Balladen, Klassiker und ein Bravourstück

Reiche Auswahl an neu erschienener Spielliteratur für die Querflöte


(nmz) -
Frank Martin: Deuxième Ballade pour flûte et piano +++ Theobald Böhm: Fantaisie sur des airs écossais für Flöte und Orchester opus 25 (Klavierauszug) +++ Johann Joachim Quantz: Konzert e-Moll für Flöte, Streicher und Basso Continuo/Flöte und Klavier +++ W. A. Mozart: Konzert für Flöte und Orchester D-Dur KV 314, Partitur. +++ Irmhild Beutler, Sylvia Corinna Rosin: Advent, Advent!
Sehr leichte Weihnachts- und Winterlieder mit 2-4 Tönen für die Querflöte +++ Claude Debussy: Syrinx pour flûte seule
Ein Artikel von Gabriele Sebald

Frank Martin: Deuxième Ballade pour flûte et piano. UE 34 699

Wer die erste Ballade, „die“ Ballade, von Martin kennt, tut sich vielleicht etwas schwer mit diesem Werk. Es ist eine Bearbeitung der Ballade für Saxophon und Orchester durch den Komponisten. Leider geht aus dem Vorwort nicht hervor, warum er die Erstfassung für Flöte umgearbeitet hat. Melodische und rhythmische Elemente erinnern an die Ballade für Flöte, beziehungsweise zeigen Martins Handschrift. Gestalterisch sind beide Balladen ähnlich aufgebaut, mit sich abwechselnden lyrischen und stürmischen Elementen. Ausreizung des Tonraumes in alle Registern, Virtuosität der Finger, eine große Kadenz für das Soloinstrument und etliche solistische Passagen des Klaviers fordern beide Spieler heraus. Trotz allem steht die Frage im Raum, ob diese Ballade einen ähnlichen Stellenwert im Repertoire der Flötisten erlangen wird wie die „originale“. Der Druck ist gut zu lesen, alle Temposchwankungen sind mit Metronomangaben markiert.

Theobald Böhm: Fantaisie sur des airs écossais für Flöte und Orchester opus 25 (Klavierauszug). Ed. Schott, BSS 11434, ISMN 979-0-001-17335-3

Theobald Böhm war neben seinem heutigen Ruhm als Flötenneuerer ein sehr guter Flötenspieler und als reisender Virtuose schrieb er sich die Stücke auf den Leib, so dass wir heute staunen, was auf den damaligen Instrumenten machbar war. In dieser Fantasie nahm er bekannte schottische Volkslieder als Themen, die er nach einer Einleitung nacheinander vorstellt, variiert, miteinander verquickt und mit einem fulminanten Finale beendet. Das Klavier respektive Orchester sekundiert in dezenten Akkorden und verschafft dem Solisten in einigen Überleitungen etwas Luft. Das alles wurde als Reprint neu herausgegeben und mit einem erläuternden Vorwort von Johannes Weigart ergänzt. Haben Sie Lust bekommen auf eine virtuose Pièce?

Johann Joachim Quantz: Konzert e-Moll für Flöte, Streicher und Basso Continuo/Flöte und Klavier. Hofmeister Leipzig, FH 3355, ISMN 979-0-2034-3355-2

Vorliegendes Konzert, das im Erstdruck erschienen ist, ist undatiert. Vieles deutet aber darauf hin, dass es eine Komposition aus Quantz´s Dresdener Zeit war, als er als Flötist im „Polnischen Orchester“ angestellt war. Hier nutzte er die Gelegenheiten, Musik und Musikstile kennenzulernen, kam in Kontakt mit der Musik Italiens und Frankreichs. Besonders Vivaldis Einfluss schimmert durch die beiden Ecksätze. Der Flötenpart im ersten Satz (Allegro im alla breve) ist sehr motorisch und läuft fast ausnahmslos in Sechzehnteln. Die Strukturen der Dreiklangsbrechungen und Tonleitern könnten auch gut zu einer Geige passen. Der dritte Satz (Presto) ist ein geschwindes Rondo. Das langsame Grave, ein inniges Lied, nur 19 Takte lang und zart begleitet durch Violinen I/II im Unisono. Das Konzert hat formal den Charakter eines Concerto Grosso. Das Orchester spielt eigene Themen, die Sätze einleitend und beschließend und als Zwischenspiele, die sich quasi in Zwiesprache mit den Flötenpassagen abwechseln. Das Werk ist nicht umfangreich aber man sollte über eine gute Technik verfügen, sonst könnte aus dem spritzigen Konzert öde Langeweile werden. Allem ist ein sehr ausführliches, lesenswertes Vorwort zu Quantz und seiner Musik vorangestellt.

