Sächsische Staatskapelle feiert 460. Geburtstag


(nmz) -
Dresden (ddp-lsc). Die Sächsische Staatskapelle feiert am kommenden Montag (22. September) ein ungewöhnliches Jubiläum. 1548 unterzeichnete Kurfürst Moritz von Sachsen mit der «Cantorei Ordnung» die Geburtsurkunde der «Dresdner Musikalischen Kapelle». Genau 460 Jahre später gilt es als das einzige Orchester von Weltruf mit einer solch langen, kontinuierlichen Tradition. Generaldirektor Fabio Luisi spricht von einem von den Musikern über Generationen vererbten «warmen, aristokratischen» Klang.
19.09.2008 - Von Andreas Herrmann

Als Ursache dafür darf die Besonderheit gelten, dass neue Mitglieder der Staatskapelle - derzeit sind laut Orchesterdirektor Jan Nast 148 der 149 Planstellen besetzt - vom Orchester selbst ausgesucht werden. Die Musiker diskutieren dies nach einem Vorspiel aus, in dem die Kandidaten gänzlich unsichtbar bleiben und bei dem nur der Klang zählt. «Auch ich habe da lediglich ein Vetorecht», beteuert Luisi.

Der 49-jährige Italiener, seit der Spielzeit 2007/08 als Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatsoper Dresden zugleich Chefdirigent der Staatskapelle, steht in einer Traditionslinie großer Namen von Kapellmeistern und Dirigenten, die die Semperoper und ihr Hausorchester prägten: Von Heinrich Schütz über Carl Maria von Weber, Richard Strauss, Herbert Blomstedt bis hin zu Giuseppe Sinopoli reicht die Ahnengalerie.

Der Dresdner Regisseur Peter Förster begleitete das Orchester eine Saison lang. Daraus entstand der Dokumentarfilm «Gemeinsam seit 1548 - Staatskapelle Dresden», in dem vier der aktuellen Dirigenten - neben Luisi auch Daniel Harding, Myung-Whun Chung und Sir Colin Davis - ausgiebig über ihr besonderes Verhältnis zur Staatskapelle Auskunft geben.

Davis, dem Orchester seit 26 Jahren verbunden und seit 1990 dessen erster Ehrendirigent, meint zum Vergleich mit anderen: «Die Musiker lieben ihr Orchester. Ohne Musik können sie nicht anständig durchs Leben gehen. Es ist ihre Rettung.» Und Fabio Luisi nennt die Musik der Dresdner «etwas, was mich besser macht».

Immerhin wurde die Staatskapelle im April 2007 als bisher einziges Orchester weltweit mit dem «Preis der Europäischen Kulturstiftung für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes» geehrt. Im vergangenen Jahr führte Luisi den alten Titel des «Capell-Compositeurs» wieder ein. Nach Isabel Mundry heißt jener in dieser Saison Bernhard Lang und wird drei neue Werke direkt für die Staatskapelle komponieren.

Dass Tradition auch zur Zukunft verpflichtet, beweist das Orchester mit seinen Jubiläumsfeierlichkeiten. Zusätzlich zum aktuellen Sinfoniekonzert gibt Fabio Luisi mit der Staatskapelle ein Konzert der besonderen Art in der Reihe «Kapelle für Kids» für junges Publikum von sechs bis zwölf Jahren. Angekündigt ist eine musikalische Zeitreise durch 460 Jahre Orchesterhistorie. Am Montagabend wird die Ausstellung «Mit den Augen hören II» mit Malerei und Grafik von fünf Mitgliedern der Kapelle eröffnet. Die Werke werden bis 16. November im elbseitigen Vestibül der Semperoper gezeigt.

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