Wie man einen Cellisten ehrt: Zum dritten Mal fand in Berlin der Grand Prix Emanuel Feuermann statt


(nmz) -
„Er war ein außergewöhnlicher Künstler und vermutlich ein noch außergewöhnlicherer Cellist. Er war technisch so fantastisch, so perfekt, was für die damalige Zeit nicht selbstverständlich war. Es ist tragisch, dass er nicht länger lebte, mit Sicherheit hätte er noch Größeres geleistet. Der Wettbewerb hier ist eine schöne Art, an ihn zu erinnern, an seinen Beitrag zum Cellospiel und letztlich zur Musik.“ Philipp Higham kommt aus Schottland, er ist 25 Jahre alt, beim dritten Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin wurde er zweiter Preisträger.
30.11.2010 - Von Elisabeth Richter

Und wie Philipp Higham stimmen eigentlich alle Cellisten einen staunenden Lobgesang an, wenn es um den großen Cellisten Emanuel Feuermann geht. Vor allem Feuermanns scheinbar so müheloses, leichtes, lockeres Spiel fasziniert bis heute die Cellisten-Welt. Er starb mit nur 39 Jahren unglücklicherweise bei einer Routine-Operation. Feuermann war neben seiner Karriere als Künstler bis zu seiner Emigration 1933 mehrere Jahre Professor an der Hochschule für Musik Berlin, der heutigen UdK Berlin. Ein Grund, warum der Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin ausgerichtet wird.

Organisatoren sind die Kronberg Academy und die Domenico-Gabrielli-Stiftung der Universität der Künste in Berlin. Zum ersten Mal fand der Grand Prix 2002 aus Anlass des 100. Geburtstages von Feuermann statt. Die erste Runde des Wettbewerbs ist nicht öffentlich, die Runden zwei und drei werden im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie ausgetragen. Die Abschlusskonzerte finden in der UdK und im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Die Preisgelder betragen im Ganzen über 40.000 Euro, der Sieger erhält 15.000 Euro. Sonderpreise gab es u. a. für die beste Interpretation eines Cellokonzertes von Carl Philipp Emanuel Bach oder die Interpretation einer eigens für des Wettbewerb in Auftrag gegeben Komposition von dem Schweizerischen Komponisten und Cellisten Thomas Demenga.

Thomas Demenga war auch Mitglied der neunköpfigen, international besetzten Jury, in der etwa auch der Schwede Frans Helmerson, der Spanier Lluis Claret, der Japaner Tsuyoshi Tsutsumi oder der in Deutschland lebenden litauische Cellist David Geringas waren. Man war sich einig: zum Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin waren nur die „Besten der ‚Sehr Guten’“ gekommen. Und dennoch war nach Runde zwei mit einem einstündigen Kammermusik-Recital und der Final-Runde mit zwei Cello-Konzerten von Schumann und Carl Philipp Emanuel Bach klar, dass der 27jährige Russe Alexander Buzlow mit Abstand die reifste und auch technisch überzeugendste Leistung darbot. Buzlov war Schüler von Natalia Gutman, und er unterrichtet bereits am berühmten Moskauer Konservatorium. So ein Wettbewerb sei, sagte Alexander Buzlov im Gespräch, wie ein „Check up“ aller Fähigkeiten – der technischen, musikalischen, psychologischen - , die man für eine Solisten-Laufbahn brauche. Buzlov erhielt auch den Publikumspreis.

Das Repertoire, das beim Grand Prix Emanuel Feuermann verlangt wird, orientiert sich zum einen an dem Repertoire, das Emanuel Feuermann spielte, zum anderen werden Werke ausgewählt, die dem Bewerber eine stilistische Vielfalt abverlangen. Für die erste nicht öffentliche Runde mussten etwa eine der Bach-Cello-Solo-Suiten vorbereitet werden oder „Virtuosenstückchen“ von David Popper, in der zweiten Runde war eine Beethoven-Sonate Pflicht und die Auftragskomposition von Thomas Demenga, beim Finale mussten das Schumann-Cellokonzert und ein Konzert von Carl Philipp Emanuel Bach gespielt werden. Den Sonderpreis für die beste Interpretation eines Konzertes von Carl Philipp Emanuel Bach erhielt die 25-jährige deutsche Cellistin Constanze von Gutzeit aus Bochum, die im Ganzen auf Platz drei des Wettbewerbs kam. Bachs wenig bekannte und selten gespielte, frühklassische Konzerte sollen durch den Wettbewerb auch mehr ins Bewusstsein gerückt werden. Sie sind weniger virtuos als etwa die später entstandenen Haydn-Konzerte, eher scheinen sie sperrig, und es ist nicht leicht, sie zum klingen zu bringen.

