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Alle Artikel kategorisiert unter »Dirk Klose«

Das farbenreiche Leben eines Genies und Narrs

09.07.21 (Dirk Klose) -
In Wien war der Komponist Adalbert Ritter von Goldschmidt eine zentrale Persönlichkeit der Kulturszene. Aber um die Jahrhundertwende begann sein Ruhm zu verblassen; immer heftigeren antisemitischen Schmähungen ausgesetzt, zog er sich mehr und mehr zurück, und als er im Jahr 1906 ziemlich verarmt starb, folgten nur ein Kritiker und Karl Kraus dem Sarg. Jetzt ruft eine Biographie des auch als Dramaturg arbeitenden Lyrikers Christian Filips dieses farbenreiche Leben in Erinnerung, – das Leben eines Künstlers, der gleichermaßen „Genie und Narr“ oder, wie er sich selbst beschrieb, ein „Unsterblichkeitsclown“ war.

Wagner und das ewige Brodeln

10.04.21 (Dirk Klose) -
Die Bayreuther Festspiele haben sich immer als eine Art Werkstatt verstanden. Aber seit Anbeginn brodelte es auch: Sollte man die Opern ihres Begründers möglichst werkgetreu nach dessen Vorgaben inszenieren, was trotz seines berühmten Ausspruchs „Kinder! Macht Neues!“ lange als Credo galt, oder der Maxime folgen, zu der sich selbst die Traditionshüterin Winifred Wagner 1931 durchrang: „Der Inhalt ist ewig, die Form ist wandelbar“? Die faszinierende Einheit seines Gesamtkunstwerks mit Ton, Geste und Bild wird wohl auch künftig ebenso spalten wie animieren.

Ungebrochene Faszination

22.03.20 (Dirk Klose) -
Thomas Mann, Donald Duck und Adolf Hitler eint ihre Liebe zu Richard Wagner. In ihrer Verehrung für dessen Werk „gelten sie sogar als Wagnerianer.“ So sagt es die Musikwissenschaftlerin Elfi Vomberg in ihrer Untersuchung über „Wagner-Vereine und Wagnerianer heute“. Bei Thomas Mann weiß man es ja („die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben“); auch Hitlers Begeisterung kennt man, aber der Enthusiasmus der quirligen Ente aus Entenhausen ist doch eine Überraschung. Aber wie so oft bei Wagner: man lernt nie aus!

Künstlerin mit „Musik in sich selbst“

14.07.19 (Dirk Klose) -
Am 8. Dezember 1957 gab Clara Schumann in Zürich ein Konzert mit Werken von Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Eine Zeitung schrieb darüber: „Es wird gleich nach einigen Akkorden schon zur Evidenz gewiss, dass Frau Schumann zu der kleinen Zahl jener Künstlernaturen zählt, die in der That ,Musik haben in sich selbst‘.“ Dieser Lobeshymne könnte man unzählige andere anschließen; mehr als sechzig Jahre hat Clara Schumanns Bühnenkarriere gedauert, die von Anfang an von Erfolgen und Beifallsstürmen begleitet war.

„Auf’s zärtlichst von mir geliebt“

18.06.19 (Dirk Klose) -
Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte. Was Schiller über seinen Dramenheld Wallenstein sagt, trifft auch auf Constanze Mozart (1762–1842) zu; die Urteile über sie reichen von liebender Gattin bis zu egoistischer, raffgieriger und geistloser Frau, ja manche Urteile gaben ihr indirekt eine Mitschuld am Tode Mozarts. Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer beispielsweise attes­tierte ihr eine „bestürzende Banalität“. Der Geniekult um den Komponisten duldete ganz offensichtlich keine bedeutende Partnerin neben ihm.

Kulturelle Identität Europas im Fokus

18.02.19 (Dirk Klose) -
„Tradition oder das, was gewöhnlich als Tradition bezeichnet wird, ist oft nur ein Synonym für Trägheit, denn die sogenannte Aufführungstradition, die den Werken anhaftet, spiegelt nicht notwendigerweise ihr wirkliches Wesen wider.“ In diesen kurzen Sätzen ist der ganze Gerard Mortier enthalten, wie man ihn aus Opern und Theatern kennt. Sein Credo: Theater und Musik, überhaupt jede Kunst, ist nichts Museales, sondern muss ein Ort der lebendigen Auseinandersetzung sein und zur Harmonie im menschlichen Zusammenleben beitragen.

