In wenigen Wochen startet der Bundeswettbewerb Jugend musiziert in München und Regensburg. Wir nehmen das zum Anlass, die Veranstaltungen im Rahmen des Wettbewerbs aufzuführen und die neue Projektleiterin Katharina Schrade etwas näher vorzustellen.
Die Projektleiter:innen der Jugendprojekte in Trägerschaft des Deutschen Musikrats. Von links: Katharina Schrade, Projektleitung Jugend musiziert, Henning Vetter, Projektleitung Bundesjazzorchester und Jugend jazzt, Dr. Caroline Wiese, Projektleitung Bundesjugendchor und Sönke Lentz, Orchesterdirektor Bundesjugendorchester. Foto: © Tom Schweers
Wettbewerb – Austausch und Begegnung
neue musikzeitung: Katharina Schrade, Sie haben zum 1. November 2025 die Projektleitung von Jugend musiziert übernommen. Hatten Sie früher schon Berührungspunkte mit Jugend musiziert oder auch mit dem Deutschen Musikrat? Was waren bisher ihre Schwerpunkte in Ihrem Arbeitsleben? Und worauf möchten Sie den Blick bei Jugend musiziert besonders richten?
Katharina Schrade: Ich bin in der Musikstadt Leipzig geboren und aufgewachsen, habe mit fünf Jahren Geigen-, mit 15 Klavier- und mit 16 Jahren Gesangsunterricht erhalten. Als Schülerin der Thomasschule war ich zudem sehr nah an dem Bach-Kosmos des Thomanerchors Leipzig. Das Universum von Bachs Musik hat meine Jugend – und somit auch mich – tief geprägt.
Motivierend, antreibend
Jugend musiziert spielte natürlich ab einem gewissen Alter einfach eine Rolle, zunächst aus beobachtender und ehrfürchtiger Perspektive, später dann im Fach Gesang als aktiv Teilnehmende. Ich empfand das von beiden Punkten aus immer als motivierend, antreibend, inspirierend: was können andere leisten, was trauen sich andere, was kann ich leisten, wo liegen meine Grenzen, wo muss ich mich überwinden, welche Stücke gibt es und was ist einfach wunderschön, wenn man es endlich einmal vor Publikum singen und zeigen darf!
Den Gesang habe ich nach entsprechendem Studium auch viele Jahre lang freiberuflich ausgeübt, bis ich dann 2018 ins Kulturmanagement gewechselt bin, in Berlin am Pierre Boulez Saal, der Komischen und der Deutschen Oper Berlin, den Salzburger Festspielen und dem Young Euro Classic Festival wichtige und prägende Erfahrungen sammeln und viele bleibende Kontakte gewinnen konnte. Ein kurzer Einblick in die Arbeit der Kulturverwaltung und Kulturpolitik war mir durch meine Tätigkeit für die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin möglich.
Für die Sache brennen
nmz: Der Bundeswettbewerb steht jetzt direkt vor der Tür. Sie hatten nur wenige Monate, um den Wettbewerb vorzubereiten. Wie haben Sie es geschafft, in dieser kurzen Zeit den Wettbewerb zu organisieren, der in diesem Jahr ja aufgeteilt auf die beiden Städte München und Regensburg stattfindet?
Schrade: Wir haben das Glück, es mit dem Freistaat Bayern (hier das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) und den beiden gastgebenden Städten München und Regensburg mit drei jeweils sehr engagierten und für die Sache brennenden Kooperationspartner:innen zu tun zu haben. Gemeinsam und dank ihrer Unterstützung können wir einen wirklich spannenden Bundeswettbewerb auf die Beine stellen. Stellvertretend möchte ich Martin Breuer (StMWK), Heike Lies und Bettina von Bechtolsheim (Kulturreferat München) sowie Maria Lang (Leitung Kulturamt Regensburg) und Ralf Müller (Leitung Sing- und Musikschule Regensburg) danken, mit denen wir in regelmäßigen Terminen gemeinsam die Planungen vorangetrieben haben.
Wir waren natürlich auch im Projektbüro sehr fleißig, um die für alle neue Situation eines Bundeswettbewerbs in zwei aufeinanderfolgenden Städten zu organisieren. Das war vor allem dank des erfahrenen Teams der Mitarbeitenden in Bonn zu schaffen, das diese Herkulesaufgabe mit Tatkraft und Energie gemeistert und bereits viele Bundeswettbewerbe erfolgreich durchgeführt hat.
nmz: Wie viele Wertungsspiele werden in München und Regensburg zu hören sein und was erwartet die Teilnehmenden und die Bevölkerung der Städte beim BW Jumu?
