Hamburg - Er ist mit Jazz-Legenden wie Benny Goodman, Chet Baker und Ella Fitzgerald aufgetreten: Herb Geller, der am 2. November seinen 85. Geburtstag feiert, zählt zu den wichtigsten Saxofonisten weltweit. Als der gebürtige Amerikaner 1965 nach Hamburg kam, hieß die NDR-Bigband bald bloß noch «die Band, in der Herb Geller spielt». Fast 30 Jahre lang prägte er das Image und die Qualität des Orchesters des Norddeutschen Rundfunks (NDR).
Geller wurde 1928 in Los Angeles geboren. Nachdem er als 14-Jähriger Benny Carter im Orpheum Theatre in Los Angeles gehört hatte, beschloss er, das Altsaxofon zu erlernen und zu seinem Beruf zu machen. Nur zwei Jahre später bekam er sein erstes professionelles Engagement. Zu dieser Zeit entdeckte er die Musik von Charlie Parker, der neben Benny Carter zu seinem zweiten großen Idol wurde. 1948 reiste Herb zum ersten Mal nach New York. Dort begegnete ihm die Pianistin Lorraine Walsh, die nicht nur seine Ehefrau, sondern gleichzeitig eine wichtige musikalische Partnerin wurde.
1952 zogen die Gellers wieder zurück an die Westküste, wo sie gemeinsam in kleineren Ensembles arbeiteten. 1958 starb Lorraine Geller unerwartet. Während einer Brasilientournee mit dem Benny Goodman Orchester entschied sich Geller, nicht wieder in die USA zurückzukehren. Schließlich landete er in Paris, wo er für den französischen Rundfunk arbeitete. 1962 wurde ihm von der Bigband des SFB in Berlin ein Vertrag angeboten. Er nahm das Engagement an. «Damals tobte der Vietnamkrieg. Ich hatte die Wahl zwischen Richard Nixon und Willy Brandt. Ich habe mich für Willy entschieden, das habe ich nie bedauert», sagte er einmal.
In Berlin begegnete ihm auch seine zweite Ehefrau Christine Rabsch. 1965 zogen sie nach Hamburg, als Herb seinen Vertrag als Lead-Altist der NDR-Bigband unterschrieb. Hier spielte er mit Stars des Jazz wie Bill Evans, Dexter Gordon, Abdullah Ibrahim, Joe Pass und Chet Baker. Neben seiner Arbeit beim NDR war Herb Geller immer auch in anderen Besetzungen aktiv, einschließlich seiner eigenen Projekte und Tourneen. 1976 wurde er als Künstler des Jahres mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Seit 1986 bis zu seiner Pensionierung lehrte Geller als Professor für Saxofon an der Hochschule für Musik in Hamburg.