Coronafolgen für den Musikunterricht


(nmz) -
„Seit Beginn der Pandemie sind Musiklehrer gezwungen, ihren Unterricht neu zu denken. Dabei haben sich neue Möglichkeiten, Formate und Spielwiesen für kreativen Unterricht aufgetan, die wir nicht als Mangel, sondern als Chance begreifen wollen, Gewohntes in unserem Musikunterricht zu hinterfragen und diesen in Zukunft um neue Aktionsformen zu bereichern“, so Prof. Dr. Alexis Kivi, Vertretungsprofessor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Dresdner Hochschule für Musik.

Zusammen mit Kolleginnen aus Griechenland und der Türkei ist er der Frage nachgegangen, wie Musiklehrer in verschiedenen Ländern mit den Corona-Einschränkungen umgegangen sind. Dafür haben die Studierenden, Interviews mit Musiklehrern geführt, deren Ergebnisse mit weiteren Rückmeldungen von Musiklehrern aus Griechenland und der Türkei verglichen wurden.

Die Ergebnisse des Projekts wurden auf der Konferenz der European Association for Music in Schools (EAS) - einer internationalen Arbeitsgemeinschaft für Schulmusik - veröffentlicht. „In den Ländern Türkei, Griechenland und Deutschland konnten wir gleichermaßen bestimmte Phasen der Reaktionen feststellen. Auf die Phase des Stillstands folgte ein informeller digitaler Austausch von Schülern und Lehrern. In der dritten Phase gab es reguläre Onlinetreffen via Videochats“, so Kivi. Mit zunehmender Kontrolle der Corona-Fallzahlen sei wieder gemischter Unterricht möglich – sowohl digital als auch analog (Phase 4) bevor man wieder zum regulären Unterricht zurückkehre (Phase 5). „Es ist erstaunlich, was für kreative Projekte von Seiten der Schulen und der Schüler angestoßen wurden“, so Kivi. Die Bandbreite reiche von einem in der Klasse gemeinsam produzierten Corona-Radio über das Basteln von Instrumenten bis hin zu selbst produzierten Musik-Videoclips.

Das Projekt ist Teil einer Initiative, die aus der EAS hervorgegangen ist, bei der weitere europäisch-gemischte Teams die Auswirkungen der Pandemie auf den Musikunterricht u. a. in Portugal, Rumänien, der Slowakei, den Niederlanden und der Schweiz verglichen haben. Seit März ist die Hochschule für Musik Dresden offizielles Mitglied der EAS. „Teil dieser Vereinigung zu sein, ist für den Bereich Lehramt der Dresdner Musikhochschule eine enorme Bereicherung durch den Erfahrungsaustausch und durch das Erleben von so kulturell unterschiedlich geprägten Formen des Musikunterrichts“, so Kivi. Auf Basis der dort geknüpften Kontakte entstünden Kooperationsseminare und Lehrhospitationen in Ländern wie der Türkei und den USA, die sowohl den Horizont der deutschen als auch internationalen Studierenden erweitern.

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