Elli kam zu spät. Als Mitglied des jüngsten Spitzenorchesters Deutschlands auf dem Weg zur Konzertpremiere im Salzburger Mozarteum ein Albtraum. Als Unwetter bedrohlichen Ausmaßes weit über die Grenzen Deutschlands hinaus angekündigt, war die Unpünktlichkeit von Sturmtief Elli jedoch ein außerordentlicher Glücksfall für die Deutsche Streicherphilharmonie (DSP) und ihren Chefdirigenten Wolfgang Hentrich. So konnte der Tourbus die rund 70 jungen Streichertalente bei halbwegs glimpflichen Wetterverhältnissen am 8. Januar vom Probenort Berlin zum ersten Konzertort der Neujahrstournee bringen. Das zauberhaft verschneite Salzburg lud die wohlbehalten aus dem Norden angereisten Gäste ein, einen Abend lang als „Touris“ den Spuren des berühmten Sohnes der Stadt zu folgen. Einen Tag später: Szenenwechsel.
Mit dem renommierten Chopin-Interpreten Rafał Blechacz feierte die Deutsche Streicherphilharmonie erneut große Erfolge. Foto: © Markus Gottschall
Standing Ovations für Solist und Orchester in Wien
Auf der Bühne des Mozarteums präsentierten die gerade mal 11- bis 20-jährigen „Touris“, jetzt absolut fokussierte Orchestermitglieder der Deutschen Streicherphilharmonie, die erste Salzburger Sinfonie eben dieses berühmten Sohnes der Stadt. Ein von der musikalischen Leistung und ansteckenden Spielfreude der jungen Musikerinnen und Musiker sichtlich beeindruckter Konzertbesucher bedankte sich später: „Das war mal ein Divertimento, das seinem Namen alle Ehre gemacht hat – selten war für mich ein ‚Vergnügen‘ so treffend bezeichnet.“
Allein, es war nicht nur das Divertimento KV 136 von Wolfgang Amadeus Mozart, das den Besuchern dieses Neujahrskonzertes so großes Vergnügen bereitete. Gemeinsam mit dem international gefeierten Chopin-Interpreten Rafał Blechacz brachte die Deutsche Streicherphilharmonie unter Leitung von Wolfgang Hentrich das Klavierkonzert e-Moll op. 11 von Frédéric Chopin zu Gehör. Kein Rascheln oder gar Hüsteln war während der so feinsinnigen Interpretation des polnischen Pianisten zu hören. Das Publikum entließ den Solisten, der dem jungen Spitzenensemble der Musikschulen bereits seit einigen Jahren musikalisch und freundschaftlich sehr verbunden ist, erst nach mehreren Zugaben. Auch der noch recht neue (seit September 2025) Bundesgeschäftsführer des VdM, Raphael Amend, war trotz zahlreicher terminlicher Herausforderungen extra für dieses Konzert nach Salzburg angereist und zeigte sich beeindruckt von „seiner“ DSP. Nach der Pause rundete ein bunter Strauß aus Klassik-Hits wie Bedřich Smetanas „Tanz der Komödianten“ (aus der Oper „Die verkaufte Braut“) oder der Pizzicato-Polka der Brüder Johann und Josef Strauss das Programm zu einem echten Neujahrskonzert ab. Beinahe schien es so, als ob die nicht enden wollenden Standing Ovations tatsächlich nicht enden wollten. Zwei Tage später nämlich: Szenenwechsel mit anhaltendem Applaus.
Trotz der hohen Anforderungen, um Mitglied der DSP werden (und bleiben) zu können, gibt es derzeit keine Nachwuchsprobleme. Foto: © Markus Gottschall
Furioser hätte der Jahresauftakt der Deutschen Streicherphilharmonie wohl kaum sein können: Nach der umjubelten Premiere im Mozarteum Salzburg am 9. Januar durften die jungen Streichertalente zwei Tage später bereits zum sechsten Mal in einem der berühmtesten Konzertsäle der Welt spielen: im Wiener Musikverein. Ein Konzerterlebnis, von dem viele Profimusikerinnen und -musiker träumen. Als großer Förderer der musikalischen Nachwuchsarbeit im Exzellenzbereich ist der Geschäftsführer des Konzertveranstalters Vienna Classic, Dr. Rainer Maas, von der Leistung und dem Engagement der jungen Musikerinnen und Musiker der Deutschen Streicherphilharmonie nachhaltig so überzeugt, dass er sie regelmäßig für Gastspiele auf international renommierten Konzertbühnen wie dem Wiener Musikverein verpflichtet. Dass er dabei ebenso den „richtigen Riecher“ hat, wenn er international renommierte Solisten wie Rafał Blechacz mit der DSP und ihrem Chefdirigenten Wolfgang Hentrich zusammenbringt, beweist der grandiose Erfolg in Salzburg, aber vielleicht noch mehr in Wien, wo es ein besonders anspruchsvolles Konzertpublikum zu überzeugen galt. Dies gelang einmal mehr bei dem diesjährigen Neujahrskonzert im Wiener Musikverein mit überwältigendem Erfolg. Es schien, als ob die Standing Ovations im Mozarteum Salzburg hier aufgegriffen, fortgesetzt und sogar noch verstärkt wurden.
Wolfgang Hentrich hatte daran ganz gewiss auch seinen Anteil, sorgte er doch mit seiner charmanten Moderation für das i-Tüpfelchen eines bis ins Detail sorgfältig und liebevoll geplanten Konzertes. In Salzburg wie in Wien überraschte er eine Dame in der ersten Reihe mit einem Glas Sekt: Da er die Pizzicato-Polka traditionell gemeinsam mit „seiner“ DSP spielen wollte, war die Konzertbesucherin mit der Aufgabe betraut worden, für die Dauer des Stückes seinen Geigenbogen zu halten. Die Herausforderung, höchste musikalische Ansprüche mit stimmungsvollem Entertainment zu verknüpfen, meisterte der Chefdirigent mit Bravour.
Ob die Deutsche Streicherphilharmonie und ihr Chefdirigent auch die nächste Herausforderung mit Bravour meistern werden, wird alsbald zu sehen respektive zu hören sein: Im April wird die Partita von Gideon Klein mit Deutschlandfunk Kultur und dem Label GENUIN im Theatersaal von Schloss Rheinsberg aufgenommen. Audiatur!
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