Kirchenmusik ist Musik, die vorrangig in Kirchen gespielt wird. Als das Wort entstand, stand es für den zentralen Ort der Gottesverehrung. Gleichzeitig beschrieb es auch, wo Kirchenmusik – vielleicht mit Ausnahme von ein paar Prozessionen im Freien – hauptsächlich stattfand. Ist es ein Zufall, dass ein höheres Wesen verherrlichende Musik den Namen und die Attribute dieses Wesens nicht trägt? Letztlich: Gott kann man nicht einsperren! Das gilt auch für die Kirchenmusik und ihre geistig-philosophische Grundlage. Der schwedische Komponist Thomas Jennefelt hat eine eher universelle Beziehung zu seinem Schöpfer.
Der Komponist Thomas Jennefelt mit Richard Arnold (li.), dem Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd. © Hartmut Hientzsch
Preis der Europäischen Kirchenmusik geht an Thomas Jennefelt
Kennen Sie Sven-Erik Bäck, Sara Wennerberg-Reuter, Karin Rehnqvist oder Thomas Jennefelt? Alle vier sind Komponisten und Komponistinnen, alle kommen sie aus Schweden und alle haben sie dort für ihre Musik in Schweden einen herausragenden Ruf. Nun mag der eine oder andere – gerade eben auch Fachkollegen in einer Musikfachzeitung wie der nmz – sagen: „Ja, von Sven-Erik habe ich mal eine Komposition gehört“ oder auch „Hat die Karin nicht Anfang des Jahrtausends mal in Schottland gearbeitet?“ Aber mal ehrlich: Wirklich geläufig sind uns diese (und so viele andere Namen von Komponisten und Komponistinnen) nicht. Da hilft auch unser Informationszeitalter mit Internet und KI uns nur ein kleines Stück weiter, wenn wir etwas von ihnen erfahren wollen.
Thomas Jennefelt hat in diesem Jahr den „Preis der Europäischen Kirchenmusik“ erhalten. Man möchte ja nicht in der Haut der Juroren stecken, wenn sie den Preisträger ermitteln. Was es da alles zu beachten gibt und was man da auch gegebenenfalls erst aus der Tiefe der Archive ausgraben muss. Letztlich geht es bei der Auszeichnung um die tatsächlich erbrachte Leistung, nicht den persönlichen Bekanntheitsgrad.
Thomas Jennefelt ist ein in Schweden bekannter, geachteter und geschätzter Musiker. Einige seiner Werke haben den Sprung in die weite Welt geschafft, aber viel zu wenige! Thomas Jenefelt – so begründet die Jury in Schwäbisch Gmünd ihre Wahl – wird mit dem Preis „für seine künstlerische Arbeit ausgezeichnet, in der er aktuelle, gesellschaftspolitische Themen mit traditionell geistlichen Texten und Genres in einer eigenen Tonsprache verbindet und umsetzt. Thomas Jennefelt schreibt nach seinem eigenen Bekunden keine dezidiert ‚religiöse Musik‘. Sein vielfältiges Werk zeigt ein vokales Profil, bei dem Wort und Ton eng miteinander in Beziehung stehen. Dabei sind jedoch spirituelle Bezüge auf die kirchenmusikalische Tradition maßgeblich, wie beispielsweise in Jennefelts ‚Dixit Domius‘ und seinem Musiktheater ‚Paulus‘“.
Auch der Laudator, Klaus-Martin Bresgott, vermeidet über weite Strecken die „klassischen“ Worte. Er berichtet von einem Konzert, das er mit Werken Jennefelts gestalten wollte. Dort sollten „seine Klänge Größe und Gewalt des Göttlichen [sic!] erlebbar machen“. Im Folgenden redet er vom „Schöpfer“ und von der „Weisheit des Universellen, geheimnisvoll und offen zugleich“. Am Ende zitiert er aus einem persönlichen Brief: „Ich habe keinen Gott. Aber Gott hat mich.“
Kennen Sie Thomas Jennefelt? Oder ist seine Musik auch im deutschsprachigen Raum noch viel zu wenig verbreitet? Mit einem kleinen Text von Jennefelt selbst soll hier zum Schluss ein wenig Neugier auf seine Musik geschürt werden. Wer seine Kompositionsweise so beschreibt – was mag da für Musik herauskommen: “I long for music with no text, I long for the perfect text to set to music. I write texts in order to be able to compose music. The text is the greatest impediment when I try to compose. I curse text. I need text. Without text there is no music. I let the dramaturgy of the text be that of the music. I can't find the form of a piece if I don't have a text. This has gone so far that I even write a text for the orchestra to 'sing', i.e. to play as if it sang. Then I take away the text. It becomes a tool for finding the form in a piece, in order to articulate.”
Klänge:
Vorsicht! Nicht alles, was nach lateinischer Sprache klingt, ist wirklich überhaupt eine Sprache!
- Thomas Jennefelt: Dixit Dominus
https://www.youtube.com/watch?v=e1sudtXsha4&list=RDe1sudtXsha4&start_radio=1 - Thomas Jennefelt: villarosa salialdi
https://www.youtube.com/watch?v=NIEbMw-sYHI&list=RDNIEbMw-sYHI&start_radio=1 - Thomas Jennefelt: O Domine
https://www.youtube.com/watch?v=sgLxM3z3SNk&list=RDsgLxM3z3SNk&start_radio=1 - Thomas Jennefelt: An die Hoffnung
https://www.youtube.com/watch?v=etk_APcvuTc&list=RDetk_APcvuTc&start_radio=1 - Thomas Jenefelt: ‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!
https://www.youtube.com/watch?v=etk_APcvuTc&list=RDetk_APcvuTc&start_radio=1
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