Come together

Ferchows Fenstersturz 2018/10


(nmz) -
Was los in D? Keine Hysterie mehr? Vor ein paar Monaten lief ein empörtes Volk mit Tollwut-Koteletten durch die Republik, weil die Kameraden Kollegah & Farid Bang mit ihren – hüstel hüstel – zuweilen humorlosen Texten den „Echo“ ruinierten. Was waren wir da alle hysterisch. Und jetzt? Kommt uns Paul McCartney im viagrapflichtigen Alter von 76 mit Schweinskram daher: Wenn den Beatles John & Paul langweilig war, kam es vor, dass sie gemeinsam masturbierten. Wo bleibt denn bitte jetzt DER Aufschrei? Also der der Entrüstung. Den anderen können Sie verschweigen. Will keiner hören. Da ist nix mit „#fünfgegeneinen“.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Dann frage ich eben, wenn sich sonst keiner traut: Taugen die Beatles noch als Vorbild? Ich verurteile die Signalwirkung der mccartneyschen Botschaft energisch. Was passiert da jetzt in all den Band-Camps, Schülerbandwettbewerben und Popinstituten? Braucht man neue Kurse? Steckt im „Do it yourself“-Songwriting mehr drin? Muss man Workshops wörtlich nehmen? Sind die „Grifftabellen“ für E-Gitarre neu zu definieren? Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn ihr Kind den Einsteigerkurs „Vom Klassenmasturbieren äh Klassenmusizieren zur Schulband“ belegt? Kann man sich noch ungeniert „Solo“-Künstler nennen. Und weil ich gerade so aufgewühlt bin. Wie ist Reinhard Meys Song „Einhandsegler“ zu interpretieren („Du hast die Leinen losgeworfen mit einem Wort, alle Ketten, aller Ballast gehen über Bord … dein Kielwasser säumt schäumend deine Bahn, Einhandsegler auf dem Ozean“)? Ich bin noch verstörter als sonst.

Bitte lesen Sie jetzt nicht weiter, wenn Sie zuweilen in der Grundschule Ihrer Kinder anrufen (oder angerufen haben, falls Abstellgreis), um zu fragen, wie oft der Kleine in den ersten beiden Stunden niesen musste. Die folgenden Zeilen werden Ihr Weltbild zerstören. Verzeihen Sie die von bild.de übernommenen Frivolitäten: „Um mehr Spaß am Wedeln zu haben, riefen die Jungs abwechselnd die Namen berühmter, begehrenswerter Frauen – zum Beispiel Brigitte Bardot. McCartney: „Bei diesem Namen hat jeder ein bisschen härter gepeitscht.“ Wie bitte? Wedeln und peitschen? Ich bin entsetzt. Und jetzt, wo der Echo-Ethikbeirat wirklich einschreiten könnte, gibt es ihn nicht mehr. Großartig.

Nun gut. Wedeln als Gruppentherapie. Meinetwegen. Aber ich hoffe inständig, dass andere Menschen die Finger von solchen Methoden lassen. Verstanden, liebe Politiker? Wie sonst könnte ich künftig den Satz „die Par-teispitzen kamen zusammen, um den Schulterschluss zu suchen“ noch ernst nehmen? Aber, das Beste zum Schuss. Äh Schluss. Denn die Wedelei zwischen John & Paul fand ein jähes Ende. Nämlich „bis John die aufgegeilte Stimmung zerstörte, indem er ‚Winston Churchill‘ brüllte“ (bild.de). Das hat natürlich Stil. Zeitgemäßer müsste man in Deutschland freilich „Alexander Gauland“ brüllen. Wobei, ein paar kommen dann wahrscheinlich leider wirklich. Also zusammen. Um die Dinge in die Hand zu nehmen. Egal. We can work it out, Deutschland!

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