Mit einer nachdenklichen, selbstkritischen Bilanz, aber auch mit einem selbstbewussten Blick auf die eigenen Stärken und Potenziale ist der Kongress „Musikalische Bildung im Ökosystem Musik“ des Deutschen Musikrats in Berlin zu Ende gegangen. Das Grußwort des Kulturstaatsministers war dabei kein Aufreger – weder im Positiven noch im Negativen.
Interkulturelles Musizieren: Laila Mahmoud und Jochen Keller vom Ensemble Colourage. Foto: Juan Martin Koch
Zaghafte Beschwörung des „Musical Turn“ beim DMR-Kongress zur Musikalischen Bildung
Um die 200 Besucher und 60 Mitwirkende waren an der Universität der Künste Berlin zusammengekommen, um trotz oder gerade wegen düsterer Nachwuchsaussichten (Stichwort Mulem-Ex und Mikado) die „verbindende Kraft“ der Musik in der Gesellschaft und die entscheidende Rolle der Musikalischen Bildung für das „Ökosystem Musik“ zu beleuchten und zu diskutieren. Trotz einiger Perspektivwechsel, etwa durch den Naturwissenschaftler Dirk Brockmann („Survival of the nettest“) oder den Journalisten und Autor Ullrich Fichtner („Die Macht der Musik“), stand doch in erster Linie die Selbstvergewisserung im Mittelpunkt.
Schwarmintelligenz gefordert: Einstimmung auf die Brainstorming-Runde vor dem Joseph-Joachim- Saal der UdK Berlin. Foto: Juan Martin Koch
Die offenen Baustellen – neben dem Nachwuchsmangel beispielsweise Defizite in Sachen Diversität, Interkulturalität und Inklusion – wurden immerhin benannt und die Schwarmintelligenz am Ende für konkrete politische Forderungen und Arbeitsaufträge an den Musikrat genutzt. Auf die Auswertung der entsprechenden Brainstorming-Wände darf man gespannt sein.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bei seinem Grußwort. Foto: Juan Martin Koch
Das Grußwort des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer brachte wenig Überraschendes. Man konnte erfahren, dass er durchaus musikalisch sozialisiert ist und die mangelnde Wertschätzung des Pädagogischen, auch finanziell, im Blick hat. Ähnlich wie schon Norbert Lammert vor 20 Jahren sprach er von einer Bedrohung des Wurzelwerks und rief dazu auf, es wieder besser zu wässern. Immerhin stellte er in Aussicht, zusammen mit den Verbänden und Bldungsministerin Karin Prien eine Initiative „aus dem Kanzleramt heraus“ zu starten, „dieses Mileu zu stärken.“
Abschlusspodium mit Ullrich Fichtner (Der Spiegel), Andrea Tober (Hanns Eisler Hochschule) und Lydia Grün (DMR). Foto: Juan Martin Koch
Ob all dies den „Musical Turn“ auslösen wird, der zaghaft beschworen wurde und den Ullrich Fichtner mit Blick auf die in den 1960ern noch für undenkbar gehaltene „Sportifizierung“ der Gesellschaft (im Nachgang entsprechender wissenschaftlicher Erkenntnisse vom gesundheitlichen Nutzen des Sports) optimistisch in Aussicht stellte, bleibt abzuwarten. Musikrats-Präsidentin Lydia Grün beendete den Kongress immerhin mit dem Versprechen, nunmehr selbstbewusst aufzutreten und ein entsprechendes „Vokabular der Stärke“ zu entwickeln und zu verwenden. Nun denn.
Ein ausführlicher Bericht und Kommentar folgt in der Mai-Ausgabe der nmz.
- Share by mail
Share on