„Auf’s zärtlichst von mir geliebt“

Eine Biografie ehrt Mozarts Ehefrau Constanze


(nmz) -
Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte. Was Schiller über seinen Dramenheld Wallenstein sagt, trifft auch auf Constanze Mozart (1762–1842) zu; die Urteile über sie reichen von liebender Gattin bis zu egoistischer, raffgieriger und geistloser Frau, ja manche Urteile gaben ihr indirekt eine Mitschuld am Tode Mozarts. Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer beispielsweise attes­tierte ihr eine „bestürzende Banalität“. Der Geniekult um den Komponisten duldete ganz offensichtlich keine bedeutende Partnerin neben ihm.
Ein Artikel von Dirk Klose

Seit einiger Zeit sind die Urteile freundlicher geworden, wofür als jüngstes Beispiel die voluminöse Biographie der schwedischen Musikwissenschaftlerin Viveca Servatius steht. In dieser materialreichen Arbeit wird Constanze Mozart als eine Frau gezeigt, die Mozart durchaus angeregt und inspiriert hat, ihm eine gute Ehefrau und liebevolle Mutter ihrer Kinder war, später alles daran setzte, dessen Ruhm lebendig zu halten und sich mit deutlichem Selbstbewusstsein auch in zweiter Ehe stets „gewesene Wittwe Mozart“ nannte.

Bekanntlich war Mozart anfangs an einer Verbindung mit der älteren Schwester Aloisia aus der großen Musikerfamilie Weber interessiert, was aber deren Mutter verhinderte. Constanze war dann von 1782 bis 1791 mit Mozart verheiratet; im Jahre 1809 ging sie eine zweite Ehe mit dem dänischen Diplomaten Georg Nikolaus Nissen ein, der 1826 starb, worüber sie später schrieb: „Ich hatte zwey große ausgezeichnete Männer, von denen ich gelibt und, ich muß sagen, angebethet wurde; auch sie wurden beyde gleich, aufs zärtlichst von mir geliebt, ich war daher zweymahlen vollkommen glücklich.“

Nach Mozarts Tod gelang es ihr dank hochherziger Hilfen, ein Abgleiten in eine bedrohliche „Noth“ zu verhindern. Ab 1797, als sie Nissen kennengelernt hatte und bald mit ihm zusammenlebte, waren die schwierigsten Jahre vorbei. Als Nissen nach Kopenhagen zurückbeordert wurde, lebte sie dort von 1810 bis 1820; später zog das Ehepaar nach Salzburg, wo Nissen die erste bedeutende Mozart-Biographie schrieb – ein Buch, das Constanze nach Nissens Tod geschäftstüchtig vermarktete. Hochgeachtet verbrachte sie ihre letzten Jahre in Salzburg, der wachsende Mozartruhm (böse Zungen sprachen bereits von „Mozartrummel“) kam gleichermaßen ihr wie der Stadt entgegen.

Die schwedische Autorin hat den Lebensweg von Constanze Mozart geradezu akribisch nachgezeichnet, in einzelnen Lebensphasen fast von Monat zu Monat. Mitunter fragt sich der Leser dann doch, ob dieser Lebensweg, der letztlich ohne allzu dramatische Höhepunkte verlief, nicht kürzer hätte gefasst werden können. Das Leben mit Mozart selbst umfasst nur ein Drittel des Buches, danach erlebt man sie an der Seite Nissens und in unermüdlicher materieller und ideeller Pflege des Mozart’schen Erbes. Die Autorin untermauert ihr positives Urteil über ihre Protagonistin stets mit überzeugenden Nachweisen; gelegentlich reagiert sie etwas spitz, ja deutlich unwillig auf eher kritische Meinungen über Constanze und tadelt eine unangemessene „Herabwürdigung“. Ihr Fazit: Constanzes Bedeutung als Mozarts Helferin und Ehefrau sowie für seinen Nachruhm sei „nicht nur beweisbar, sondern auch unbestreitbar“. Schwer vorstellbar, dass nach dieser Biographie die Kritik wieder völlig ins Gegenteil umschlägt.

  • Viveca Servatius: Constanze Mozart. Eine Biographie, aus dem Schwedischen von Krister Hanne, Böhlau, Wien u.a. 2018, 653 S., Abb., 50,00, ISBN 978-3-205-20596-8

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