Ausgeweitetes Übungsmaterial, neue Stücke

Das Unterrichtskonzept „Streicher sind klasse“ in einer überarbeiteten Neuauflage


(nmz) -
Streicher- und Bläserklassen erfreuen sich als Paradedisziplin des Klassenmusizierens immer größerer Beliebtheit an weiterführenden Schulen. Was in der Theorie harmonisch klingt, stellt sich in der Praxis oft als große Herausforderung für alle Beteiligten dar – Stichwort Heterogenität. Dennoch liegt im gemeinsamen Erlernen der Instrumente ein entscheidender Vorteil in der pädagogischen Herangehensweise an Schulmusik. Das Musikmachen steht als unmittelbares Ziel zunächst über dem Erlernen musiktheoretischer Inhalte. Allerdings macht eben die Praxis infolgedessen die Theorie zur Notwendigkeit. Damit erübrigt sich die in so manchem Musiksaal oft berechtigt gestellte Frage: Wozu Notenlesen?
Ein Artikel von Valerie Probst

Birgit und Peter Boch teilen den Ansatz der Verknüpfung von Musizieren mit Lehrplaninhalten und ihre Erfahrungen aus 28 Jahren Streicherklassenunterricht. Mit der im Schott-Verlag erschienenen Neuauflage von „Streicher sind klasse“ stellen sie eine ausführliche Unterrichtskonzeption vor, in der sie mit differenzierten Methoden auf der Basis von Rolland und Kodály systematisch durch zwei bis drei Jahre Streicherklassenunterricht in der Sekundarstufe I leiten. Das Konzept beruht auf der Kooperation von Musikschule und Schule im „Teamteaching“ zweier Lehrkräfte aus den jeweiligen Institutionen. Musiktheoretische und spieltechnische Kenntnisse werden aufbauend eingeflochten. Die nach zehn Jahren vollständig überarbeitete Neuauflage bietet ein ausgeweitetes Übungsmaterial mit neuen, eigens komponierten Stücken sowie einen „integrierten Übergang von der Streicherklasse zur Orchesterarbeit“. Zu den Unisono-Stücken kommen Arrangements für Streichquintett hinzu. Im ausführlichen Lehrerband findet sich neben Anleitungen, Tipps und Hintergrundinformationen eine Argumentation für die Rechtfertigung von Streicherklassen gegenüber Schulleitung und Eltern, die von der Kultur­erschließung bis zu umstrittenen Transfereffekten reicht. Offenbar ist es bittere Realität, dass die Umsetzung von Streicherklassen mit allen Mitteln verteidigt werden muss. Man sollte allerdings meinen, professionalisierte Lehrende der Schulmusik wüssten ihr Schaffen zu rechtfertigen – macht diese Legitimation doch einen eminenten Bestandteil musikpädagogischer Ausbildung aus.

Der Lehrerband wird ergänzt durch einen Klavier-Begleitband und vier Schülerbände für die Instrumentengruppen Violine, Viola, Cello und Kontrabass – ansprechend und liebevoll gestaltet. Die Bände sind mitunter sehr vollgepackt mit kurzen Musikstücken, altersgerechten Erklärtexten und Fotos zu Haltung und Spielanweisungen. Den Autor*innen nach sollen die Schülerhefte aber nicht unbedingt linear „von Seite zu Seite“ genutzt werden, sondern bedürfen gemäß individueller Anforderungen der Gruppe einer Auswahl durch die Lehrkraft. Auf den altbekannten Wegen von Solmisation und Rhythmussprache gehen die Schüler*innen der Musik Schritt für Schritt auf den Grund. Die variablen Zugänge finden sich neben Spielanweisungen und Fingersätzen als Abkürzungen, Buchstaben und Silben über den Notenköpfen. Für die Schüler*innen gilt es dabei nur noch, den Überblick zu bewahren.

Die vielversprechende Idee des Begleitklaviers umgeht wohl die Problematik der klanglich oft unzulänglichen Ergebnisse von Streicherklassen im Anfangsstadium und trägt zur Motivation der Streicher*innen bei. Audiomaterial würde diese Funktion auch für zuhause perfekt ergänzen. „Streicher sind klasse“ kann für Lehrerinnen und Lehrer einen wertvollen Leitfaden zur Systematisierung im Sinne des Aufbauenden Musikunterrichts darstellen.

  • Birgit und Peter Boch: Streicher sind klasse. Schule für Streicherklassen und Gruppenunterricht. Lehrerband, Schott Music ED 23128

 

 

 

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