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Aurel Dawidiuk. © Foto: Nils Ole Peter

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Jugend musiziert – das zentrale Element meiner Jugend

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Der junge Dirigent Aurel Dawidiuk im Gespräch mit Anna Novak
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Die Musikjournalistin Anna Novak hat einen der aufregendsten jungen Musi­ker getroffen, die es in Deutschland ge­rade zu entdecken gibt. Aurel Dawidiuk. Er ist 25 Jahre alt, er ist Dirigent. Er ist seit der vergangenen Saison fester Gast­dirigent am Concertgebouw in Amster­dam. 2026 wird er Generalmusikdirek­tor der Bochumer Sinfoniker. Mit seiner Art Musik zu machen, bezaubert er die Menschen im Publikum, genauso wie die Menschen, die im Orchester sitzen. Im Sommer 2026 ist er als Dirigent mit dem Bundesjugendorchester zu erleben – in sieben Konzerten in den Niederlan­den, in Deutschland und in Georgien. Er war sieben Mal Bundespreisträger Jugend musiziert und erzählt, warum er jedes Jahr mitgemacht hat und was das für seine wirklich bemerkenswerte Karriere bedeutet hat. 

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Anna Novak: Dein Weg war nicht un­bedingt vorgezeichnet. Du kommst aus einer Familie, in der die Eltern keine Berufsmusiker sind. Wann war denn für dich der Moment, in dem du ge­merkt hast, Ja, irgendwas ist aber in mir. Ich muss das machen mit der Mu­sik. 

Aurel Dawidiuk: Das war recht früh. Meine Eltern waren keine Musiker, aber durchaus sehr musikbegeistert. Und wir waren fast jede Woche, seit ich 6 Jahre alt war, entweder im Opern­haus in Hannover oder bei der NDR Radiophilharmonie. Der Moment, nach dem ich dachte, wow, ich möchte ei­gentlich auch mal Musik machen und vor allem dirigieren, das war mit 6, als wir in der Zauberflöte waren. Wir sa­ßen in der 1. Reihe und ich saß direkt hinter dem Dirigenten. Ich war über­haupt das erste Mal in der Oper. Ich vergesse das bis heute nicht, wie das auf mich gewirkt hat. 

Novak: Du hast ganz früh auch an Wettbewerben teilgenommen. Jugend musiziert war ein Thema für Dich. Sieben Mal erster Bundespreis. Also warst Du quasi jedes Jahr dabei… 

Dawidiuk: Das fing an, als ich eh noch gar nicht zum Bundeswettbewerb zu­gelassen war, weil ich zu jung war. Ich habe mit Geige angefangen. In einem Streichtrio haben wir uns jede Woche getroffen und die 2 Stücke geübt, die 15 Minuten Musik. Mit der Zeit ging es immer weiter bis zum Bundeswettbe­werb. Das erste Mal – 2013 war das – das werde ich nie vergessen, dort zu sein und plötzlich die ganzen anderen Gleichaltrigen und auch etwas Älteren zu sehen, die man vielleicht auch ir­gendwo gehört hat und kennt und die auch Vorbilder waren in gewisser Hin­sicht. Alle mal auf einem Haufen zu ha­ben für ein paar Tage. Das war so eine Initialzündung, dass ich dann gesagt habe: ‚So, jetzt jedes Jahr.‘ Und dass das dann auch mit Preisen zusammen­hängt, war ein wunderschöner Nebe­neffekt und hat auch viele Türen ge­öffnet. Mit Stiftungen, mit Konzert­möglichkeiten, mit Einladungen, Wei­terempfehlungen. Deshalb ist Jugend musiziert ganz sicher das zentrale Ele­ment in meiner musikalischen Jugend gewesen. 

Novak: Für Dich ging es mit dem Deut­schen Musikrat auch noch ein bisschen weiter. Der Deutsche Musikrat unter­stützt junge Musiker ja auf dem Weg in ganz unterschiedlichen Bereichen und es gibt dieses wunderbare Forum Dirigieren. 

Dawidiuk: 2021 habe ich mich fürs Fo­rum beworben, weil das irgendwie klar ist für alle, die in Deutschland Dirigie­ren studieren. Das ist die erste Adresse. Da möchte man hin, weil es so schön heißt, ‚Förderung des dirigentischen Spitzennachwuchses‘ und da möchte man dazugehören. Wenn man dann ein­mal geschafft hat reinzukommen, ist man Teil dieser Familie und des Ver­bundes der Dirigenten. Was so wichtig ist, weil, wir kennen das ja im Orchester, jeder hat seine Instrumentengrup­pe. Es gibt die Holzbläser, Blechbläser, Percussion und Streicher. Und der Di­rigent ist immer alleine. Und beim Fo­rum Dirigieren ist man plötzlich in ei­ner Gruppe, ist mit 20, 30 anderen jun­gen Dirigentinnen und Dirigenten. Und man trifft sich auf Meisterkursen, auf speziellen Seminaren, wo es ums Diri­gieren geht, um Führung geht, um viele andere Dinge, die vielleicht außermu­sikalisch sind, aber auch dazugehören. So wird man über die Jahre begleitet, auf dem Weg vom jungen Dirigenten noch im Studium stehend am Anfang der Karriere bis hin zur festen Positi­on, und es kann dann eine Art Sprung­brett darstellen und das ist fantastisch. 

Novak: 2022 hast Du auch den Deut­schen Musikwettbewerb gewonnen, und zwar als erster Organist seit über 20 Jahren. 

Dawidiuk: Ja und das Lustige war auch noch, dass der Preisträger, der eben vor 20 Jahren gewonnen hatte, Christian Schmitt, in der Jury war. Er durf­te also mitbestimmen, wer der Nächste ist, sein Nachfolger gewissermaßen. 

Novak: Mit einem ganz besonderen Klangkörper wirst Du 2026 arbeiten, mit dem Bundesjugendorchester. 

Dawidiuk: Ich bin ein großer Bewun­derer dieses Orchesters. Ich freue mich auf alles bei diesem Projekt: auf die Proben, die Konzerte, die Busfahrten zwischendurch und auf einfach ganz normale Gespräche. Alterstechnisch bin ich ja nicht so weit entfernt von den BJOlern. 

Das ausführliche Interview ist als Podcast des Deutschen Musikrats zu hö­ren: https://www.musikrat.de/media/ podcast 

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