Sensibilität, Innigkeit und Kontemplation

07.10.18 (Dirk Klose) -
Die Person Max Reger (1873–1916) ist wegen unzähliger Anekdoten über ihren sarkastischen Witz und ihres ewigen Appetits auf Festes und Flüssiges fast bekannter als der Komponist Max Reger. Aus dem Konzertsaal kennt man seine Mozart- und Hiller-Variationen, von seinen zahlreichen Orgelwerken am ehesten „Phantasie und Fuge über B-A-C-H“. Aber wie vieles wäre zu entdecken: weitere Orchesterwerke, Lieder (mehr als Richard Strauss!) und Kammermusik, die fast alles Vergleichbare ihrer Zeit in den Schatten stellt.

Stilbildend bis in unsere Zeit

15.06.18 (Dirk Klose) -
Ungeahnt wie der Blitz aus heiterem Himmel zuweilen niederfährt, so habe er, schreibt der 31-jährige Architekt Paul Otto Brückwald, am 24. April 1872 die Anfrage erhalten, ob er Zeit und Lust habe, das Wagner-Theater in Bayreuth zu bauen. Und kurz darauf trifft vom Meister selbst eine Depesche ein, in der um „gefällige Benachrichtigung“ gebeten wird, „ob Sie unseren Wunsch erfüllen wollen und schnellstmöglichst hierfür eintreten können“. Brückwald glaubte zunächst zu träumen, aber dazu blieb nicht viel Zeit. Einen Monat später wurde der Vertrag unterschrieben; vier Jahre später wurde das Festspielhaus mit der „Götterdämmerung“ eröffnet.

Dramatisches Künstlerleben

19.04.18 (Dirk Klose) -
Immer wieder erstaunt, dass Komponisten, die zu ihrer Zeit hoch geschätzt waren, bald nach ihrem Tode, mitunter schon zu Lebzeiten völlig vergessen, gewissermaßen „no names“ wurden. Der in Brünn geborene, in Wien aufgewachsene, später in die USA emigrierte Erich Wolfgang Korngold beispielsweise wurde selbst von Richard Strauss als Wunderkind bestaunt; als 23-Jähriger hatte er 1920 mit seiner Oper „Die tote Stadt“ einen der größten Opernerfolge im frühen 20. Jahrhundert. Doch 1952 musste er verbittert feststellen: „die heranwachsende Generation weiß nichts mehr von mir.“ Selbst die runden Lebensdaten in diesem Jahr – vor 120 Jahren geboren und vor sechzig Jahren gestorben – haben kaum Widerhall gefunden (Simon Rattle wird in einem seiner letzten Konzerte mit den Berliner Philharmonikern im Juni 2018 Korngolds Filmmusik zu „The Adventures of Robin Hood“ bringen).

Der Sachse, der mehr konnte als alle anderen

13.06.17 (Dirk Klose) -
„Invero il Sassone ne sa più tutti“ – der Sassone kann einfach mehr als all die anderen, schrieb im November 1759 ein Bewunderer des Komponisten Johann Adolf Hasse nach der Aufführung von dessen Oper „Achille in Sciro“ in Nea­pel. Damit stand er nicht allein; der 1699 in Bergedorf bei Hamburg geborene, aber die meiste Zeit in Italien, Wien und Dresden und damit inmitten des dort dominierenden italienischen Kunstgeschmacks lebende Hasse galt zu seiner Zeit als einer größten Opernkomponisten. Um so erstaunlicher und bis heute kaum richtig erklärbar dann schon wenige Jahre nach seinem Tod (1783 in Venedig) der tiefe Sturz; Hasse verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein, erst in jüngster Zeit hat eine zaghafte Wiederentdeckung eingesetzt; von einer eigentlichen Renaissance kann man aber (noch) nicht sprechen.
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