Im Sommer dreht sich für gewöhnlich die Bayreuther Kulturszene hauptsächlich um die Opern Richard Wagners. Neben den Aufführungen im Festspielhaus kann Freund und Feind seiner Werke allerlei Rahmenprogramm erleben: thematisch angegliederte Zusatzkonzerte, Theateraufführungen, Buchpräsentationen, Ausstellungen oder Vorträge. Gerade im Festspieljubiläumsjahr 2026 gab es diesbezüglich ein reiches Angebot. Während auf dem grünen Hügel die KI-generierte Bühnenversion von Wagners Mammutwerk „Der Ring der Nibelungen“ ziemlich einvernehmlich durchfiel, stieß ein anderes Mammutwerk in kleinerem Aufführungsformat innerhalb der Bayreuther Kulturszene auf großen Beifall.
Mammutwerke in Bayreuth
Es handelte sich dabei um Moritz Eggerts „Hämmerklavier“-Zyklus, eine Folge von mittlerweile 34 Klavierstücken, an welchen der Münchner Komponist und Pianist seit mehr als 20 Jahren arbeitet. Schon seit Langem ist Eggert mit der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne verbunden, und so war es nur folgerichtig, dass er das zuletzt entstandene Werk dieser Reihe am 21. August 2026 im dortigen Kammermusiksaal uraufführte. Für die Zuhörer eröffnete sich eine zweistündige Hörreise durch unerwartete akustische Gefilde.
Zunächst präsentierte Eggert sein „Hämmerklavier XXXIII: Ultra (1. Segment)“ und nach der Pause „Hämmerklavier XXXIV: Ultra (2. Segment. „Murakami“)“. Der erste Programmteil lebte vom Abspüren sämtlicher Regionen des Klaviers bis hin zum Einbezug des rechten Fußes, der sich in hohe Tastenbereiche einfügte, um die musikalische Intention des Komponisten zu verwirklichen. Dies war keine artistische Vorführung, sondern musikalisch so eingearbeitet, dass eine akustische Steigerung ganz folgerichtig die motivischen Klangebenen beider Hände erweiterte. Spannend in diesem Hämmerklavier-Teil war insbesondere, wie der Komponist die Übergänge akustischer Klangfelder gestaltete. Hier zeigte sich das Stück voller Überraschungen mit originellen Lösungen in den Wechseln der aneinandergefügten Formteile. Stets motorisch pulsierend, verwendete Eggert minimalistisch ausgearbeitete Teile, die in ihrer Aneinanderreihung wiederum expressive, mitreißende Entwicklungen aufzeigten.
Der an diesem Abend uraufgeführte Ultra-Teil XXXIV des großangelegten Zyklus, welcher nach der Pause erklang, lebte von einer anderen Geste. Wiederholungen größerer Abschnitte bestimmten den einstündigen Verlauf. Dabei fügten sich hier kleinere Partikel, welche Simplizität suggerierten, aber in sich doch einem komplexen kompositorischen Aufbau folgten, repetitiv aneinander, um sich zu größeren formalen Abschnitten zu entwickeln. Dass eine schlichte, durch Pfeifen des Interpreten erzeugte Melodie, sich ganz stimmig in den musikalischen Kontext einfügte, war eine der zahlreichen Überraschungen innerhalb dieser Komposition. Zusätzliche Klopfgeräusche am Instrument ergänzten diese abwechslungsreiche Klangwelt und machte auch den neuen Hämmerklavier-Teil zu einem echten Hörerlebnis. Der wunderbare Steingraeber-Flügel war das ideale Instrument für die Umsetzung von Moritz Eggerts Klangvisionen. Lang anhaltender Beifall dürfte dem Komponisten Mut machen für die Komposition des nächsten Teils dieses musikhistorisch sicher einmaligen Werkkomplexes. Vielleicht überragt dieser, zumindest zeitlich, am Ende sogar Wagners Mammutwerk? – Man darf gespannt sein.
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