Arnold Schönberg: Liebeslied (1917) für Gesang, Streichtrio und Harmonium (Orgel/Akkordeon/Klavier). Zur aufführbaren Fassung ergänzt von Lorenz Trottmann. Partitur. Edition Gravis eg 3256
Noten-Tipp 10/2026
Lorenz Trottmann macht hier mit einem unvollendeten Werk aus Arnold Schönbergs bedeutsamer Übergangsphase zwischen freier Atonalität und Zwölftontechnik bekannt, aus einer Zeit also, aus der nur wenig Abgeschlossenes des Komponisten überliefert ist. Der Herausgeber kann sich dabei auf ein vergleichsweise weit fortgeschrittenes Fragment von 1917 stützen, das 2016 im Rahmen der Gesamtausgabe (in Abteilung VI, Reihe B, Band 23, Teil 2) erschienen ist.
Dieses umfasst die vollständig ausgearbeitete Singstimme und Teile der Instrumentalparts. Trottmann dokumentiert und begründet in seinem umfangreichen Begleittext ausführlich und nachvollziehbar seine Vorgehensweise bei der Ergänzung zu dieser Spielfassung. Sie klingt durchaus authentisch und lebt von der aparten Färbung mit Harmonium, was die Möglichkeiten für eine Programmierung einschränkt, sofern man nicht auf ein Akkordeon oder eine Orgel ausweicht (Klavier wäre wohl nur eine Notlösung).
Die expressive Ausdeutung von Rilkes „Liebes-Lied“ (so die Schreibweise des Dichters) zeigt eindrucksvoll, dass hier eine Vertonung mehr als naheliegt: „[…] Doch alles, was uns anrührt, dich und mich, / nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, / der aus zwei Saiten eine Stimme zieht. / Auf welches Instrument sind wir gespannt? / Und welcher Geiger hat uns in der Hand? / O süßes Lied.“
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