Der erste Versuch des Vorstandes und des Aufsichtsrates der GEMA, eine Reform der Kulturförderung durchzusetzen, ist im letzten Jahr am Widerstand von Urheber:innen und Verleger:innen gescheitert. Die nötige 2/3-Mehrheit wurde in diesen beiden Kurien nicht gewonnen, anders als bei den Textdichter:innen, die deutlich für die Veränderung gestimmt haben. Moritz Eggert hatte 100 Gründe offengelegt, weshalb dieses Reformvorhaben eher Probleme schafft, statt diese aus der Welt zu räumen.
Martin Hufner.
UnGEMAch
Nicht zuletzt waren es aber auch Vorstand und Aufsichtsrat, die das Verfahren einigermaßen intransparent zum Antrag brachten. Dies führte selbst bei einem erfahrenen GEMA-Aufsichtsrat-Urgestein wie Christian Bruhn zur Unterstützung des Antrags, diese Reform auszusetzen. Das wollte man nun dieses Jahr anders machen: Gelungen ist dies bisher allerdings nicht, wie der Beitrag von Bernhard Plechinger im Dossier fast schon verzweifelt und doch mit letzter Hoffnung und konstruktiven Vorschlägen zum Ausdruck bringt. Die Probleme mit der Reform sind nicht aus der Welt, sie wurden eher auf Mikroskopebene verlagert und sprachlich geschliffen. Zum Beispiel, indem man die Begriffe E- und U-Musik in einem Topf zu „Contemporary Classical Music“ vermengt. Dieses ästhetisch indifferente Wortungetüm widerspiegelt nicht unser zentraleuropäisches Musikleben, weil das Ziel tatsächlich weniger die Berechtigten vor Ort sind, als vielmehr der internationale, genauer gesagt, der angloamerikanische Musikverwertungsmarkt, der von den Big Companies beherrscht wird: letztlich droht der GEMA eine feindliche Übernahme.
Auch in den sozialen Medien wird kräftig für die Kulturreform getrommelt und man stellt sie als faktisch alternativlos dar. An anderer Stelle diskreditiert man andere Vorschläge, wie es eine Protestnote der Fachgruppe E-Musik im Deutschen Komponist:innenverband moniert. Auf Nachfragen von außen reagiert man tiefenentspannt: indem man einzelfallweise ausweichend antwortet.
Ein GEMA-Durchmarsch, ohne korrigierende Instanzen, von oben nach unten durchgewunken. Lässt sich der noch ein zweites Mal aufhalten?
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