Wie unterschiedliche die zwölf Teilnehmer in Berlin mit dem zeitgenössischen Pflichtstück „EFEU“ von Thomas Demenga umgingen, war ungeheuer beeindruckend zu erleben. EFEU bezieht sich natürlich auf den Namen Emanuel Feuermann, die Initialen E und F werden auch als Töne mit einbezogen. Demenga verlangt als Kenner des Instruments die Beherrschung aller möglichen Finessen auf dem Cello, und er erfand interessante Klänge. So wird die Assoziation eines Glockentones erzeugt, indem die Seiten auch mit einer Büroklammer berührt werden. An anderer Stelle muss der Cellist auch den Bach-Choral „Alle Menschen müssen sterben“ anstimmen. So kann man EFEU gleichermaßen als Hommage und als eine Art „Requiem“ auf Feuermann verstehen. Der Sonderpreis für die beste Interpretation des Werkes wurde zwischen dem Briten Philipp Higham und dem Deutschen Benedict Kloeckner aufgeteilt. Kloeckner suchte nach feinen Abstufungen in einer im Ganzen eher verhaltenen Klanglichkeit, während Higham mit wundervoll warmen Ton und musikalischer Intensität überzeugte.

Mit dem Gewinn des Grand Prix Emanuel Feuermann ist nicht nur das Preisgeld verbunden. Die Kronberg Academy, die den Wettbewerb ausrichtet und durchführt begleitet die jungen Solisten und bietet in der Folge auch zum Beispiel Auftrittsmöglichkeiten und Beratung ohne kommerzielles Management. So hat der Grand Prix Emanuel Feuermann auch ein pädagogisches Anliegen. In diesem Zusammenhang verdient ein weiterer Aspekt des Wettbewerbs Aufmerksamkeit. Erstmals gab es auch eine Jugend-Jury, die aus neun jungen Cellisten bestand, Schülern, die jedoch bereits auf professionellem Niveau Cello studieren. Die angehenden jugendlichen Künstler sollen ein Verständnis für Wettbewerbsabläufe bekommen, für die Arbeit und auch für die Verantwortung, die ein Jury-Mitglied trägt. Die Jugendjury kürte – anders als die Hauptjury - Benedict Kloeckner zum Sieger des Grand Prix Emanuel Feuermann.

Prix Emanuel Feuermann

wir haben den ganzen Feuermann Wettbewerb mitverfolgt, da meine Frau und ich große celloliebhaber sind, in ihrem Artikel hat mich in Kenntnis der genauen Sachlage deshalb etwas massiv geärgert, den Preis für die beste Auftragskomposition hat defintiv mit großem Abstand nur ein toller Cellist wirklich verdient, nämlich benedict kloeckner , er hat eine so phantastische noch dazu auswendig vorgetragene Aufführung geboten, dass man einfach entzückt war. Im Kontrast dazu gab es dann die vorführung von Philipp Higham, ein technisch schwacher noch nach Noten suchender Cellist, und das obwohl er den Text vor sich hatte, und dabei musikalisch schlichtweg meilenweit entfernt von jeder souveränen Gestaltung. Eine aus unsrer Sicht einfach nur beschämende Preisvergabe. Diese wahrscheinlich aus der Not geborene Preisvergabe für Philipp Higham konnte man sich als interessierter Zuhörer einfach nur so erklären, dass seine Finalrunde mit Orchester derart unzulänglich war, dass er am Preisträgerkonzert unmöglich noch mal mit Orchester vorgeführt werden konnte, also hat man sich gedacht beim zeitgenössischen Werk fällt es nicht so auf, wenn jemand schlecht spielt. wäre die Interpretation von benedict kloeckner nicht gewesen, hätten es viele Leute tatsächlich nicht gemerkt, da aber eine phantastische Performance von Kloeckner vorlag war es für die Leute, die den Vergleich hatten einfach nur unverständlich und peinlich. Benedict Kloeckner jedenfalls hat das Stück um Lichtjahre besser gespielt, es wurde bei ihm wirklich zu Musik, wer auch immer von ihren Redakteuren Philipp Higham mit irgend etwas gehört hat und das Spiel mit schönem Ton belobigt , sollte ab sofort vom Dienst suspendiert werden, selbst die Intonation war einfach nur rudimentär. Die Jury hat wohl wie üblich, wenn Leute in der Jury sitzen die selbst noch gerne spielen, Leute ins Finale gewählt bei denen sie zu Recht sicher sein konnte, dass keiner von den Auserwählten ihnen je das Brot nehmen wird. So wie gemungelt wurde war dafür Philipp Higham wohl mit der aussichtreichste Kandidat., nach seinen peinlichen zwei Konzerten mit Orchester wird sicher niemand jemals mehr auf die Idee kommen ihn nochmals für ein solches Unterfangen zu engagieren. Demgegenüber hat die Jugendjury Mut und unbestechliches Urteil bewiesen, das sollte bei Wettbewerben einfach mal Schule machen, den Erwachsenen mit ihrern undurchschaubaren Winkelzügen die rote Karte zeigen und uns dem Publikum die Künstler gönnen, die uns mit ihrem Können wirklich erfreuen. Bei Buzlov verwundert es ebenfalls nicht, dass er bisher keine Karriere gemacht hat, es gab beim Konzert keinerlei Kommunikation zwischen ihm dem Orchester und dem Dirigent, er zog seinen Stiefel ab, aber ein musikalisches Erlebnis hört sich nun mal anders an. mit vorzüglicher hochachtung Dietrich peters


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