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Alle Artikel kategorisiert unter »Dirk Klose«

Der Sachse, der mehr konnte als alle anderen

13.06.17 (Dirk Klose) -
„Invero il Sassone ne sa più tutti“ – der Sassone kann einfach mehr als all die anderen, schrieb im November 1759 ein Bewunderer des Komponisten Johann Adolf Hasse nach der Aufführung von dessen Oper „Achille in Sciro“ in Nea­pel. Damit stand er nicht allein; der 1699 in Bergedorf bei Hamburg geborene, aber die meiste Zeit in Italien, Wien und Dresden und damit inmitten des dort dominierenden italienischen Kunstgeschmacks lebende Hasse galt zu seiner Zeit als einer größten Opernkomponisten. Um so erstaunlicher und bis heute kaum richtig erklärbar dann schon wenige Jahre nach seinem Tod (1783 in Venedig) der tiefe Sturz; Hasse verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein, erst in jüngster Zeit hat eine zaghafte Wiederentdeckung eingesetzt; von einer eigentlichen Renaissance kann man aber (noch) nicht sprechen.

Unter Hitlers persönlichem Schutz

14.06.16 (Dirk Klose) -
Mit einem dichten Netz neuer Ämter und Behörden zwang das NS-Regime Staat und Gesellschaft seinen Willen auf. Das galt für alle Lebensbereiche, auch für Bildung und Kultur. Im Herbst 1933 war mit der Reichskulturkammer (RKK) ein Instrument geschaffen worden, das mit seinen sieben untergeordneten „Kammern“ zu Rundfunk, Film, bildenden Künsten, Theater, Literatur, Presse und Musik bald alles kulturelle Leben im Griff hatte. Die RKK unterstand Goebbels’ Propagandaministerium und war strikt an dessen Vorgaben gebunden.

Kompromisslose Kunstauffassung

15.12.15 (Dirk Klose) -
Die Jahre, in denen große Liedsänger wie Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey oder Peter Schreier die Konzertsäle füllten, sind vorbei. Große Stimmen werden derzeit vor allem mit der Oper verbunden; der Liedgesang wird nicht mehr als unerlässlich für ein abgerundetes Künstlertum empfunden. Anders der 1969 in Straubing geborene Bariton Christian Gerhaher; er sieht sich noch immer, trotz erfolgreicher Opernauftritte an zahlreichen Bühnen, vor allem dem Lied und dem Oratorium verpflichtet. Die vielen Auszeichnungen, die er seit etwa 15 Jahren erhalten hat, beziehen sich fast ausschließlich auf den Liedsänger Gerhaher.

Bessere Lebensbedingungen schaffen

15.09.15 (Dirk Klose) -
Menschen mit Demenz leben häufig nur noch am Rand der Gesellschaft. Selbst von engsten Angehörigen wird meist nur mit Trauer wahrgenommen, dass sie am gemeinsamen Leben nicht mehr teilnehmen. Ganz falsch, sagen die Autoren dieses Buches: „Es gibt Alternativen im Umgang mit der Demenz [...]. Das Leben mit Demenz ist kein entwicklungsloser Zustand.“ Und gerichtet an die Hauptzielgruppe dieser Publikation: „Junge Musiker sollen für andere Praxisfelder begeistert werden als nur für den Konzertsaal oder das Konservatorium.“ Die wirklich interessante Entwicklung musikalischer Praxis sei heute, „dass die Musik zur Arbeit an sozialen Problemen beitragen kann, die mit den ,klassischen‘ Mitteln sozialer Arbeit nicht mehr gelöst werden können“.

Zwischen Wohlbefinden und Leistungsdruck

03.02.15 (Dirk Klose) -
Musik, was ist sie, was bewirkt sie? Die Sängerin Edda Moser sagt: „Musik weckt Gefühle auf, die tief in uns schlummern. Musik erreicht Nerven und Gefühle im Körper, die normalerweise stillgelegt sind.“ Aber wer sich ihr verschreibt, zumal das Singen zum Beruf macht, erlebt meist etwas ganz anderes. Sängerin oder Sänger zu sein, ist Hochleistungssport, und die entsprechende Plackerei dominiert alles andere.

