Bühnenzauber und stilles Wasser

Uraufführungen 2016/06


(nmz) -
Stets still und zurückhaltend auftretend, nur wenig und wenn überhaupt, dann allenfalls mit leiser Stimme sprechend, ist der 1955 in Hiroshima geborene Toshio Hosokawa zugleich einer der produktivsten, international gefragtesten und präsentesten Komponisten der Gegenwart. Sein Œuvre umfasst an die 200 Titel. Davon entstanden allein in den letzten 10 Jahren 70 Werke, neben Solo- und Kammermusik auch mehrere großbesetzte Orchesterwerke, Konzerte und Opern.
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Im Mai gab es von Hosokawa gleich vier Uraufführungen, allein drei beim Festival ACHT BRÜCKEN / Musik für Köln“: ein Quintett sowie ein Oboen- und ein Viola-Solostück. Im vergangenen Monat uraufgeführt wurde im japanischen Hokkaido auch Hosokawas Violin-Solostück „Extasis“, gespielt von der japanischen Geigerin Sayaka Shoji. Und zu seinen vielen Stücken, die mit Stille, Landschaft, Garten, Blumen, Tages- und Jahreszeiten, Wind, Wasser, Meer, Ozean und Fluss betitelt sind, kommt jetzt im Juni das Blockflötenkonzert „Sorrow River“ hinzu. Die Uraufführung erfolgt am 14. Juni in der Hamburger Laeiszhalle durch den Solisten Jeremias Schwarzer und das Ensemble Resonanz unter Leitung des Komponisten: Nach der bekannte Ecriture des japanischen Meisterkalligraphen vermutlich eine in Silbermondlicht getauchte, sanft sich kräuselnde und wieder glättende Klangwelle mehr.

Ansonsten steht der Juni im Zeichen neuen Bühnenzaubers. Vom 28. Mai bis zum 9. Juni bietet die erstmals von Daniel Ott und Manos Tsangaris geleitete Münchener Biennale für neues Musiktheater 14 Uraufführungen, von David Fennessy, Simon Steen-Andersen, Meriel Price, Georges Aperghis, Cathy van Eck, Brigitta Muntendorf, Stephanie Haensler, Charles Sadoul, Genoël von Lilienstern, Hugo Morales Murguía, sowie Gemeinschaftsprojekte von Judith Egger und Neele Hülker, ein installatives Musiktheater von Ole Hübner, Rosalba Quindici und Benedikt Schiefer sowie als Partizipationsprojekt „Eine Volksoper“ unter der Leitung von Catherine Milliken, Robyn Schulkowsky und Dietmar Wiesner. Zwei neue Opern gibt es auch in den USA: Am 16. Juni erfolgt in Minneapolis/Minnesota die Premiere von Steven Mackeys „Orpheus Unsung“, einer „Oper ohne Worte“ für E-Gitarre, Percussion, Tanz und Video. Und am 17. Juni geht in Cincinnati/Ohio Gregory Spears’ „operatic adaptation“ der gleichnamigen Novelle von Thomas Mallon „Fellow Travelers“ erstmals über die Bühne. Am 27. Juni präsentiert schließlich das traditionsreiche südenglische Glyndebourne-Festival eine neue Oper von Brett Dean, passend zum 400. Geburtstag von Shakespeare und basierend auf dessen Drama „Hamlet“.

Weitere Uraufführungen

03.06.: Iris ter Schiphorst, neues Werk für Philharmonisches Orchester, Staatstheater Cottbus
03./18.06.: José María Sánchez Verdú, KEMET (Schwarze Erde) für Blockflöte und Kammerorchester, und DESHERET (Rote Erde) für großes Orchester, Dresden
04.06.: Moritz Eggert, Muzak für großes Orchester, Herkulessaal München musica viva
07.06.: Maximilian Marcoll, Amproprification Nr. 2 für Klarinettistin Heather Roche, ON – Neue Musik Köln
08.06.: Beat Furrer, Kaleidoscopic memories für Kontrabass und Elektronik, und Klarinettenquintett, Centre Pompidou Paris
10.06.: Miroslav Srnka, simple space, here with you für ensemble recherche, Konzerthaus Freiburg
14.06.: Helmut Oehring, Angelus Novus für Ensemble Aventure und Philharmonisches Orchester Freiburg, Konzerthaus Freiburg
29.06.: Eun-Ji Anna Lee, intaglio für Trio Catch, Bürgerhaus Wilhelmsburg, Hamburg

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