Ton an, nach deren Pfeife dann alle tanzen müssen. In freiheitlichen Gesellschaften dürfen dagegen alle diejenige Musik machen und hören, die sie wollen: Gregorianik und Moderne, Oper und Musical, HipHop und Rap, Schlager und Punk, Softpop und Marschmusik, Links- und Rechtsrock, Klassik und Uraufführungen… Genau das fordert die Kampagne: „ein sichtbares Zeichen … für kulturelle Vielfalt, für die Freiheit der Kunst und für eine freie Kultur als Puls unserer offenen Gesellschaft.“
Weitere Uraufführungen
30.08.–18.09.: ARD Musikwettbewerb München in den Kategorien Fagott, Orgel, Streichquartett und Schlagzeug mit neuen Wettbewerbsstücken von Nina Šenk, Enjott Schneider, Johannes X. Schachtner und Camille Pépin
11.09.: Nicolas Berge, Lou Kilger, Clemens K. Thomas, neue Stücke zum Motto „bitter_sweet“ für Ensemble Scope und Elektronik, Kulturkirche Epiphanias Mannheim
13./17./18.09.: Enno Poppe, Neues Werk für Sopran, Kammerorchester und mikrotonales Continuo; Cathy Milliken, why feather yellow für Englischhorn und Orchester; Márton Illés, von mund zu mund für Stimmen, Ensemble und Live-Elektronik, Musikfest Berlin, Philharmonie
17.09.: Camille van Luenen, Ein Sizilianisches Liederbuch auf Gedichte von Joachim Sartorius für Mezzosopran und Violine, Villa Henn, Köln
18.09.: Gordon Kampe, Die Verwandlung, Oper auf ein Libretto von Philipp Löhle nach Franz Kafka, Theater Winterthur
19.09.: Alexander Charim und Ulrich Kreppein, Caligari, Musiktheater nach dem Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“, Globe-Theater Coburg
30.09.: Veit Erdmann-Abele, Grand Duo für Klavierduo Hayashizaki-Hagemann, Wandelhallen Kunstverein Reutlingen
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