Geschichte kann man auch hören

31.08.14 (Dirk Klose) -
Die Geschichtswissenschaft hat bislang allzu sehr auf das Auge gesetzt. Man „sieht“ historische Zeugnisse und „liest“ Quellen und Darstellungen. Aber Geschichte „hört“ man doch auch: Fast jedes Geschehen ist mit Geräuschen verbunden: Wir hören Stimmen, Musik oder Verkehrslärm und diese alle im Zusammenhang mit einem Ereignis. Was für den Einzelnen gilt, gilt mehr noch für die Geschichte der Völker: Markante Reden (Ernst Reuters „Völker der Welt“ von 1948) oder tönende Parolen in Demonstrationen („Wir sind das Volk“) rufen sofort historische Erinnerungen wach.

Musik und Größenwahn

06.07.14 (Dirk Klose) -
Die zahlreichen Gedenkfeiern im vergangenen „Wagnerjahr“ hatten bei aller Beachtung der politischen Folgen Wagner’schen Denkens den Schwerpunkt doch auf dessen Musik und deren Interpretation gelegt. Wie anders vor 100 Jahren, als der 100. Geburtstag des Bayreuther Meisters mit einem heute fast unvorstellbaren nationalen Pathos gefeiert wurde! Alles an Wagner, seine Musik, seine politischen Auslassungen und sein Kraftakt, mit dem Festspielhaus in Bayreuth eine einmalige nationale Weihestätte geschaffen zu haben, wurde beispielhaft für ein endlich zu sich selbst gefundenes Deutschtum genommen.

Aus Europas Salons in ein „märchenhaftes Land“

02.03.14 (Dirk Klose) -
Der portugiesische König war im November 1807 vor den heranrückenden Soldaten Napoleons nach Brasilien geflohen. Die komplette Verlagerung eines europäischen Königshofes nach Übersee hatte für beide Reichsteile gravierende Folgen: Sie wurden als „ein“ Königreich definiert, Rio de Janeiro wurde dessen Hauptstadt. Das Ereignis hatte außerdem weitreichende kulturelle Folgen, auch in der Musik. Im Jahre 1819 wurde in Rio erstmals Mozarts Requiem aufgeführt; ein Jahr später wurde als erstes Musikbuch Lateinamerikas eine 1810 in Paris gehaltene Preisrede von Joachim de Breton auf Joseph Haydn auf Portugiesisch veröffentlicht. Der Übersetzer, ein hochgebildeter Beamter, hatte seinen Text dem aus Salzburg stammenden Haydn-Schüler Sigismund Neukomm gewidmet. Neukomm war zwischen 1816 und 1821 Gast des Königshofes. Er gilt als Begründer des modernen brasilianischen Musiklebens.

Mit der Axt gegen Flügel und Klavier

05.10.13 (Dirk Klose) -
Im Sommer 1964 wurde auf dem Campus der Freien Universität Berlin ein Klavier zertrümmert. Drei mit Äxten bewaffnete junge Männer schlugen auf ein Instrument ein, das erst nach zäher „Gegenwehr“ seinen Geist auf- gab. Zahlreiche Studierende beklatschten das Spektakel, u nter ihnen auch Redakteure einer Tendenzpresse, die tags darauf vehement den „moralischen Niedergang“ Berliner Studenten beklagten.

Die Kunst der Verknappung

03.07.13 (Dirk Klose) -
Stephen Johnson: Klassik; David McCleery: Romantik, beide Bände übersetzt von Maria Heyne, Reihe: Musik entdecken Lambert Schneider Verlag, Darmstadt 2013, 112 bzw. 160 S., jeweils € 19,90, ISBN 978-3-650-25765-9 bzw. ISBN 978-3-650-25766-6
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