Die Gambistin Clara Kamila Müller ist beim Konzert Jumu Beyond Borders am 29. Mai dabei. Foto: © Oliver Borchert
Schrade: Vor allem erwarten uns – und damit lade ich insbesondere auch ganz herzlich die Menschen vor Ort in München und Regensburg zum Besuch des Bundeswettbewerbs ein! – die kostenlos zugänglichen Wertungsspiele, kleine Kurzkonzerte sozusagen. Egal, ob man viele verschiedene Instrumente, Formationen oder Stile hören oder sich voll und ganz auf nur eine Wertungskategorie konzentrieren will: Es ist so spannend, all den jungen, talentierten Musiker:innen zuzuhören, neue Stücke und neue Interpretationen zu hören und zu spüren, welche Leistung und welche Arbeit hinter einem solchen Wertungsspiel für jede:n Teilnehmende:n steckt. 1.858 Musiker:innen haben sich für den diesjährigen Bundeswettbewerb Jugend musiziert qualifiziert – einige von ihnen sogar in mehreren Kategorien. In insgesamt 947 Wertungsspielen sind sie zu hören. Durch die Teilnehmer:innen von den Deutschen Schulen im Ausland – in diesem Jahr sind es 75 – werden Jugendliche aus insgesamt 17 Nationen zum Bundeswettbewerb kommen.
Darüber hinaus bieten wir speziell für die Teilnehmenden in beiden Städten wieder unsere begleitenden Workshops an – aktuell mit einem starken Fokus auf mentaler und physischer Gesundheit. Mit diesem Fokus folgen wir den Ergebnissen einer Umfrage, die wir über den Jahreswechsel bei Teilnehmenden des Bundeswettbewerbs der vergangenen Jahre durchgeführt haben. Bei dieser Umfrage hat uns interessiert, was für die Teilnehmenden in einem Rahmenprogramm wichtig ist. Der hohe Bedarf an Formaten zu mentaler Gesundheit und Umgang mit physischer Belastung deckt sich mit einigen Ergebnissen der neuesten Jugendstudie 2026. Umso wichtiger sind in diesem Kontext Zielpunkte wie Jugend musiziert, die motivieren und herausfordern!
Hochkarätige Konzerte
nmz: Sie haben gerade ausgeführt, dass die Münchner und Regensburger Bevölkerung an diesem Wettbewerb teilnehmen kann, indem sie die vielen hochkarätigen Kurzkonzerte besucht. Darüber hinaus gibt es noch weitere Veranstaltungen, bei denen Musik erlebt werden kann.
Schrade: Auf das feierliche Eröffnungskonzert des 63. Bundeswettbewerbs Jugend musiziert am 22. Mai 2026 im Herkulessaal der Münchner Residenz, das in enger Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesjugendorchester stattfindet, bin ich schon sehr gespannt. Unter Beisein von Staatsminister Markus Blume, Bundesfamilienministerin Karin Prien und der Präsidentin des Deutschen Musikrats, Prof. Lydia Grün, musiziert das Aushängeschild der musikalischen Jugend Bayerns. Einige Orchestermitglieder nehmen übrigens in den Folgetagen am Bundeswettbewerb teil. Insbesondere Andreas Burger, dem Geschäftsführer des Landesausschuss Bayern Jugend musiziert e. V., und seinem Engagement ist es zu verdanken, dass dieses Konzert so stattfinden kann.
Die insgesamt drei Preisträger:innenkonzerte, in denen wir ausgewählte und frisch gekürte Preisträger:innen des aktuellen Bundeswettbewerbs vorstellen, finden in München und Regensburg statt. Wir sind mit diesen Konzerten von exzellenten Nachwuchstalenten an ganz unterschiedlichen Orten zu Gast: im Konzertsaal der Münchner Musikhochschule, im Leo17 in München und im Vielberth-Gebäude der Universität Regensburg.
Darüber hinaus gibt es weitere Konzerte, die das eigentliche Wettbewerbsgeschehen ganz wunderbar ergänzen. So veranstaltet das Kulturreferat der Landeshauptstadt München in Kooperation mit scope und schwere reiter am 24. Mai das Konzert Double Drums & Renner - Jumu goes Freie Szene in der Spielstätte schwere reiter. Ein Auswahlensemble aus ehemaligen und aktuellen Mitgliedern von JU[MB]LE – dem Jugendensemble für Neue Musik Bayern –, möchte in seinem Konzert neugierig machen, die oft noch unbekannten Pfade neuer und neuester Musik zu erkunden. Dieses Konzert veranstaltet der Tonkünstler München e.V. im Einstein am 21. Mai.
In Regensburg freuen wir uns auf das Jumu Beyond Borders Konzert am 29. Mai im Neuhaussaal des Theaters Regensburg, das regional begrenzte Wertungskategorien präsentiert. So viel darf ich schon verraten: neben Tabla und Kanun wird auch die Viola da Gamba zu hören sein und, wenn alles klappt, werden wir auch junge Singer- Songwriter hören können.
