Der vollkommene Dirigent ist ein alter Capellmeister, mit C geschrieben

Zum Tod des Dirigenten und einstigen Münchner Staatsoperintendanten Wolfgang Sawallisch


(nmz) -
Was für ein Leben im immerwährenden Dienst an der Musik: Die Vollendung des neunzigsten Lebensjahres hat er knapp verfehlt – der Dirigent Wolfgang Sawallisch, am 26. August 1926 in München geboren, ist am 22. Februar 2013 in seinem Haus im oberbayerischen Grassau gestorben.
Ein Artikel von Gerhard Rohde

Wolfgang Sawallisch war im guten alten Sinne ein wahrer „Capellmeister“, aus der Zeit, in der man das Wort noch mit einem „C“ schrieb. Mit einem „K“ geschrieben, bedeutet das heutzutage, zweiter oder dritter Mann an einem Opernhaus zu sein, Repertoirevorstellungen zu leiten, Ballettabende und Operetten. Ein „Meister der Capelle“ aber musste mehr sein: Hoch musikalisch, fachlich absolut kompetent, allumfassend gebildet und dazu auch eine gestandene Persönlichkeit, um dem Ehrentitel zu entsprechen. Und, was eigentlich das Wichtigste ist: ein gehorsamer Diener der Musik, der sich nie mit seiner Person vorlaut vor ein Werk stellt – die oft narzisstischen Selbstinszenierungen gegenwärtiger Pultstars bieten dazu das Gegenbild. Wolfgang Sawallisch ist ein wahrhafter „Capellmeister“ gewesen – ein sehr „deutscher“ dazu: Mozart, Wagner und Richard Strauss standen stets im Zentrum von Sawallischs Herzensrepertoire.

Seine Karriere begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als er aus der Kriegsgefangenschaft in Italien zurückkehrte. Ordnungsgemäß legte er an der Münchner Musikhochschule ein Staatsexamen ab, bei den Dirigenten Hans Rosbaud und Igor Markevitch betrieb er weitere Studien, die seine Auffassung von Dirigieren, was ein Dirigent zu leisten hat, sicher entscheidend mit geprägt haben dürften. Nach dem Studium folgte ein früher typisch deutscher „Capellmeister“-Aufbau mit Positionen in Augsburg, Aachen, Wiesbaden, Hamburg und Köln. Dann erreichte der geborene Münchner sein Traumziel: Er wurde 1969 als Nachfolger Joseph Keilberths zum Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ernannt. In zwei Jahrzehnten prägte er die Münchner Oper nach seinen Vorstellungen – was nicht allzu schwierig war, denn Mozart, Wagner und Strauss waren schon immer die Hausgötter. Was uns bleibt außer der lebendigen Erinnerung – auch an seine Zeit als Chef in Philadelphia –, ist auf zahlreichen Einspielungen festgehalten, die überdies zeigen dass Wolfgang Sawallisch auch ein wunderbarer Liedbegleiter war.

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