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Die Anstalt

Das Team der Satiresendung "Die Anstalt" um die Moderatoren Max Uthoff (li.), Maike Kühl und Claus von Wagner

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«Mutlos» - «Anstalt» reagiert auf Ausladung von Danger Dan

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Die Satiresendung «Die Anstalt» beschäftigt sich in ihrer 100. Sendung mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus.

Das Team der Satiresendung «Die Anstalt» hat die ZDF-Entscheidung zur Ausladung des Rappers Danger Dan als mutlos kritisiert. «Wir, «Die Anstalt», distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF», schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf «Instagram».

Danger Dan sollte mit Starpianist Igor Levit sein neues Lied «Keine Angst» bei der 100. Ausgabe von «Die Anstalt» präsentieren. Die Jubiläumssendung beschäftigt sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF dann, den Auftritt zu streichen. Der Sender begründete das damit, dass der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.

«Hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen»

«Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren», schrieben die Sendungsmacher auf Instagram weiter - gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme. «Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22:15 Uhr im ZDF.»

Danger Dan meldete sich auch bei «Spiegel» online zu Wort. Er sagte, er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. «Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft.»

Danger Dan: Gewalt längst politische Realität

Er verabscheue Gewalt, betonte Danger Dan bei «Spiegel» online. «Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.» In den vergangenen Jahren hätten sich viele neue Neonazi-Gruppen gebildet. «Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen.» Es sei wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen.

Die «Anstalt» habe sich bis zuletzt sehr ins Zeug gelegt, seinen Auftritt mit Levit möglich zu machen, sogar das ganze Programm sei umgeschrieben worden, um das Lied in die Sendung einzubetten. Als er, Levit und sechs weitere Musiker dann für die Aufzeichnung bereits in München gewesen seien, habe die Intendanz des ZDF ihr Veto eingelegt. Ihm mache das Angst und es sei eine Bestätigung dafür, dass ein Lied wie «Keine Angst» genau im richtigen Moment komme.

Das ZDF erklärte, bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich redaktionell intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Man sei zu der Bewertung gekommen, dass der Widerspruch zu den ZDF-Programmrichtlinien im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre.

Musiker sieht Eingriff in Meinungs- und Kunstfreiheit

Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, «sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten». Das Veto gegen den Auftritt in der Sendung sei ganz kurz vor der Aufzeichnung gekommen, hieß es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head.

Um was geht es in dem Song «Keine Angst»?

Er ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschisten auf. Der Text liest sich wie eine Art Anleitung, wie man sich dafür zusammenschließen kann, ohne ins Visier von Rechtsextremisten oder Sicherheitsbehörden zu geraten. Es brauche geheime Kommunikation, es gelte rechte Strukturen zu recherchieren, deren Aktionen zu dokumentieren, Nazis öffentlich bekannt zu machen.

«Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras», heißt es an einer Stelle. «Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen», an einer anderen. «Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang», singt Danger Dan und auch: «Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.»

Und am Ende schickt er «liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk». Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Wer ist Danger Dan?

Er heißt mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz. Der 43-Jährige gehört zur Band Antilopen Gang («Mir kann nichts passieren», «Pizza»). Vor fünf Jahren veröffentlichte er sein Soloalbum «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt». Der gleichnamige Titelsong machte Schlagzeilen. Danger Dan stellte ihn begleitet von Levit auch im «ZDF Magazin Royale» von Jan Böhmermann vor.

In dem Stück griff der Rapper ebenfalls das Thema Faschismus auf und spielte diverse Szenarien durch. «Nein, ich wär' nicht wirklich Danger Dan / Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment / Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist», heißt es darin. Auf dem gefeierten Klavieralbum ging es aber auch um weniger politische Themen, etwa um Lebensentscheidungen und die Schulzeit.

Mit seiner Band setzt sich Danger Dan, der aus Aachen stammt, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Mit Levit trat er in der Vergangenheit auch beim Festival «Jamel rockt den Förster» in Mecklenburg-Vorpommern auf, mit dem auf die Neonazi-Szene aufmerksam gemacht werden soll.

In der Ankündigung zum neuen Album und einer Tournee im Herbst 2026 heißt es mit Verweis auf wachsenden Antisemitismus, auf Neonazi-Gruppen, die gezielt Veranstaltungen zum Christopher Street Day attackierten und auf «eine erschreckend bröckelnde Solidarität»: «Was wir jetzt brauchen, ist bitte kein Plädoyer für die Liebe oder halbgares Gesülze über Gemeinschaft. Es ist Zeit für Antifaschismus, radikale Kunst, für den Protest und für eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Gegenwart, der Welt und uns selbst.»

 

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