W. A. Mozart: Konzert für Flöte und Orchester D-Dur KV 314, Partitur. Breitkopf Urtext Nr. 5308, ISMN 979-0-004- 21208-0. Ausgabe für Flöte und Klavier. Breitkopf Nr. 8047 Urtext ISMN 979-0-004-18342-7

Nach anderen bekannten Verlagen hat der Verlag Breitkopf eine eigene Neuausgabe des Flötenkonzertes D-Dur von Mozart nach dem Urtext herausgebracht. Es war zu erwarten, da dieser Verlag das Gros an Spielmaterial für die Orchester stellt und die Ausgaben weitgehend harmonieren sollten. Der Münchener Flötist Henrik Wiese hat die Herausgabe wissenschaftlich begleitet, was an den sehr ausführlichen Revisionsberichten zu ersehen ist. Wiese betreute auch die Neuausgabe der Flötenstimme mit Klavierauszug im gleichen Verlag. Das Vorwort zu Entstehungsgeschichte, Quellen und Edition in deutsch und englisch ist dasselbe wie in der Partitur. Der Notentext ist gut zu lesen, mit etlichen Einzügen des Orchestertextes in Stichnoten an wichtigen Stellen. Auf einem Extrablatt schlägt Wiese mehrere Varianten für Kadenzen vor, die der Spieler sich nach Gusto selber zusammenstellen kann oder als Anregung nehmen kann für eigene Kreationen.

Der Klavierauszug, erstellt von Jan Philip Schulze, enthält viele Angaben zur jeweiligen Instrumentierung, was die Arbeit mit dem Pianisten spannend machen kann. 

Irmhild Beutler, Sylvia Corinna Rosin: Advent, Advent!
Sehr leichte Weihnachts- und Winterlieder mit 2-4 Tönen für die Querflöte. Breitkopf Pädagogik EB 8826, ISMN 979-0-004-18391-5

Dieser Band mit leichtesten Liedern zur Weihnachtszeit füllt eine Marktlücke. Erfundene oder auch bekannte Texte wurden unter leichte 2-4- Ton Melodien gelegt, mit einer zweiten Stimme versehen und durch eine leichte Klavierbegleitung harmonisiert. Und schon ist jeder Anfänger glücklich, allein oder mit anderen, in der Weihnachtszeit Musik machen zu können. Ursprünglich für Blockflöte konzipiert sind die Lieder in diesem Heft sowohl für die klappenlosen Kinderflöten als auch für normale Querflöten spielbar.

Claude Debussy: Syrinx pour flûte seule. Bärenreiter Urtext, BA 8733, ISMN 979-0-006-54023-5

Dieser neuen Urtextausgabe liegt der Erstdruck durch den Verlag Jobert zu Grunde, weil das Autograph verschollen ist. So fällt beim Lesen des Notentextes auf, dass die aus anderen Ausgaben bekannten Atemzeichen bis auf zwei fehlen. Diese stammen nämlich aus der Abschrift von dem Flötisten L. Fleury, der das Solostück zur Uraufführung brachte. Alles in allem gibt es keine wesentlichen Abweichungen beider Druckvorlagen. Ein interessanter Bericht zur Entstehung des Werkes und zu den Quellen rundet die Neuausgabe ab.

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