Ain’t No Sunshine

Zum Tod des großen Soulsängers Bill Withers


(nmz) -
1971 war ein großes Jahr für den Soul. Isaac Hayes orchestrierte die Abenteuer von „Shaft“, Sly Stone besang sehr düster eine „Family Affair“ und Marvin Gaye hatte den „Inner City Blues“. Und Bill Withers klagte „Ain’t No Sunshine“. Ein sparsam instrumentierter Zwei-Minuten-Song, der über Nacht zum Welthit wurde, laut Withers inspiriert von dem Alkoholiker-Melodrama „Days Of Wine And Roses“, inszeniert von Blake Edwards! Er wurde oft gecovert, von Isaac Hayes, Roland Kirk oder dem jungen Michael Jackson.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Es war Booker T. Jones von der Stax-Hausband Booker T. & the M.G.’s, der ein Demotape mit den eigenen Songs des afro-amerikanischen Hobbymusikers aus West Virginia gehört hatte und daraufhin sein grandioses Debütalbum „Just As I Am“ für Sussex Records produziert hat, der damaligen Plattenfirma auch des vor einigen Jahren wieder entdeckten Rodriguez. Durch den Arrangeur Mike Theodore, der für die sehr sanften Streicher auf „Ain’t No Sunshine“ verantwortlich war, gab es zwischen den beiden Debütalben (die eine Verbindung von Soul & Folk-Elementen pflegten) eine hörbare Verbindung, nur dass das eine Album ein Flop war und das andere sich zum  Millionenseller entwickelt hat. Bald darauf folgte ein zweites Album, das zum Soul-Klassiker wurde: „Still Bill“, mit den Hits „Use Me“ und „Lean On Me“. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere erschien als dritter Streich eines der schönsten Live-Alben der siebziger Jahre: „Live At Carnegie Hall“.

Neben einem großartigen neuen Song, „I Can’t Write Left-Handed“ über einen behinderten Kriegsveteranen, gab es wunderbare Versionen von „Harlem“, „Grandma’s Hands“ oder „Lean On Me“ als Gospelsong. Eine schöne Ergänzung zu Aretha Franklins grandioser „Amazing Grace“-Doppel-LP. Weithin unterschätzt blieb bis heute sein viertes und letztes Album für Sussex: „+’Justments“. Vielleicht auch deshalb, weil darauf ein „Hit“ fehlt. Dabei schrieb Withers dafür einige seiner schönsten Songs jener Phase: „You“, „Ruby Lee“ und „Railroad Man“. Nach dem finanziellen Zusammenbruch von Sussex 1975 landete Withers bei Columbia. Dort verlor er im Laufe der Zeit immer mehr seine „Inspiration“, wie er nach dem Ende seiner Karriere Mitte der achtziger Jahre erzählt hat. Vorher waren ihm aber noch zwei ganz große Hits gelungen: „Lovely Day“ und „Just The Two Of Us“, begleitet von dem Saxophonisten Grover Washington Jr.  –Songs, die wie „Ain’t No Sunshine“ zu Evergreens wurden. Bill Withers starb am 30. März im Alter von 81 Jahren in Los Angeles.

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