Hauptbild
JuMu Deutsche Schule Helsinki. © Foto: Dirk Schuessler

JuMu Deutsche Schule Helsinki. © Foto: Dirk Schuessler

Banner Full-Size

Jugend musiziert – ein bisschen anders

Untertitel
30 Jahre Jugend musiziert an der Deutschen Schule Helsinki
Vorspann / Teaser

Was an vielerlei Orten in Deutschland, die einen Regionalwettbewerb Jugend musiziert ausrichten, noch heute die gängige Durchführungsform ist, hat vor dreißig Jahren an der Deutschen Schule in Helsinki auch so angefangen: In der Aula der Schule spielen musika­lische Jugendliche vor einer Jury ihr Vorspielprogramm gemäß der Aus­schreibung, im Publikum sitzen vorwie­gend Eltern und Instrumentallehrer. Wenn man heutzutage im Januar die Deutsche Schule Helsinki zur Jumu-Zeit besucht, begegnet man einem großen Musikevent, das eine Woche während der Schulzeit die gesamte Schulgemein­schaft vereinnahmt.

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Oftmals liegt die Organisation und Durchführung des Wettbewerbs in Deutschland nur in den Hän­den von wenigen ehrenamt­lichen, zumeist älteren Musikenthusi­asten, in Helsinki ist es ein Projekt der gesamten Schule und liegt vorwiegend in den Händen der Schüler selbst. In der großen Turnhalle wird zunächst ei­ne sehr große Bühne installiert. Schü­ler planen dafür den Bühnenaufbau, Beleuchtung und Dekoration, unter­stützt von ehemaligen Schülern, die mittlerweile Veranstaltungstechniker sind. Neben der professionellen Jury, überwiegend 20- bis 30-jährige Berufs­musiker und ehemalige Schüler mit „Jumu-Erfahrung“, wird eine Schüler­jury gebildet, die im Wettbewerb eigen­ständig Punkte und die begehrten Son­derpreise vergibt. Schon Wochen vor dem Wettbewerb werden im Kunstun­terricht Dekorationen hergestellt, wer­den T-Shirts für Staff und Teilnehmende entworfen. Ein Organisationsteam von rund 40 Jugendlichen der Oberstufe kümmert sich um die Wettbewerbsvor­bereitung und wird selbständig in Ei­genregie für einen möglichst reibungs­losen Ablauf sorgen. Zeitgleich beschäf­tigen sich andere Jugendliche mit ihren Moderationen für die Vorstellung der Teilnehmer. Besonders begehrt sind die wenigen Plätze für die Videocrew, die die Konzerte live streamt. 

Heute nehmen etwa 130 bis 150 Ju­gendliche der Deutschen Schule Helsin­ki am Regionalwettbewerb teil, bei 650 Schülern ist das fast jeder vierte Schü­ler der Schule. Schon vor 20 Jahren wurden Sonderkategorien wie „Kinder musizieren“ für die jüngsten Neuein­steiger oder Pop-Kategorien mit Band­begleitung eingeführt, die den Wettbe­werb attraktiver und breitenwirksamer machen. 

Bild
JuMu Deutsche Schule Helsinki. © Foto: Dirk Schuessler

JuMu Deutsche Schule Helsinki. © Foto: Dirk Schuessler

Text

„Der 30. Wettbewerb unterscheidet sich, abgesehen von den drei Jubilä­umskonzerten, nicht sonderlich von unseren üblichen Regionalwettbewer­ben“, sagt Robert Bär, der Regional­ausschussvorsitzende. „An vier Ta­gen finden die Wertungen statt, bei de­nen stets der gesamte Konzertsaal mit Schülern, Lehrern und Eltern voll be­setzt ist und wofür eine vorherige An­meldung notwendig ist. Zwischen den Wertungsbeiträgen werden Videos von vergangenen Festkonzerten gezeigt oder manchmal auch Sonderbeiträ­ge, wie etwa eine ‚Jumu-Modenschau‘, vorgeführt. Jeder Beitrag von den Teil­nehmern, egal, ob mit Blockflöte der Altersgruppe 1 oder eine bereits nati­onal bekannte junge Musikerpersön­lichkeit, wird gleichermaßen vom Pu­blikum mit großem Applaus bedacht.“ 

Die Eröffnung des 30. Wettbewerbs mit drei Jubiläumskonzerten sorgt dann aber doch für Überraschungen. Zum Auftakt spielt ein Orchester mit „Jumu- Teilnehmern“ aus drei Jahrzehnten: der jüngste ist sieben Jahre alt, der älteste fast 50. Danach präsentieren sich Be­rufsmusiker, deren musikalische Lauf­bahn mit Jugend musiziert in Helsinki begann. Dazwischen werden Grußvi­deos von namhaften Musikern aus der ganzen Welt eingeblendet, alles Ehe­malige dieser Schule. Einer von ihnen ist Dani Juris, heutiger Chordirigent an der Berliner Staatsoper, welcher bereits 1997 am Wettbewerb teilnahm. Im Vi­deo spricht er von bleibenden festen Freundschaften, die durch die Wettbe­werbe für ihn ebenso wichtig wurden wie musikalische Erfolge. 

 

Bild
Robert Bär. © Foto: Dirk Schuessler

Robert Bär. © Foto: Dirk Schuessler

Text

Am Ende des Wettbewerbs präsentie­ren sich die Preisträger des diesjäh­rigen Regionalwettbewerbs, wie ge­wohnt in drei Festkonzerten am „Tag der offenen Tür“. Sie haben beson­deren Grund zur Freude. Die „Preis­träger mit Weiterleitung“ fahren im März nach Genf zum Landeswett­bewerb, wo sie auf Teilnehmer der Deutschen Schulen aus Oslo, Stock­holm, Dublin, London, Warschau, Ko­penhagen, Moskau, St. Petersburg, Prag, Budapest, Paris, Genf und so­gar aus Doha treffen. „Im Wesent­lichen ist der Ablauf dieses Landes­wettbewerbs mit dem Wettbewerb in Helsinki vergleichbar“, sagt Robert Bär. „Auch hier spielen die Jugend­lichen für eine Woche die Hauptrol­le und sind vorwiegend die aktiven Mitgestalter. Wir erwarten rund 150 Jugendliche, die sich für den Landes­wettbewerb qualifizierten.“ 

So hat sich Jugend musiziert an der Deutschen Schule Helsinki als ein im­mer wiederkehrendes Großevent ent­wickelt. Jugend musiziert hat die Vo­raussetzung zur Gründung einer ei­genen Musikschule geschaffen, im Musikunterricht der Grundschule ist Orchesterspiel im Lehrplan, Bands und Chor gehören zu beliebten Nach­mittagsaktivitäten der Schule. Alles in allem – eine Erfolgsgeschichte.

Ort
Print-Rubriken