Hauptbild
© Foto: Brigitte Janoschka

Freuen sich über den überwältigenden Applaus nach einem ganz besonderen Konzert: (von rechts): Walther Prokop, Xaver Eckert, Ratko Pavlović, Alice Guinet, Eva Schieferstein, Rebekka Höpfner, Constanze German-Bauer, Maria Bittel, Yume Hanusch, Sieglinde Zehetbauer, Johann Niedermeier und Sebastian Krause. © Foto: Brigitte Janoschka

Banner Full-Size

Spurensuche nach Komponisten und Komponistinnen

Untertitel
„Zu gut, um nicht gespielt zu werden“. Der Tonkünstlerverband malt ein musikalisches Bild des Landes
Vorspann / Teaser

In einem abwechslungsreichen Konzert im Vereinshaus in Traunstein und einen Tag später in Rosenheim im Hans Fischer Saal im Künstlerhof präsentierten sich zwölf Musikerinnen und Musiker des Tonkünstlerverbands Südostbayern mit Werken von Komponisten und Komponistinnen aus Bayern. Unter dem Motto „Auf Spurensuche“ waren in einem Gemeinschaftswerk des TKV berührende und überraschende Werke von Bayern vom 18. Jahrhundert bis heute zu hören. Ob gebürtig, ausgewandert, wahlbeheimatet oder vorübergehend ansässig, malten sie ein Bild des musikalischen Bayern.

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Ermöglicht wurde dieses Projekt dank des Förderprogramms „Tonkünstler Live Spezial“ des TKV Bayern e.V. Gewidmet wurde das Konzert dem Komponisten Roland Leistner-Mayer anlässlich seines 80. Geburtstags.

Nach der Begrüßung und dem Dank durch die erste Vorsitzende des TKV Südostbayern, Alice Guinet, führte der Komponist Walther Prokop informativ und unterhaltsam durch das Programm. Eine Klaviertranskription auf eine Melodie aus Christoph Willibald Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“ stellte den Oberpfälzer Komponisten vor, dessen Opern in Paris Furore machten. Die Pianistin Yume Hanusch ließ mit „Allegro molto“ aus den Klavierstücken op. 3 von Richard Strauss noch einen anderen bekannten Komponisten aus Bayern erklingen, bevor Sieglinde Zehetbauer bei dessen Lied „Das Alphorn“ von Sebastian Krause auf dem Horn und Yume Hanusch am Klavier begleitet wurde. Auch in den beiden Liedern „Waldvöglein“ und „Herbst“ von Franz Lachner versenkte sich die Sopranistin mit dem Horn und dem Klavier ganz in die musikalisch-dichterische Aussage.

Von Josephine Caroline Lang bot Rebekka Höpfner am Klavier „Lied ohne Worte“ und „Mazurka“ dar – ganz eins mit der Musik – und entriss diese Komponistin, die zu Lebzeiten in einer Liga mit Clara Schumann und Fanny Mendelssohn spielte, mit einer eindrucksvollen Interpretation der Vergessenheit. Auf der Violine glänzten Constanze German-Bauer und Maria Bittel am Klavier bei einem virtuosen „Allegro“ voller Verve und einem ausdrucksstarken „Andante con moto“ aus der Sonate von Dora Pejačevič, die zwar in Ungarn geboren ist, aber in München starb. Sogar die seltene Mandoline war in diesem Konzert zu hören: Natalia Marashova holte das Instrument mit dem Werk „Relationen“ von Herbert Baumann mit energetischen Rhythmen und melodischen Linien an die Oberfläche des berührenden Musikgeschehens. Der Niederländer Jan Koetsier wirkte und starb in München; Blechbläsern ist er sicherlich durch die Jan Koetsier-Stiftung und ihren Wettbewerb bekannt. Aus seiner Sonate für Horn und Harfe spielte das „Duo harfe.horn“, Johann Niedermeier und Sebastian Krause sehr virtuos – einfühlsam im Horn und die Harfe professionell versiert.

Roland Leistner-Mayers Suite für Flöte und Klavier op. 62 aus dem Jahr 1990 ließen Alice Guinet und Eva Schieferstein brillant aufleben. Die Sätze boten den beiden Musikerinnen die Möglichkeit, verschiedene Stimmungen auszustrahlen – sowohl Emotionsschwankungen mit heftigsten Ausbrüchen, als auch Zartes. Man glaubte, im Scherzo bei den Trillern ein Lachen zu hören oder das Läuten von Kirchenglocken am Anfang des dritten Satzes. Abgeschlossen wurde das Konzert mit einer Uraufführung von Patrick Pföß. „NUN“ – großgeschrieben – nennt der Komponist sein Stück für Hackbrett und Akkordeon. NUN ist in der altägyptischen Mythologie die Gottheit des Urwassers, aus dem alles entstand. Patrick Pföß transformierte diese tiefsinnigen Gedanken in Töne und Klänge. Das Stück sei ein höchst außergewöhnlicher Höhepunkt, so Prokop, der inhaltlich einen Bogen zu Glucks mythologischer Oper am Anfang schlug. Xaver Eckert am Hackbrett und Ratko Pavlović überzeugten und zeigten: Diese Musikstudenten sind bereits in der höchsten Liga und haben die Intention des Komponisten verstanden. Was ein Kritiker über die Werke von Roland Leistner-Mayer sagte, kann hier getrost auf alle Komponisten – sowie auf die Musikerinnen und Musiker – übertragen werden: „Zu gut, um nicht gespielt zu werden – zu gut, um nicht wiederholt zu werden“.

Print-Rubriken
Unterrubrik