Seit dem 1. Januar 2025 ist die Musikschule ILE Donauschleife in Osterhofen Mitglied im Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. (VBSM). Ein wichtiger Schritt für eine noch junge Einrichtung, die sich in kurzer Zeit fest in der regionalen Bildungs- und Kulturlandschaft verankert hat. Im Gespräch blickt Musikschulleiter Oliver Gotzler auf die Entstehung der Musikschule, den Weg in den Verband und auf Visionen für die kommenden Jahre.
Die Initiatoren der Musikschulgründung: v.l.n.r. ehem. 1. Bürgermeisterin Liane Sedlmeier, Schulleiter Oliver Gotzler und
der ehem. Geschäftsleiter der Stadt Osterhofen Josef Feuerecker, Quelle: Osterhofener Zeitung/PNP
Gemeinschaft, Inklusion, Vernetzung
Der Wunsch, Teil des VBSM zu werden, war von Beginn an da. „Wir wollten von Anfang an in den VBSM“, so Gotzler. Aus einem Musikstudio mit freischaffendem Unterricht entwickelte sich schrittweise eine kommunale Musikschule mit klarer Perspektive. Die formalen Anforderungen an eine Verbandsmitgliedschaft waren bekannt, zunächst jedoch herausfordernd. Gemeinsam mit der ehemaligen Geschäftsstellenleitung des VBSM wurde eine Übergangszeit vereinbart, die schließlich in der offiziellen Gründung zum 1. Januar 2025 mündete. Besonders positiv hebt Gotzler die Unterstützung durch die VBSM-Geschäftsstelle hervor: „Immer schnell, zuverlässig und mit allen Informationen, die man gebraucht hat.“ Der Gründungsprozess selbst war geprägt von Bewegung und Veränderungen: Wechsel in der Stadtspitze, personelle Umbrüche in der Verwaltung und politische Veränderungen verlangten Flexibilität und Überzeugungsarbeit. Gotzler erläuterte gegenüber Kommune und Gremien immer wieder den Stellenwert musikalischer Bildung, die Grundlagen der Sing- und Musikschulverordnung und die Rolle des VBSM. Der enge Austausch zahlte sich aus: Heute beschreibt er die Zusammenarbeit mit Bürgermeister und Geschäftsleitung als durchweg positiv. Bereits im dritten Schuljahr angekommen, ist die Musikschule fest im Stadtleben etabliert.
Konkrete Impulse brachte die VBSM-Mitgliedschaft vor allem in den Bereichen Organisation, Qualitätssicherung und Vernetzung. Hilfestellungen wie die Fortbildung zum Berichtsbogen erleichtern nicht nur die Verwaltungsarbeit, sondern schaffen auch Transparenz und statistische Grundlagen für die Musikschule und ihren Träger. Besonders wertvoll ist für Gotzler das Netzwerk des Verbands: Fachberatungen, Fachtage und Fortbildungen und nicht zuletzt der Bayerische Musikschultag fördern kollegialen Austausch und neue Perspektiven. Sein eigener BLIMBAM-Lehrgang des Dachverbands VdM zum Instrumentalspiel mit Menschen mit Behinderung prägte sein Verständnis von Inklusion nachhaltig. Inklusion ist ein zentrales Profilmerkmal der Musikschule ILE Donauschleife. „Darauf sind wir ganz besonders stolz“, betont er. Alle Angebote sind offen für alle Menschen – unabhängig von Alter oder Beeinträchtigung. Kooperationen mit Schulen, der Lebenshilfe, Förderstätten und Wohnpflegeheimen sind bereits Realität. Gotzler, selbst derzeit Inklusionsbeauftragter der Musikschule, beschreibt diese Arbeit mit spürbarer Begeisterung: „Wenn ich Unterricht im Wohnpflegeheim gebe, ist das immer auch eine Riesengaudi.“
Als interkommunale Einrichtung innerhalb der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Donauschleife bietet die Musikschule Unterricht für fünf beteiligte Kommunen. Der Zusammenschluss schafft Zugänge zu musikalischer Bildung auch dort, wo einzelne Gemeinden alleine keine entsprechende Struktur aufbauen könnten. Zentrale Angebote in Osterhofen werden durch Kooperationen vor Ort ergänzt, zum Beispiel von Bläser- und Blockflötenklassen bis hin zu ergänzendem Instrumentalunterricht von Musikvereinen. Neben kurzen Wegen entstehen so Begegnungen, gemeinsame Projekte und ein wachsendes Gemeinschaftsgefühl. Auch für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler bringt die Verbandsanbindung spürbare Vorteile. Fortbildungen, fachlicher Austausch und die Sicherheit einer Anstellung werden sehr geschätzt, insbesondere von Lehrkräften, die zuvor freiberuflich tätig waren. Die Musikschule wird zunehmend sichtbar: bei kommunalen Veranstaltungen, in der Adventszeit oder bei Festen. Für viele Familien ist das ein Moment des Stolzes und für die Musikschule ein wichtiger Schritt nach außen.
Der Weg von Oliver Gotzler selbst führte vom künstlerischen Studium als angehender Orchesterposaunist hin zur Pädagogik und schließlich in die Schulleitung. Auslöser war nicht zuletzt die Vision der damaligen Bürgermeisterin von Osterhofen, die in der Musikschule einen Schlüssel zur kulturellen Zukunft der Stadt sah. Heute ist Gotzler überzeugt, dass dieser Weg der richtige war. Für die kommenden Jahre formuliert er klare Ziele: der weitere Ausbau inklusiver Angebote, neue Kooperationen, Ensembles und Bands und langfristig sogar ein eigenes Gebäude für die Musikschule. Vor allem aber wünscht er sich, dass musikalische Bildung als selbstverständliches Angebot für alle wahrgenommen wird. „Ich verstehe mich als Musikschulleiter und die Musikschule als tragende Säule der Demokratie, um das Leben bunter, vielfältiger und das Miteinander stärker zu machen.“
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