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v.l.: Jari Ortwig und Nadine Rousseau. Fotos: Anke Dörschlen

v.l.: Jari Ortwig und Nadine Rousseau. Fotos: Anke Dörschlen

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Superkräfte für die Kulturelle Bildung

Untertitel
KuBiMan*: In Remscheid startet ein Studium Generale für Kulturelle Bildung
Vorspann / Teaser

In ihrer neuen Wei ter b ildung „Kulturelles Bildungsmanagement (KuBiMan*)“ vermittelt die Akade­mie der Kulturellen Bildung in Rem­scheid ab Januar 2027 Wissen über Methoden, Strukturen und politische Rahmenbedingungen Kultureller Bil­dung. Künstler:innen wie Fachkräfte aus Kultur, Bildung und sozialen Ar­beitsfeldern sollen darin lernen, kul­turelle Bildungsprojekte partizipativ und diversitätsbewusst zu konzipie­ren, zu koordinieren und strategisch weiterzuentwickeln. Jari Ortwig, Stu­dienleiterin an der Akademie, und Na­dine Rousseau, Co-Leitung im Bereich Spiel, darüber, warum Kulturelle Bil­dung künstlerische Praxis und struk­turelles Denken braucht. 

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neue musikzeitung: Viele Musiker:innen sind heute nicht mehr aus­schließlich auf der Bühne aktiv, son­dern entwickeln Workshops oder Ver­mittlungsformate. Kann KuBiMan* da­bei helfen, aus einer künstlerischen Idee ein tragfähiges Bildungsangebot zu entwickeln? 

Jari Ortwig: Genau dafür ist diese Qualifizierung gedacht. Sie professi­onalisiert, um Bildungsprojekte wei­terzudenken und ausbauen zu können. Auf diese Weise können Musiker:innen oder andere Künstler:innen ihre eige­nen Workshops oder Formate nicht als einzelne Angebote betrachten, son­dern diese vernetzen oder mit Pro­grammen der Kulturellen Bildung ver­knüpfen. 

nmz: Die Weiterbildung ist als Stu­dium Generale angelegt. Wie wichtig ist die Breite und das übergeordnete Wissen im Vergleich zu spezialisier­ten Fortbildungen in Kulturpädago­gik, Kultur-oder Projektmanagement? 

Nadine Rousseau: Die Konzeption als Studium Generale schafft eine Basis, auf der man sein Profil gezielt schär­fen und Fähigkeiten vertiefen kann, die aus der eigenen Jobperspektive benötigt werden. Die Basisqualifizie­rung vermittelt Informationen über Kooperation, Förderung und Struk­turen in einer komplexen Bildungs­landschaft. Außerdem zeigt sie, wie sich der Wert kultureller Bildungspro­jekte beschreiben und die Relevanz Kultureller Bildung für eine gelebte Kinder-und Jugendkultur sichtbar machen lässt. 

nmz: Wie praxisnah ist die Weiterbil­dung für den Arbeitsalltag? Lässt sich das Gelernte beispielsweise direkt auf eine Musikschule oder ein Vermitt­lungsprojekt übertragen? 

Ortwig: Die Fortbildung ist sehr pra­xisorientiert. Sie greift nicht nur ak­tuelle Diskurse auf, sondern wird er­gänzt durch Methoden für den beruf­lichen Alltag. Es geht allerdings weni­ger um einen fertigen Methodenkoffer, sondern darum, wie man Methoden selbst entwickelt. 

Rousseau: Über die Methoden be­kommt man ein Gefühl dafür, welche Prozesse Kulturelle Bildung bei Kin­dern, Jugendlichen oder Erwachsenen auslösen kann. Dadurch lässt sie sich auf einer politischen Ebene oder in der Konzeption von Angeboten viel besser vertreten. Und wer sich mit den Le­benswelten von Kindern und Jugend­lichen auseinandersetzt, weiß, wo die Ansatzpunkte für ein größeres Pro­gramm zur Kulturellen Bildung liegen. 

nmz: Wie viel künstlerische Erfah­rung ist nötig, um Kulturelle Bildung professionell managen zu können? 

Rousseau: Kulturelle Bildung lebt da­von, dass Menschen einen Blick aus unterschiedlichen Perspektiven ein­nehmen. Gerade bei koordinierenden, konzeptionellen Aufgaben macht es Sinn, sich selbst schon mal in einem kulturellen Bildungsprozess bewegt zu haben – also zu erfahren, was es be­deutet, einen eigenen künstlerischen Prozess zu durchleben. 

nmz: Was nimmt eine Person aus KuBiMan* mit, die bislang vor allem künstlerisch gearbeitet hat, jetzt aber auch Bildungsprojekte konzipiert und dafür Kooperationen und Fördermittel organisieren muss? 

Rousseau: Ganz konkret kann das beispielsweise sein, wie man die „An­tragslyrik“ oder die Konzepte und Dis­kurse dahinter anwenden kann. Zu­sätzlich weiß man, an welcher Stel­le man Beratung oder Kooperations­partner findet. Oder wie man sich im kommunalen Gesamtkontext gut auf­stellen kann. 

nmz: Ist KuBiMan* also auch eine Art Übersetzungshilfe zwischen künstle­rischer Idee und institutioneller Re­alität? 

Rousseau: In der Weiterbildung setzen wir auf einen Dreiklang aus strukturel­ler, pädagogischer und künstlerischer Ebene. Dabei geht es um den Perspek­tivwechsel vom Pädagogischen ins Künstlerische. Beides vor dem Hinter­grund der strukturellen Ebene, die von Institutionen und Akteuren im Feld be­arbeitet wird: Welche Wirkmechanis­men gibt es? Was kann Kulturelle Bil­dung eigentlich? Das Wechselspiel der Perspektiven ermöglicht auch Teilneh­menden, die vorwiegend auf der Steue­rungsebene arbeiten und wenig prak­tische oder künstlerische Erfahrung mitbringen, neue Zugänge zur Kultu­rellen Bildung zu entwickeln. 

nmz: Musikschulen, Jugendhi lfe, Kulturinstitutionen und freie Künstler:innen kooperieren oft in kulturel­len Bildungsprojekten. Welche Kompe­tenzen braucht es, um solche Koopera­tionen nicht nur anzustoßen, sondern langfristig tragfähig zu machen? 

Ortwig: Man sollte ein Anliegen ha­ben, bei dem eine Kooperation ei­nen Mehrwert darstellt. Oft vernetzt man sich um der Vernetzung willen, nur ist das nicht besonders tragfähig. Man braucht gemeinsame Visionen sowie ein Bewusstsein über die eige­ne Haltung und Ziele. In der Förder­landschaft ist es zum Beispiel wichtig, die Förderziele des Geldgebenden auf dem Schirm zu haben. Ich muss schon in der Projektentwicklung in die För­derperspektive wechseln und wissen, wo wollen andere Partner hin und was sind deren Zielrichtungen. Das hilft, langfristige Kooperationen so zu ge­stalten, dass sie tragfähig und nach­haltig sind. 

nmz: Wenn die Teilnehmenden nach einem Jahr KuBiMan* nur eine Sache anders machen als zuvor, was sollte das idealerweise sein? 

Ortwig: Sie sollten den Perspektiv­wechsel auf verschiedenen Ebenen verinnerlicht haben: in die Strukturen, ins Künstlerische und Pädagogische, in die Lebenswelten der Jugendlichen und unterschiedliche Communities. Vor allem aber sollten sie für die Kul­turelle Bildung brennen und verstan­den haben, wie wichtig und vielschich­tig sie ist. 

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