Dieses außergewöhnliche Konzertformat stellt an zwei Abenden Klavierduos aus der notierten Neuen Musik, Klavierduos aus der zeitgenössisch improvisierten Musik gegenüber. Zwei Persönlichkeiten am gleichen Instrument gehen in einen direkten musikalischen Austausch. Hieraus entwickelt sich eine besonders starke Dynamik, die immer wieder aufs Neue zu einmaligen und oft unvorhersehbaren Interpretationen führt.
Das Klavierduo der Neuen Musik widmet sich eingehend der Interpretation notierten Materials. Hier spielen die Betonung, die Agogik, die Verständigung über die Herangehensweise bestimmter Stellen, das Tempo usw. eine besondere Rolle.
Das Klavierduo aus der zeitgenössisch improvisierten Musik genießt höhere Freiheitsgrade, die allerdings auch mit größeren Risiken einhergehen. Die Verständigung findet ad hoc statt, die Entwicklung ist nicht vorhersehbar, die Entscheidungen werden aus dem Augenblick heraus getroffen.
MI 22.04. ::: 20 Uhr
Sophie Raynaud & Jean-Pierre Collot: MANTRA – Karlheinz Stockhausen
Mantra, 1970 von Karlheinz Stockhausen für zwei Klaviere, antike Zimbeln und Ringmodulatoren komponiert, hat seit langem Kultstatus erlangt. Mit diesem Werk, basierend auf einer einzigen Formel – dem Mantra – kehrt Stockhausen zur traditionellen Notation zurück, nachdem er sich ein Jahrzehnt lang der Prozesskomposition, der elektronischen Musik (Hymnen) und der intuitiven Musik (Aus den sieben Tagen…) gewidmet hat. Fasziniert von Anton Webern und Sri Aurobindo, schafft Stockhausen „mit der einheitlichen Konstruktion von Mantra eine musikalische Miniatur der einheitlichen Makro-Struktur des Kosmos.“ Sophie Raynaud und Jean-Pierre Collot (Klavier), Andreas Fischer (Klangprojektion, Klangregie)
MI 22.04. ::: 21:20 Uhr
Kirke Karja & Felix Hauptmann: Underwater Consciousnes
Underwater Consciousness verwischt die Grenzen zwischen freier Improvisation und spontaner Komposition und fängt die Erkundung von texturaler Tiefe, rhythmischer Komplexität und geschichteten Strukturen in einem zarten, zugleich fesselnden Klavierdialog ein. Die Musik entspringt einem gemeinsamen rhythmischen Empfinden und zieht die Hörer:innen in immersive Klanglandschaftenvoller Dringlichkeit und Introspektion. Kirke Karja und Felix Hauptmann (Klavier)
DO 23.04. ::: 20 Uhr
Sophie & Vincent Neeb: Dialoge über die Zeiten hinweg
„Aus dem Strom der musikalischen Zeit tauchen Erinnerungen an Zukünftiges und Ahnungen an Vergangenes auf: das scheinbar Gegensätzliche enthüllt seine innerste Verwandtschaft.“
Diese Vision verwirklichte Bernd Alois Zimmermann in seinen „Monologen“– einem Werk, dem sich das Klavierduo Neeb besonders verbunden fühlt und das im Mittelpunkt seines Debüt-Albums déjà-rêvé steht. Nun nehmen die Geschwister die Zitat-Collagen der Monologe als Ausgangspunkt, um verschiedene Facetten des musikalischen Zitierens und die Beziehung der „neuen“ zur älteren Musik zu beleuchten: Steven Heelein reflektiert in Fragment einen unvollendeten Sonatensatz von Mozart, während Johannes X. Schachtners Pacifico über Schuberts Lied Meeres Stille meditiert. Aber auch schon Maurice Ravels La valse, das die Geister des Wiener Walzers beschwört, steht in einem spannungsvollen Verhältnis zur Tradition. Sophie Neeb und Vincent Neeb (Klavier)
DO 23.04. ::: 21:20 Uhr
Rieko Okuda & Achim Kaufmann: Mirror – Contrast
Das Duo widmet sich der Idee des Spiegelbildes und der Dopplung im Spannungsfeld zu kontrastierenden Klängen. Die Kombination extremer Register lassen orchestrale Wirkungen entstehen, die ein/e Pianist:in allein nicht erzeugen kann. Ihre Musik entsteht im Moment. Geräuschhaftes im Innenbereich des Flügels und tonhöhenbewusstes Spiel auf den Tasten lassen neue Klänge entstehen, die nicht an herkömmliche Klavierklänge denken lassen. Rieko Okuda und Achim Kaufmann (Klavier)