Butter bei die Kuckucksuhr – Letzte Rettung vor der Orchesterfusion?


(nmz) -
Es wurde die letzten Monate viel diskutiert, es wurden Vorwürfe aus und in alle Richtungen gemacht. Manche dreckige Wäsche wurde gewaschen. Jetzt wollen sich doch noch die Beteiligten an einen Tisch setzen und die Sache „abschließend“ klären: Stadt Freiburg und SWR organisieren „Träger- und Geberkonferenz“ zu einem möglichen Stiftungsmodell für ein eigenständiges Sinfonieorchester.
06.06.2014 - Von PM-SWR

Die Stadt Freiburg und der SWR laden gemeinsam zu einem Gespräch einer „Träger- und Geberkonferenz“ für ein mögliches Stiftungsmodell für ein eigenständiges Sinfonieorchester ein. Bei dieser Konferenz soll geklärt werden, ob es Zustifter und ob es Träger für eine öffentlich-rechtliche Stiftung zum Erhalt des Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SO) außerhalb des SWR gibt, die vom Verein der Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg in die öffentliche Diskussion eingebracht worden ist. Die Konferenz soll noch vor Beginn der Sommerferien in Freiburg stattfinden.

Ziel der Konferenz ist es, bei diesem Termin abschließend folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Institutionen stehen zur Verfügung, die als Träger einer Stiftung fungieren wollen bzw. können?
  • Welche Zuschussgeber stehen als dauerhafte Zustifter mit welchen Zusagen zur Verfügung? 

Ein Ziel der Konferenz ist auch die verbindliche und abschließende Klärung des dauerhaften Finanzbedarfs, um das Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg über eine öffentlich-rechtliche Zuschussstiftung zu erhalten. Der SWR geht hier von einem Finanzbedarf von mindestens elf Millionen Euro jährlich ab dem Zeitpunkt des Übergangs in die Stiftung aus. Der SWR hatte schon vor geraumer Zeit in Aussicht gestellt, mit einem degressiv ausgestalteten Zuschuss von anfänglich maximal rund 4 Millionen Euro zu einer Stiftung beizutragen.

Die Stadt Freiburg und der SWR werden zu der Konferenz u. a. Vertreter der Landesregierung Baden-Württemberg, Landräte und Oberbürgermeister Südbadens, Vertreter der Deutschen Orchestervereinigung DOV sowie der Freunde und Förderer des SO e.V. einladen. Ziel ist es, dass die jeweilige Institution eine namhafte finanzielle Beteiligung am Stiftungsmodell nachhaltig und verlässlich zusagt. Die Konferenz soll in Freiburg im Rathaus stattfinden. Derzeit sind die Stadt Freiburg und der SWR im Gespräch mit einem möglichen Moderator, der die Sitzung leitet und moderiert.

Ausgangspunkt und Basis für die Konferenz sind die Beschlüsse des SWR und seiner Gremien, im Jahr 2016 mit dem neuen, großen SWR Symphonieorchester an den Start zu gehen und gleichzeitig die nötigen Einsparungen von fünf Millionen Euro pro Jahr zu erreichen.

Peter Boudgoust:

„Auch nach mehrjähriger Suche ist der SWR bislang die einzige Institution, die für eine solche Stiftung einen kontinuierlich abschmelzenden Zuschuss von anfangs maximal rund 4 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat. Die Konferenz wird nun Klarheit bringen: Gibt es einen Träger, gibt es genügend Zustifter, um das SO außerhalb des SWR zu erhalten? Die Musikerinnen und Musiker haben, aber auch die Öffentlichkeit hat hier eine umfassende Erörterung und eine ehrliche Antwort verdient.“

Dieter Salomon:

„Die Stadt Freiburg hat sich in mehreren Verhandlungen bemüht, das SWR-Sinfonieorchester als eigenständiges Ensemble in Freiburg und im Konzerthaus zu erhalten. Dazu hat der Gemeinderat einstimmige Resolutionen verabschiedet. Die Konferenz potentieller Unterstützer und Geldgeber zu einem Stiftungsmodell ist ein möglicher Weg zu einem Erhalt. Wir unterstützen jede Lösung, um dieses Ziel zu erreichen.“

Dossier: 
SWR-Orchesterfusion

Zugeständnisse und Bescheidenheit

Meiner Meinung nach ist es unumgänglich dass das SO-des SWR noch vor der besagten Konferenz öffentlich erklärt zu Zugeständnissen bereit zu sein, die das erhoffte Stiftungsmodell sehr viel leichter Realität werden lassen könnten. Das Orchester ist nicht in der Position immer nur Forderungen an jeden nur erdenklichen Geldgeber zu stellen, sondern es muss auch konkret sagen, inwieweit es selbst bereit ist, seinen immensen Finanzbedarf einzuschränken um das gewünschte Ziel, eigenständig in Freiburg erhalten zu bleiben, wirklich erreichbar zu machen. Gerade im Vorfeld dieser Konferenz ist es als Signal an die potentiellen Geldgeber unerlässlich, sich dahingehend deutlich zu bewegen.

Konkret denke ich dabei mittelfristig an den kompletten Verzicht auf alternierende Stellen, sprich auf die Doppeltbesetzung von Stimmführer- und Solobläserpositionen bei halber Arbeitszeit, aber vollem Gehalt plus Zulagen- allein dadurch ließen sich also zwölf Stellen einsparen, ohne die maximale Spielbesetzung des Orchesters zu verkleinern, was wiederum bedeutet, dass für das Stiftungsmodell- mit Lohn- und Lohnnebenkosten- grob geschätzt 2 Millionen Euro weniger im Jahr benötigt würden. Eine enorme Summe!

Ein weiterer Vorschlag zu Einsparungen wäre die Unterbringung der Musiker auf den vielen Reisen in Doppel- statt in Einzelzimmern, wie es vielerorts in Orchestern längst üblich ist. Auch dadurch ließen sich jährlich hunderttausende Euro einsparen, zumal auch die Hotelkategorie noch viel Luft nach unten bietet.

Ich halte es für unumgänglich und selbstverständlich, dass ein Orchester, dass um jeden Preis erhalten werden will, solche Einsparzugeständnisse von sich aus im Vorfeld des runden Tisches im Freiburger Rathaus anbietet.


Das könnte Sie auch interessieren: