Er gilt als ein «Enfant terrible» der Kunst: Jonathan Meese, in Japan geborener und in Berlin lebender deutscher Künstler, zeigt in einer Ausstellung in Jena seine Liebe zu Richard Wagner.
Der Maler und Konzeptkünstler Jonathan Meese setzt sich in einer Ausstellung in Jena auf seine eigene Weise mit dem Schaffen des Komponisten Richard Wagner («Ring der Nibelungen», «Parsifal») auseinander. Die Kunstsammlungen Jena zeigen rund 300 Arbeiten des international erfolgreichen, in Deutschland nicht unumstrittenen Künstlers. Zu sehen sind großformatige Gemälde, Skulpturen, Bühnenbildentwürfe, Collagen Videos und Installationen.
«Ich liebe Richard Wagner», sagte der 56-jährige Künstler vor Ausstellungsbeginn. Der Komponist (1813-1883) habe der Kunst komplett vertraut, seine Musik rühre ihn zu Tränen. «Ich will ihn zum Chef machen.» Einen der Ausstellungsräume hat er zum Beispiel «Richard-Wagner-Grotte» benannt, den Komponisten (1813-1883) nennt er «Richarddaddy». Die Wände in den Räumen auf den zwei Etagen des Stadtmuseums sind mit Gemälden und Meese-Slogans zum Thema dicht bepflastert.
Nachklang der Bayreuth-Fehde
Vielfach arbeitet sich Meese in der Ausstellung an den Bayreuther Wagner-Festspielen ab, mit denen er seit einer nicht zustande gekommenen Zusammenarbeit im Clinch liegt. Vor Jahren hatte der «Parsifal» in Bayreuth inszenieren sowie die Bühnenbilder und Kostüme gestalten sollen. Die Festspiele hatten die Zusammenarbeit Ende 2014 nach «erheblichen Finanzierungsproblemen» beendet.
Meese verarbeitete den Zoff unter anderem in einer Bratwurst-Kasperle-Skulptur, die nach seinen Angaben auf die künstlerische Leiterin der Festspiele, Katharina Wagner, gemünzt ist. In Bayreuth werde Richard Wagner «so was von platt gebügelt», kritisierte er.
Umstritten ist Meese nicht zuletzt wegen seiner Verwendung von NS-Symbolen, etwa dem verbotenen Hitlergruß bei Performances, für das er sich Strafanzeigen ausgesetzt sah. Der Nationalsozialismus sei immer sein Hauptthema gewesen, sagte er in Jena. Daran müsse man sich künstlerisch abarbeiten, dies sei notwendig, sagte er. Zu schaffen macht ihm auch die Gegenwart. «Dass es nach 1945 noch Kriege gibt, ist für mich nullkommanull zu verstehen, ich kann es nicht nachvollziehen», sagte er und fügte hinzu: «Dass wir im Jahr 2026 Kriege noch erleben müssen, ich finde das obszön., dass das überhaupt noch diskutierbar ist.»
Die Ausstellung in Jena ist ab Freitag (27. März) für das Publikum zugänglich und wird bis zum 7. Juni gezeigt. Nach Angaben des Künstlers ist es seine erste große Personalausstellung in Thüringen.