Abschied von vertrauten Stimmen

Neues von den Jazzprogrammen im Hessischen und Westdeutschen Rundfunk


(nmz) -
Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch – dieses Diktum von Frank Zappa ist schon tausendfach bemüht und – was die Geruchsbelästigung angeht – schon oft widerlegt worden. Zum Beispiel jede Woche aufs Neue von Martin Hufner, dem Online-Redakteur der neuen musikzeitung. Woche für Woche publiziert er für Jazzzeitung.de hörenswerte Programm-Preziosen von zwölf öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen unter dem Titel „Jazz im Radio“. Auch wenn die meisten Sendungen nur für Nachtschwärmer geeignet sind, ist seine Recherchearbeit doch jedes Mal ein Beweis für ein diverses, qualitativ gutes und lebendiges Jazz-Radio.
Ein Artikel von Andreas Kolb

Dennoch muss in Zeiten eines öffentlich-rechtlichen Sparradios leider immer wieder Schwund konstatiert werden. Die Tatsache, dass der BR in Burghausen, wo das nach Frankfurt und Berlin drittälteste Jazzfes­tival Deutschlands 2019 sein 50-jähriges Bestehen feiert, kein Fernsehteam mehr vor Ort hat, ist bekannt. Erst letzte Woche dagegen erreichte die Redaktion die Nachricht, dass die Abschiedssendung des Entertainers und Sängers Bill Ramsey am 1. März naht (22:30 HR). Kurz vor seinem 88. Geburtstag Mitte April wird der US-Amerikaner aus Altersgründen aufhören teilte der HR mit. Den meisten durch Hits wie „Wumba Tumba Schokoladeneisverkäufer“ oder „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ bekannt, ist Ramsey auch ein origineller Jazzsänger, dessen große Liebe dem Swing gehört. Die gute Nachricht: Anstelle seiner Sendung „hr-Swingtime“ präsentiert der HR eine neue Sendung „hr2-Jazz Classics“ mit historischen Aufnahmen, die die Jazz-Welt bewegt haben.

Anders dagegen beim WDR 3 Jazz & World: Hier werden Programme um- und Honoraraufträge abgebaut: Vom 1. April an werden dort keine Autorensendungen mehr gesendet, sondern kuratierte und moderierte Playlists. Renommierte Autoren wie Karsten Mützelfeldt, Hans-Jürgen Schaal oder Martin Laurentius – um nur drei zu nennen – werden sich möglichweiser mit Zweieinhalbminütern zufrieden geben müssen. Andrea Zschunke, Leiterin des Programms Musik und Radiokunst dazu: „Wir sind derzeit mit allen Autor/-innen im Gespräch, in welcher Form eine Zusammenarbeit fortgeführt werden kann.“

Als Landesrundfunkanstalt kommt dem WDR ein kulturpolitischer Auftrag zu. Die nmz fragte nach, was nach dem Relaunch mit Initiativen wie WDR 3 campus jazz, der Kooperation von WDR 3 mit den beiden Jazzstudiengängen in Köln und Essen, sowie mit dem WDR Jazzfest oder dem WDR Jazzpreis geschehen wird. Nochmals O-Ton Zschunke: „Die Verleihung des WDR Jazzpreises wird 2020 in Gütersloh fortgesetzt. Die Veranstaltung ist geplant für Samstag, den 1. Februar 2020, mit der WDR Bigband sowie mit der bewährten Moderation von Götz Alsmann. Das WDR 3 Jazzfest, das bislang die Verleihung des WDR Jazzpreises umrahmt hat, wird in eine neue Kooperation mit dem Kulturamt Gütersloh umgewandelt.“

Am 1. April heißt es also, Radio einschalten. Dann geht WDR 3 mit dem Relaunch der Sendestrecke in der Verantwortung der neuen Jazzredakteurin Tinka Koch an den Start.

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