Direkt im Anschluss an dieses Konzert startet eine Jam Session im Kulturzentrum Leerer Beutel, die von dem Ensemble „JazzO Quintett“ eröffnet wird, das übrigens aus ehemaligen Mitgliedern des Bundesjazzorchesters besteht. Danach ist die Bühne frei für alle, die Lust haben und sich mit Mut ins Improvisieren stürzen wollen.
In Regensburg laden wir außerdem ganz herzlich zur Open Stage im wunderschönen Thon-Dittmer-Hof mitten in der mittelalterlichen Altstadt ein. Die Bühne gehört hier den Teilnehmenden, die spontan ihr Wettbewerbsprogramm nochmal oder vorab aufführen oder sich einfach in spontanen Formationen ausprobieren möchten. Ein paar Programmpunkte stehen für die vom 28. bis 30. Mai geöffnete Open Stage schon fest, und wir laden alle Regensburger:innen schon mal zum Auftakt am 28. Mai um 13 Uhr ein – hier können alle mitmachen und mitsingen.
nmz: Auch für die Teilnehmenden gibt es ja neben den Konzerten weitere Möglichkeiten, sich zu vernetzen und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu begegnen oder gemeinsam zu musizieren. Was haben Sie für München und Regensburg geplant?
Schrade: Viele der Formate eignen sich genau dafür! Allem voran stellt das Wettbewerbsgeschehen natürlich eine Möglichkeit dar, anderen zu begegnen und sich auszutauschen. Wir wollen das aber noch weiter unterstützen und fördern. Dafür stellen die bereits genannten Workshops eine Gelegenheit dar, aber auch gemeinsames Musizieren wie der Blattspielabend in München oder die Jam Session in Regensburg. Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München ermöglicht zudem genau aus diesem Grund Teilnehmenden den Besuch einer Generalprobe der Münchner Philharmoniker, inklusive Begegnung und Austausch mit Mitgliedern des Orchesters im Anschluss an die Generalprobe.
Info-Points
Für die Infopoints – in München im Kulturzentrum im Trafo, in Regensburg im M26 – haben wir uns auch einiges überlegt. Ich freue mich sehr, dass Alexander Luttmann im M26 einen Kreativraum betreuen wird, der mich bereits beim Landeswettbewerb Schleswig- Holstein in Lübeck begeistert hat. Ich kann nur allen raten, vorbeizukommen und auch mal ganz „unmusikalisch“ gestalterisch aktiv zu werden!
In Regensburg arbeiten wir mit der nmz im Rahmen eines Social Media- Workshops zusammen: Jugend musiziert-Teilnehmer:innen können hier ihre Videos, ihren Content, den sie während des Wettbewerbs erstellt haben oder erstellen möchten, mit dem Social Media-Redakteur der nmz besprechen, sich Tipps holen und diese Videos und Fotos später auf den Social Media-Kanälen der nmz und des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert veröffentlichen. Ich freue mich sehr über dieses Projekt, denn der Umgang mit Social Media gehört für junge Nachwuchsmusiker:innen zum Alltag und muss trotzdem überlegt angegangen werden. Mit diesem Workshop wollen wir da einen ersten Aufschlag machen, und die jungen Musiker:innen bei Fragestellungen zu Content, Timing und so weiter unterstützen.
nmz: In diesem Jahr finden die Wertungsspiele in den Austragungsorten des Bundeswettbewerbs nicht parallel statt, wie in der Vergangenheit, sondern nacheinander. Das bedeutet, dass sie von München dann mit dem gesamten Team nach Regensburg umziehen werden. Eine neue Herausforderung in der Wettbewerbsgeschichte.
Schrade: Ja, an diesem Nadelöhr planen wir schon lange. Wir enden am 26. Mai in München und starten am 27. Mai bereits mit einigen Wertungsspielen in Regensburg. Deshalb werden wir versetzt „umziehen“. Ein Teil des Teams reist noch während des laufenden Wettbewerbs in München nach Regensburg, um dort alles vorzubereiten, während der andere Teil den Wettbewerbsabschnitt in München abschließt. In beiden Städten sind wir auf viele unterschiedliche Wertungshäuser verteilt, in Konzertsälen und in Schulen, das bringt immer jeweils unterschiedliche Herausforderungen bei Start und Abschluss mit sich.
Den festlichen Abschluss des diesjährigen Bundeswettbewerbs bildet das Preisträger:innenkonzert am 31. Mai 2026, um 11.00 Uhr, im Vielberth-Gebäude der Universität Regensburg. Wir freuen uns sehr, dass dieses Konzert von unserem Medienpartner BR Klassik mitgeschnitten und am 31. Mai gesendet wird – hören Sie unbedingt rein und schenken Sie dem musikalischen Nachwuchs Ihr Ohr!
- Share by mail
Share on